VonNoah Forouzanschließen
Elektroautos brauchen bessere Ladeinfrastruktur: Es gibt große Versorgungslücken. Besonders ländliche Regionen leiden unter fehlenden Ladesäulen.
Die Elektromobilität gilt als zentraler Baustein der Verkehrswende. Doch während die Zulassungszahlen von Elektroautos steigen, hapert es an einem entscheidenden Punkt: der Ladeinfrastruktur. Besonders in ländlichen Regionen fehlen oft öffentliche Lademöglichkeiten, die für den Alltag von E-Auto-Fahrern unverzichtbar sind. Trotz milliardenschwerer staatlicher Förderung sieht die Situation in vielen deutschen Kommunen ernüchternd aus. Eine aktuelle Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage zeigt, wie gravierend die Lücken tatsächlich sind.
Fast 50 Prozent der deutschen Kommunen verfügen über keine öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervor. Demnach hätten von den insgesamt 10.978 Kommunen in Deutschland 4.923 keine einzige öffentliche Ladesäule. „Dass es in beinahe jeder zweiten Kommune im Land keine Lademöglichkeit für ein E-Auto gibt, ist ein peinliches Versagen der Verkehrswende“, sagt Bartsch der Rheinischen Post. Er betont, dass neben dem Preis und der Reichweite eines Fahrzeugs auch die landesweite Infrastruktur „top“ sein müsse, damit Menschen auf E-Mobilität umsteigen.
Ladeinfrastruktur: Stadt gut versorgt, Land hinkt hinterher
In größeren Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern ist die Versorgung deutlich besser: Laut Verkehrsministerium sind dort nahezu 98 Prozent der Kommunen „mit mindestens einem öffentlich zugänglichen Ladepunkt ausgestattet“. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und Bremen sowie in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und dem Saarland gibt es eine flächendeckende Ausstattung mit Ladesäulen (jeweils 100 Prozent). Doch in kleineren Gemeinden und auf dem Land zeigt sich ein anderes Bild. Besonders schlecht schneidet Rheinland-Pfalz ab: Nur gut jede vierte Kommune (26,5 Prozent) verfügt hier über öffentlich zugängliche Ladepunkte – der schlechteste Wert aller Bundesländer.
Die Zahlen zeigen, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur vor allem in ländlichen Regionen hinterherhinkt. Dabei ist gerade in diesen Gebieten die Abhängigkeit von privaten Fahrzeugen besonders hoch, da der öffentliche Nahverkehr dort oft nur eingeschränkt verfügbar ist. Experten warnen, dass fehlende Ladesäulen viele Menschen davon abhalten könnten, auf Elektroautos umzusteigen. Ohne flächendeckende Ladeinfrastruktur bleibe die Verkehrswende Stückwerk – besonders in Regionen, die ohnehin schon benachteiligt sind. Auch interessant: Günstiges E-Auto von Audi sorgt für großes Aufsehen auf dem Markt – Deutsche gehen leer aus.
Seit Beginn der staatlichen Förderung hat der Bund rund 9,5 Milliarden Euro für die Elektromobilität ausgegeben. Doch die Ergebnisse bleiben hinter den Erwartungen zurück. Dietmar Bartsch kritisiert, dass es „der deutschen Autoindustrie so schlecht wie nie“ gehe. Eine Ursache dafür sei die „vernachlässigte Infrastruktur für E-Mobilität“. Neben der Ladeinfrastruktur steht auch die tatsächliche Nachfrage nach E-Autos in der Kritik. Das Kraftfahrzeuggewerbe bemängelt, dass die Zulassungszahlen täuschen. Viele Elektroautos würden als Dienstwagen oder Flottenfahrzeuge zugelassen, während die tatsächliche Nachfrage privater Kunden hinterherhinken. Passend zum Thema: 680 Millionen Euro Verlust zeigen, was bei E-Auto-Boom droht.
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