VonStella Henrichschließen
Eine neue EU-Richtlinie stoppt von März an den Verkauf bestimmter Elektronikgeräte. Auch große Fernseher sind davon betroffen. Was bedeutet das für Verbraucher?
München - Ab dem 1. März tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft. Die neue Richtlinie soll für einen geringeren Energieverbrauch bei großen Elektrogeräten sorgen. Das heißt im Klartext, dass bestimmte Geräte, die zu viel Energie verbrauchen, bald nicht mehr von Elektronikhändlern wie Media Markt, Saturn und Co. verkauft werden könnten.
So gelten für den Stromverbrauch von Fernsehern ab März neue Höchstgrenzen. Denn dann tritt in der EU die zweite Stufe der Ökodesign-Verordnung für elektronische Displays in Kraft. Die neue Verordnung enthält strengere Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Displays, einschließlich von Fernsehgeräten und Monitoren. Die Hersteller müssen sicherstellen, dass ihre Produkte den neuen Energieeffizienzanforderungen entsprechen, bevor sie in der EU verkauft werden dürfen.
EU-Verordnung stoppt stromfressende Fernseher: Aus für 4K und 8K-Geräte bei Saturn, Media Markt und Co.
Auch für bislang ausgenommene Display-Arten wie zum Beispiel Fernseher mit 8K-Auflösung gibt es neue Anforderungen, wie der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) jetzt informiert. Ob bestimmte TV-Geräte in XL-Formaten bald aus dem Handel verschwinden werden, ist noch nicht eindeutig absehbar. Fest steht jedoch, dass die neue EU-Ökodesign-Verordnung ab März auch strenger Punkte wie Wiederverwendbarkeit, Recyclinganteil, Haltbarkeit, Nachrüstbarkeit, CO2- und Umweltfußabdruck und Reparaturmöglichkeiten von Geräten regelt.
Theoretisch dürften dann bald schon keine Elektrogeräte mehr verkauft werden, die es nicht wenigsten in die Energieeffizienzklasse F schaffen.
Was ist neu am Energielabel?
Auf Elektrogeräten – von Kühlschränken bis Fernsehern – sollen einheitliche Kennzeichnungen wichtige Daten wie den Stromverbrauch nennen. Die sogenannten Energielabel kleben seit 20 Jahren auf den Produkten und auf den Kartons. Online-Händler müssen sie ebenfalls neben den Produktfotos abbilden. Mit großen Buchstaben von A bis G sind darauf die Produkte in sogenannte Effizienzklassen eingeteilt, plakative Farben unterstreichen das noch: Ein in Grün unterlegtes A steht für sehr geringen Stromverbrauch, ein in Rot unterlegtes G soll Verbraucher vor einem hohem Verbrauch des Geräts warnen. Vor zwei Jahren trat eine große Reform in Kraft – mit sehr viel strengeren Grenzwerten. Jetzt legt die EU in einem zweiten Schritt nach: Zum 30. März 2023 tritt eine Verordnung in Kraft, bei der es nicht allein um bunte Aufkleber geht. Vielmehr treten erstmals Höchstgrenzen für den Stromverbrauch in Kraft. Liegt ein Fernseher darüber, darf er nicht mehr in den Verkauf gehen. So der EU-Plan.
Die EU verbietet somit künftig den Verkauf neuer Modelle, deren Stromverbrauch knapp oberhalb der Grenze zur neuen Klasse G liegen. 27-Zoll-Monitore müssen demnach unter rund 26 Watt bleiben, 55-Zoll-TVs unter 89 Watt. Bisherige Ausnahmen und Sonderregelungen für 8K-Fernseher und bestimmte Bildschirmtechniken wie OLED entfallen.
Bis 2030 könnten laut EU dank des neuen Rahmens für nachhaltige Produkte etwa 132 Mio. Tonnen an Primärenergie eingespart werden, was etwa 150 Milliarden Kubikmetern Erdgas und damit fast der Gesamtheit der russischen Erdgasimporte der EU entspräche.
EU-Verordnung stoppt stromfressende Geräte: Hersteller wollen Neugeräte an aktuelle Vorgaben anpassen
Betroffen von dieser EU-Richtlinie wäre dann ein Großteil von 8K-Fernsehern mit QLED oder OLED Beleuchtung. Denn diese Geräte verbrauchen besonders viel Energie. Aufgrund drastisch verschärfter Grenzwerte hätten sich die Einstufungen für TV-Geräte um gleich mehrere Klassen nach unten verschoben, berichtet Computerbild. Welche Energieeffizienzklasse das jeweilige Geräte-Modell hat, können Verbraucher leicht auf der Seite der EU-Kommission in der Produktdatenbank erfahren.
Doch was bedeutet diese Neuerung für Kunden, die jetzt ein Gerät kaufen wollen? Können sie überhaupt noch ein großes Gerät bei Media Markt, Saturn und Co. bekommen? „Produkte, die vor dem Stichtag eingekauft wurden, dürfen nach unserem letzten Stand weiterverkauft werden, auch wenn sie nicht den Vorgaben entsprechen“, äußert sich ein Elektrohändler bei Der Westen. Was Neugeräte angehe, ginge man davon aus, dass die Hersteller ihre Modellreihen an die neuen Vorgaben anpassen würden. Allerdings, so glauben Experten des Elektronik-Herstellers LG, seien bei LC-Displays in den vergangenen 20 Jahren alle Optimierungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden. Das Einsparpotenzial habe sich aufgrund dieses Technologievorsprungs verringert, so die Experten bei Computerbild.
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Bei Philips-TV-Geräten werde so zum Beispiel seit Jahren, um beim Energieverbrauch einzusparen, die Effizient des LCD-Filters verbessert, berichtet Computerbild weiter. Gerade hochwertige Fernseher haben bislang oberhalb der neuen Verbrauchs-Obergrenze gelegen, die Nachfolger müssten daher sparsamer werden. Ausschlaggebend ist hier offenbar wieder die Leistungsaufnahme im Auslieferungszustand. Da könnten sich die Hersteller einfach damit retten, dass sie die Bildschirmhelligkeit ab Werk entsprechend drosselten, so das Online-Portal über das mögliche Aus für Top-Fernseher.
Jetzt erst hat Stiftung Warentest hunderte TV-Geräte auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis kam dabei raus: Gute Geräte gibt es auch unter 1000 Euro.
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