Wegen schlechter Wirtschaftslage

Schock für Rentner: Bas-Berater fordern Rente ab 73 Jahren

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Wirtschaftsexperten empfehlen eine drastische Anhebung des Renteneintrittsalters bis 2060. Welche Folgen das für die deutsche Gesellschaft haben könnte.

Berlin – Die Diskussion um das Renteneintrittsalter in Deutschland hat eine neue Dimension erreicht. Ein von der Bundesregierung eingesetzter wissenschaftlicher Beraterkreis hat ein Gutachten vorgestellt, das für Aufsehen sorgt: Um das Rentensystem vor dem Kollaps zu bewahren, empfehlen die Ökonomen eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 73 Jahre bis zum Jahr 2060.

Manche Rentner kommen kaum über die Runden, andere haben hohe Einkommen. (Symbolbild)

Die Experten begründen ihren Vorschlag mit den wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen, denen sich Deutschland gegenübersieht. „Seit Jahren stagniert die Wirtschaftsleistung, während vergleichbare Volkswirtschaften deutlich dynamischer wachsen“, heißt es in dem Gutachten, das Bild vorliegen soll. Als Hauptursachen werden ein zu geringes Produktivitätswachstum und strukturelle demografische Probleme genannt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte bereits zuvor mit der Forderung nach einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis 70 für Diskussionen gesorgt. Der neue Vorschlag des Beraterkreises geht nun noch einen Schritt weiter und knüpft das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung.

Rente ab 73 Jahren? Dänemark als Vorbild für deutsches Rentenmodell

Die Experten orientieren sich bei ihrem Vorschlag am Modell Dänemarks. Dort wurde im Mai 2025 im Parlament mit großer Mehrheit beschlossen, das Renteneintrittsalter bis 2040 auf 70 Jahre anzuheben. Diese Regelung betrifft alle dänischen Bürger, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren wurden. Dänemark nimmt bereits seit 2006 eine kontinuierliche Anpassung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vor. Damals lag das Eintrittsalter noch bei 65 Jahren. Das dänische System hat sich über verschiedene Regierungskoalitionen hinweg als stabil erwiesen und wird auch von der aktuellen sozialdemokratisch geführten Regierung fortgeführt.

Seit Jahren stagniert die deutsche Wirtschaftsleistung, während vergleichbare Länder deutlich dynamischer wachsen. „Wir werden mehr arbeiten müssen, wenn wir den Umfang der Sozialversicherungen bewahren wollen, ohne zeitgleich den nachfolgenden Generationen noch mehr Lasten zu hinterlassen“, argumentieren die Bas-Berater in ihrer Studie. Sie betonen die Notwendigkeit, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, um das System langfristig zu stabilisieren. Berechnungen für eine Rente ab 70 zeigten bereits, dass Deutschland an die EU-Spitze käme.

Rente nicht nach altem Maß finanzierbar: Deutschland steckt in der Krise

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) meldet, schlagen auch die Wirtschaftsberater von Ministerin Katherina Reiche Alarm. Deutschland stecke in einer schweren strukturellen Krise, die ohne grundlegende Reformen zu Deindustrialisierung und dem Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit führen könnte. Man wolle die Bundesregierung zu einer „Wachstumsagenda“ animieren und spreche sich für mehr Reformen aus. So beinhaltet auch deren Strategie unter anderem die umstrittene Forderung nach einem deutlich höheren Renteneintrittsalter.

Die vorgeschlagene Anhebung des Renteneintrittsalters auf 73 Jahre könnte tiefgreifende Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft haben. Eine solch drastische Erhöhung könnte die Belastung für ältere Arbeitnehmer unverhältnismäßig steigern. Schon 2020 ergab eine Umfrage bei der IG Metall, dass ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren für die Mehrheit der Beschäftigten nicht erreichbar ist. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) ging davon aus, dass sie ihren derzeitigen Beruf nicht bis 67 ausüben kann. Auch die Betriebe selbst sahen sich nicht vorbereitet auf diese Wende.

Die politische Umsetzung eines solchen Vorschlags dürfte jedoch auf erhebliche Widerstände stoßen. Sicher ist, dass die Diskussion um die Zukunft der Rente in Deutschland mit diesem Vorschlag eine neue Dynamik erhalten hat. Ein Ökonom aus Österreich sorgte jetzt für Wirbel mit der Idee, das Renteneintrittsalter nach Gehalt einzustufen. (Quellen: bild.de, dpa) (diase)

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

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