Teuer statt Masse

Ford krempelt sein Modellprogramm um: „Werden Kunden verlieren“

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Bekannte Modelle wie der Fiesta laufen aus, stattdessen gibt es mehr SUV und Elektro: Ford wandelt sich vom Volumenanbieter zur Spezialmarke. Kann das funktionieren?

Erst vor Kurzem erschütterte die Nachricht überzeugte Kleinwagen-Fahrer: Ford lässt sein erfolgreiches und beliebtes Modell Fiesta ohne Nachfolger auslaufen. Das Ende des braven Mittelklassewagens Mondeo ist ebenfalls besiegelt, und für den Kompaktwagen Focus sieht es auch nicht besser aus.

Logisch, die Elektrifizierung frisst die klassischen Verbrenner-Autos, das ist bei anderen Marken ja genauso. Schließlich stirbt auch die Mercedes A-Klasse, nicht mal Deutschlands Superstar VW Golf ist noch sicher (wenn auch der Name wahrscheinlich für ein E-Mobil weiterleben soll). Doch bei Ford geht der Einschnitt viel tiefer.

Imageträger: Der neue Ford Bronco.

Ford krempelt sein Modellprogramm um: „Werden Kunden verlieren“

Denn auf dem europäischen Markt verabschiedet sich der US-Konzern komplett und konsequent von Volumenmodellen. Also Autos, die irgendwie zu jedem passen. Wie eben Fiesta und Focus. Sie bekommen auch keine elektrischen Ersatz-Wagen, wie es der VW ID.3 für den Golf ist.

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VW Golf, Alternative zur Mercedes A-Klasse
VW Golf: Er ist und bleibt die Referenz für Kompaktwagen – und damit auch das Vorbild für die Mercedes A-Klasse. Auch wenn VW sich elektrisiert, wird der Klassiker (mittlerweile in achter Generation) vorerst im Progamm bleiben, während der technisch ähnliche Audi A3 wohl einen rein elektrischen Nachfolger bekommt. Als Benziner, Diesel und Plug-in-Hybrid, Preise ab 28.800 Euro. © Hardy Mutschler/VW
BMW 1er, Alternative zur Mercedes A-Klasse
BMW 1er: Der direkte Konkurrent der A-Klasse dürfte von deren Aus profitieren. Anders als Mercedes und Audi will BMW weiter Verbrenner-Modelle produzieren, womit die Zukunft der Modellreihe gesichert sein dürfte. Als BMW M135i xDrive mit 306 PS (im Bild) erfüllt er auch hohe Poweransprüche. Mit Benzin- und Dieselmotoren, Preise ab 29.500 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Opel Astra, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Opel Astra: Der ewige Konkurrent des VW Golf überzeugt mit etwas mutigerem Design und guter Verarbeitung. Die neue Generation ist mit Schrägheck und als Kombi zu haben. Derzeit mit Benzin- und Dieselmotoren sowie als Plug-in-Hybrid im Programm, eine vollelektrische Variante folgt 2023. Preise ab 26.650 Euro. © Opel
Hyundai i30, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Hyundai i30: Auch die Südkoreaner schwenken mittelfristig zur Elektromobilität um, pflegen aber weiterhin ihr klassisches Modell-Portfolio. Der i30, den es auch als 250 PS starke N-Version gibt, ist technisch mit dem Kia Ceed verwandt. Nur als Benziner zu haben, aber auch als Kombi und Fließheck. Preise ab 19.330 Euro. © Uli Sonntag/Hyundai
Renault Mégane, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Renault Mégane: Die Franzosen lassen ihren Kunden in der Kompaktklasse weiterhin die Wahl. Benziner, Diesel, Plug-in oder vollelektrisch? Der Mégane bietet alle Varianten, und ist als Fließheck-Version sowie als Kombi („Grandtour“) zu bekommen. Preise ab 27.600 Euro. © Jean-Brice Lemal/Renault
Mazda3, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Mazda3: Die Japaner lassen sich Zeit mit der Elektrifizierung ihrer Modellpalette, und pflegen klassische Modelle wie ihren kompakten 3er weiter. Es gibt ihn mit zwei Heck-Varianten und ausschließlich als Mildhybrid-Benziner, also mit leichter Unterstützung durch einen kleinen Elektromotor. Preise ab 25.890 Euro. © Mazda
Cupra Born, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Cupra Born: Warum mit der Marke nicht auch gleich die Antriebsart wechseln? Der Cupra Born ist als reines Elektroauto konzipiert, bietet auf seinen kompakten 4,32 Metern einen gut nutzbaren Innenraum und ein frecheres Design als sein braver Bruder, der VW ID.3. Preis ab 37.220 © Laurent Sanson/Imago
Toyota Corolla, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Toyota Corolla: Der Inbegriff des japanischen Kompaktwagens ist ein solider verarbeiteter Alltagsbegleiter. Der meistverkaufte Pkw der Welt zeigt aber auch, dass sich die Japaner nach ihrem Höhenflug als Hybrid-Pionier mit der Elektrifizierung schwertun: Plug-in- oder E-Version gibt es nicht, dafür zwei Karosserieversionen des Voll-Hybriden. Preise ab 27.550 Euro. © Slavko Midzor/Imago
Peugeot 308, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Peugeot 308: Der schicke Franzose aus dem Stellantis-Konzern ist ein technischer Verwandter des Opel Astra. Auch er bekommt demnächst einen reinen Elektroantrieb, derzeit ist er als Benziner, Diesel und Plug-in-Hybrid zu haben und in zwei Karosserie-Varianten zu haben – sowie als Kombi. Preise ab 30.600 Euro. © Peugeot
Honda Civic, Alternative zur Mercedes A-Klasse
Honda Civic e:HEV: Mit einer Länge von 4,52 gehört der Japaner zu den größeren Kompaktwagen. Sein ungewöhnliches Hybrid-System wechselt automatisch zwischen Benzin- und Elektromotor, ist aber kein Plug-in. Andere Motoren gibt es nicht, Preis: 31.900 Euro. © Honda

„Wir versuchen nicht mehr, dass uns 100 Prozent der Leute mögen“, verkündet Christian Weingärtner, geschäftsführender Direktor für Ford Deutschland, Österreich und die Schweiz, „sondern wir wollen, dass uns zehn Prozent lieben“. Dafür sollen jene Modelle sorgen, die den Lifestyle-Nerv treffen, und irgendwie für American Way of Life stehen, für Freiheit und Abenteuer – wie der neue, kernige Offroader Ford Bronco, oder der klassische Mustang.

Diese bleibenden Modelle stuft Ford in vier Gruppen ein:

  • Wild Performance: Hier finden Kunden Power-Mobile wie den Ford Mustang und elektrischen Mustang Mach-E
  • Urban Escape: Hier gibt’s praktische, aber auch trendige SUV und Crossover für Städter wie den Puma.
  • Ultimate Outdoor: Hier fasst Ford teure, geländegängige Modelle wie den Pick-up-Truck Ranger Raptor oder den Bronco zusammen.
  • Active Adventure: Hier fahren zuverlässige Offroader wie der Ford Explorer.

Die aussortierten Brot- und Butter-Modelle gelten als „Plain Vanilla“ und wenig charakterstark – alltägliche Autos, mit denen Ford bislang kaum Gewinne erzielen konnte. Käufer, die aber genau so etwas suchen, werden wohl zur Konkurrenz abwandern. „Wir werden einen Teil unserer Kundschaft verlieren“, ahnt Christian Weingärtner: „Die Umstellung ist natürlich mit gewissen Schmerzen verbunden.“

Ford krempelt sein Modellprogramm um: Image wie Patagonia

Die Schmerzen stillen sollen höhere Preise und Renditen für die verbleibenden Modellreihen. Dass man nicht wie Mercedes zum reinen Luxus-Anbieter mutieren kann, ist den Ford-Oberen klar, aber als hochwertige Marke wahrgenommen werden möchte man durchaus. „Mercedes ist wie Gucci, so ein Image passt natürlich nicht zu uns“, weiß Christian Weingärtner: „Aber Patagonia ist auch hochpreisig – in diese Richtung wollen wir“.

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Tatsächlich werden etwa die wenigen Ford Bronco, die es nach Deutschland schaffen, kaum unter 80.000 Euro zu haben sein. Da wird ein bisheriger Focus-Fahrer kaum umsteigen.

Kunden von Fords Nutzfahrzeugen bleiben von dem Kahlschlag übrigens verschont. Mit Ford Transit und Co. verdient der Hersteller gutes Geld und tastet sie nicht an: ordentliche Lastenträger statt Urban Lifestyle eben.

Rubriklistenbild: © Ford

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