Raus aus der Kinderarmut

Kindergrundsicherung: Das bedeutet sie für Alleinerziehende 

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Ab 2025 soll die neue Kindergrundsicherung eingeführt werden. Auch armutsgefährdete Kinder von Alleineerziehenden sollen davon mehr als bisher profitieren.

Berlin ‒ Es wurde gehämmert und geschraubt in Berlin, nun steht auch die Kindergrundsicherung endlich auf sicheren Füßen. Millionen Kinder sollen davon profitieren. Die Minister haben ihren wochenlangen Streit über die Höhe der Leistungen damit endlich beigelegt. Jetzt gibt es also mehr Geld für bedürftige Familien sowie alleinerziehende Mütter und Väter. Mit der neuen Kindergrundsicherung soll es ab dem Jahr 2025 nicht nur einfacher für Anspruchsberechtigte werden, die Leistungen zu erhalten, sondern vieles soll auch im System der Bundesagentur für Arbeit anders werden.

Kindergrundsicherung für Alleinerziehende: Bis zu 636 Euro im Monat

In Zahlen gesprochen bedeutet die neue Kindergrundsicherung laut Familienministerin Lisa Paus (Grüne) ein Anspruch von 530 Euro für die Kleinen und bis 636 Euro für ältere Kinder. Der Betrag errechnet sich aus dem künftigen Kindergeld und dem Kinderzuschlag. Bei dem Kinderzuschlag handelt es sich laut Familienministerium um eine zusätzlich finanzielle Unterstützung für erwerbstätige Eltern, die genug für sich selbst verdienen, aber bei denen es nicht oder nur knapp reicht, um auch für den Bedarf der Familie aufzukommen.

Eckpunkte der Kindergrundsicherung:

  1. Leistungen für bedürftige Familien werden gebündelt und damit übersichtlicher
  2. Es soll nur noch eine Anlaufstelle für ALLE Kinderleistungen geben. Diese nennt sich fortan Familienservice (ehemals Familienkasse) der Bundesagentur für Arbeit.
  3. Künftig soll es einen „Kindergrundsicherungs-Check“ geben, der klärt, ob Familien einen Anspruch auf den Kinderzusatzbetrag haben, wenn das Einkommen der Eltern nicht zum Leben reicht
  4. Das sogenannte sozio-ökonomische Existenzminimum soll neu berechnet werden, welches ausschlaggebend für die Höhe des Bürgergeldes ist. Es soll die Kosten des Alltags von Familien künftig besser wiedergeben

Kindergrundsicherung für Alleinerziehende: Kindergeldzuschlag beantragen

Wer Anspruch auf den Kinderzuschlag hat, erhält außerdem Leistungen für Bildung und Teilhabe und kann sich von den Kitagebühren befreien lassen. Eine deutliche Erleichterung – speziell für alleinerziehende Mütter und Väter. Außerdem wird für jedes unverheiratete Kind bis 25 Jahr der Zuschlag bezahlt, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Das Kind im Haushalt bzw. der Bedarfsgemeinschaft lebt und Kindergeld ausgezahlt wird
  • Das Einkommen von Alleinerziehenden eine Mindestgrenze von 600 Euro brutto nicht überschreitet
  • Die beantragende Person hat für sich selbst genug Einkommen und zusammen mit dem Kinderzuschlag, dem Kindergeld und dem eventuell zustehenden Wohngeld kann sie den Bedarf der Familie decken
  • Das Einkommen, das auf den Kinderzuschlag angerechnet wird, ist nicht so hoch, dass sich der Kinderzuschlag auf null reduziert
  • Quelle. BMFSFJ Kinderzuschlag

Wer den Kinderzuschlag oder auch Wohngeld erhält, dem stehen auch Leistungen für Bildung und Teilhabe zu. Das sind zum Beispiel eintägige Ausflüge oder mehrtägige Klassenfahrten von Schule, Kita oder Tagespflege, 174 Euro für die Ausstattung mit Schulbedarf pro Schuljahr, Kostenübernahme für ÖPNV-Tickets für Schüler, Kostenübernahme für angemessene Lernförderung für Schulkinder, kostenlose gemeinschaftliche Mittagsverpflegung in Schule, Kindertagesstätte oder Hort oder in der Tagespflege sowie monatliche Kostenübernahme für einen Sportverein oder die Musikschule in Höhe von 15 Euro.

Kindergrundsicherung: Künftig sollen Antragstellende bis zu 636 Euro pro Kind erhalten. (Symbolbild)

Schon heute gibt es diesen Anspruch auf Geldleistungen, doch oftmals sind die bürokratischen Hürden für viele Bedürftige so hoch, dass sie die Leistungen nicht beantragen. Doch das soll sich mit dem geplanten System-Umbau der BfA künftig ändern und Alleinerziehenden bzw. Eltern etliche Vereinfachungen bringen. So soll der Antrag auf den Kinderzuschlag künftig online möglich sein.

Kindergrundsicherung für alleinerziehende Mütter und Väter: Unterhaltszahlungen werden nur noch mit 45 Prozent angerechnet

Familienministerin Paus hat von Finanzminister Christian Lindner (FDP) für das neue Paket der Kindergrundsicherung rund 2,4 Milliarden Euro erhalten. Sie sieht darin vor allem Vorteile für Alleinerziehende. Bei diesen Vätern und Müttern, die mindestens 600 Euro verdienen, sollen Unterhaltszahlungen vom anderen Elternteil künftig nur zu 45 Prozent zur Bemessung des Kinderzusatzbetrages angerechnet werden, berichtet der WDR. Bisher galt laut Bürgerlichem Gesetzbuch § 1612b im Falle von Scheidungskindern, das Kindergeld zur Hälfte auf den Kindesunterhalt angerechnet wird.

Lindner hob in dem Bericht hervor, dass es diese „priviligierte Anrechnung von Unterhaltseinkommen“ für Kinder ab sechs Jahren nur für jene Alleinerziehenden geben solle, „die mindestens für 600 Euro arbeiten - Minijob reicht nicht aus“. Außerdem erhalten Teenager, die bisher Kinderzuschlag bekommen, „mit dem Start der Kindergrundsicherung monatlich noch einmal 60 Euro mehr haben“, sagte Paus laut WDR-Bericht.

Zehn lukrative Nebenjobs in Deutschland

Draufsicht auf eine studentische Schreibtastatur.
Auch wenn mittlerweile viele Vorgänge in der Arbeitswelt automatisiert ablaufen, müssen in einigen Bereichen Daten noch immer manuell erfasst und gepflegt werden. Unternehmen lagern diese Jobs gern aus, da sie nicht viel Know-how benötigen. Der Job kann häufig im Home-Office erledigt werden, da der Austausch online erfolgt. In den meisten Fällen werden die Datenerfasser pro Datensatz bezahlt. Aber auch eine Abrechnung auf Stundenbasis ist manchmal möglich. Vor allem Studenten können sich aufgrund ihrer flexiblen Zeiteinteilung hier einen guten Nebenverdienst sichern. © Oleksandr Latkun/Imago
Das Bild zeigt eine PC-Tastatur mit roten Taste „Website Monetize“.
Wer eine eigene Website oder einen Blog betreibt, kann mit sogenanntem Affiliate-Marketing zusätzlich Geld nebenbei verdienen. Unter Affiliate-Marketing versteht man das Bewerben von Produkten anderer Unternehmen. Wenn jemand über diesen Affiliate-Link kauft, bekommt der Betreiber des Blogs eine Provision. Denn als „Affiliate“ ist man quasi ein Verkäufer für ein Unternehmen, dass den Betreiber der Webseite bzw. des Blogs bei einem Verkauf belohnt. Das Gute am Affiliate-Marketing ist, dass man als Affiliate für Produkte vieler verschiedener Unternehmen werben kann und entsprechend von allen Provisionen erhält. © Nialowwa/Imago
Bild zeigt Mann mit Brille über dem Buchstaben regnen.
Wer ein gutes Sprachgefühl hat und gern Texte schreibt oder übersetzt, kann sein Talent zu Geld machen. Ein Texter erstellt in erster Linie Texte für Firmenwebseiten, Online-Shops sowie Blogs. Abgerechnet wird auf Stunden- oder Wortbasis. Die Arbeit als Texter umfasst neben dem Schreiben häufig auch die Recherchen. Wenn lieber redigiert und nicht schreiben will, aber über eine gute Rechtschreibung und Grammatik verfügt, kann auch als Korrektor arbeiten. Korrektoren überprüfen geschriebene Texte auf Rechtschreibung, Grammatik und Typografie. © Sergey Nivens/imago
Ein Arzt zieht eine Spritze auf und entnimmt eine Blutspende.
Wer Blut oder Blutplasma spendet, verdient Geld und tut nebenbei auch noch was Gutes. Für Vollblutspenden wird in der Regel ein Betrag zwischen 15 und 25 Euro bezahlt. Da Plasma spenden gut eine Stunde dauern kann, fällt die Aufwandsentschädigung auch höher aus und liegt häufig zwischen 25 und 40 Euro. Doch zu oft darf und sollte man nicht zum Blutspenden gehen. Schließlich ist die Blutspende ein körperlich kräftezehrender Akt und es ist empfehlenswert, sich danach erst einmal für einige Wochen davon zu erholen. © Erwin Wodicka/imago
Zwei Männer machen eine Weißwurstprüfung in einer Gaststätte.
Als Mysteryshopper oder Testanrufer testen man den Service und die Qualität von Unternehmen. Mysteryshopper kommen zum Beispiel im Einzelhandel, in Restaurants, Banken und vielem mehr zum Einsatz. Nach dem Test muss in der Regel ein Fragebogen ausgefüllt und ein kurzer Testbericht verfasst werden. Ein Testkäufer-Job eignet sich vor allem für Personen mit einer guten Auffassungsgabe und gutem Erinnerungsvermögen. Die Vergütung hängt in der Regel von der Art und dem Umfang des Tests ab. Auch als sogenannter Testesser in Restaurants lässt sich Geld verdienen.  © Imago
Tiersitterin geht mit Hunden im Wald spazieren.
Jobs für Tierfreunde: Wer sich als Tiersitter Geld dazu verdienen will, kann zum Beispiel mit Hunden Gassi gehen oder Katzen betreuen, wenn Herrchen und Frauchen in den Urlaub fahren. Der Job eignet sich vor allem für zuverlässige und tierliebe Menschen, die Erfahrung im Umgang mit Tieren haben. Der Verdienst hängt dabei wie so oft von den individuellen Qualitäten und dem Umfang der Tätigkeit ab. Eine Ganztagsbetreuung bringt mehr Geld ein als „nur“ Gassi gehen. © Reinhard Kurzendörfer/Imago
Studentin unterrrichtet ein kleines Mädchen.
Interessant an diesem Job ist, dass sich alle Einsätze als Nachhilfelehrer flexibel planen lassen. Die Bezahlung kann sich auch sehen lassen, denn die meisten Eltern wollen, dass ihre Kinder in der Schule gute Noten haben. Als Nachhilfelehrer kann man auch gleich mehreren Kindern Nachhilfe geben. Das geht inzwischen auch per Videochat, sodass man dafür noch nicht einmal die Wohnung verlassen muss. Voraussetzung für den Job als Nachhilfelehrer ist das notwendige Fachwissen. Zusätzlich sind soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Spaß am Umgang mit jungen Leuten wichtig. © Imago
Bild zeigt Kameraausrüstung, welche ein Mann umgehängt hat.
Wer Talent hat, gute Fotos zu machen, sollte testen, ob er seine Bilder auf sogenannten Stockfoto-Plattformen verkaufen kann. Der Job ist zeitlich extrem flexibel und eignet sich sowohl für Hobby- als auch für Halb-Profi-Fotografen. Der Verdienst hängt jedoch von der Qualität der Fotos sowie von der Plattform ab. Besonders praktisch: Sind die Bilder einmal auf der Plattform hochgeladen, generiert der Fotograf ein passives Einkommen.  © Imago
Bild zeigt Frau mit Baby auf dem Arm beim Füttern.
Essen kochen, die Kinder bespaßen und mit ihnen Hausaufgaben machen: Der Job als Babysitter ist nicht immer leicht – aber dafür ist er lukrativ. Zudem sind gute Babysitter immer gesucht – auf Online-Jobbörsen finden Sie zahlreiche Gesuche. Gehalt: Eine gute Kinderbetreuung lassen sich manche Eltern auch einiges kosten. Mit bis zu 15 Euro Stundenlohn können Babysitter rechnen. Grundsätzlich ist die Bezahlung von Babysittern aber Verhandlungssache. Als Nebenjob während des Studiums ist dieser Job für viele Studenten sehr gut geeignet. © Kasto/Imago
Bild zeigt Fahrradkurier bei der Arbeit
Fahrradkurier: Sport treiben und dabei blitzschnell durch die Stadt sausen: Als Fahrradkurier transportieren Sie Geschenke, Essen oder schon mal Blutproben in Windeseile von A nach B. Die Vorteile: Man lernt den Heimatort wie seine Westentasche kennen und bekommt, wenn man Glück hat, ein saftiges Trinkgeld vom Adressaten der Ware. © Imago

Fakt ist. Bislang gingen Alleineerziehende bei der Erhöhung des Kindergeld leer aus. Inzwischen sind auch immer mehr Väter hierzulande alleinerziehend. Für viele dieser armutsgefährdenden Personen dürfte die neue Kindergrundsicherung ab 2025 also deutliche Vorteile bringen.

(sthe)

Rubriklistenbild: © Natalia Deriabina/imago

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