Von wegen Wohlfühlpfunde

Gefährliches Übergewicht: Die Hälfte aller Pferde ist zu dick

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Ponys und Kleinpferde sind häufig leichtfuttrig und neigen zu Übergewicht.
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Viele Pferde in Deutschland sind übergewichtig. Die Besitzer selbst sehen das allerdings oft anders. Warum das so ist, welche Folgen Übergewicht hat und wie Pferde am besten abspecken.

Die Hälfte aller Pferde in Europa ist zu dick. Das hat eine britische Studie vor einigen Jahren ergeben. Manche Experten schätzen sogar noch mehr Pferde hierzulande als zu dick ein. Gerade leichtfuttrige Ponys tragen häufig zu viele Kilos mit sich herum. Dabei ist Übergewicht alles andere als niedlich. Es begünstigt Stoffwechselerkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und führt zu Überlastung des Bewegungsapparats. Das Problem: Viele Reiter erkennen nicht, dass ihr Pferd übergewichtig ist.

Ist mein Pferd zu dick? Der Body Condition Score verrät es

Ob ein Pferd zu dick ist, lässt sich mit dem sogenannten Body Condition Score (BCS) herausfinden. Schließlich kann man ein Pferd nur selten auf die Waage stellen. Diese Methode hilft dabei, den Ernährungszustand des Pferdes objektiv einzuschätzen, indem Fetteinlagerungen an unterschiedlichen Körperstellen bewertet werden. Besonders am Mähnenkamm und Schweifansatz sowie an Brust, Bauch, Schulter, Rücken und Hüfte des Pferdes sammelt sich Fett an. Mithilfe einer Tabelle vergibt man Punkte (von 1 = ausgehungert bis 9 = extrem fett). Der Durchschnittswert ist der BCS. Mit fünf Punkten liegen Pferde im Normalbereich.

Energiebündel auf vier Hufen: Die zehn temperamentvollsten Pferderassen

Eine Schimmelstute der Rasse Arabisches Vollblut steht auf der Weide.
Das Arabische Vollblut strotzt nur so vor Temperament. Es handelt sich um die Reinzucht des arabischen Pferdes, einer der ältesten Pferderassen der Welt. Das Arabische Vollblut ist ein zierliches Pferd, das bis zu 1,60 Meter groß wird. Der edle, nach innen gewölbte Kopf, große Augen und der hoch angesetzte Schweif sind charakteristisch. Bei vielen anderen Pferderassen werden Vollblutaraber als sogenannte Veredler eingesetzt, also gezielt eingekreuzt, um Temperament, Ausdauer und Schönheit an die Nachkommen weiterzugeben. Vollblutaraber sind temperamentvoll und sensibel, aber keinesfalls schwierig, sondern intelligente und freundlich. Aufgrund ihrer Ausdauer sind sie im Distanzsport beliebt. Auf kurzen Strecken können Vollblutaraber bis zu 65 Kilometer pro Stunde schnell werden. Erkennen kann man sie auch an dem Kürzel ox hinter dem Namen. © IMAGO / imagebroker
Ein braunes Englisches Vollblut galoppiert über die Wiese.
Englische Vollblüter sind die schnellsten Pferde der Welt und aus dem Galopprennsport nicht wegzudenken. Pferde dieser Rasse werden bis 1,70 Meter groß. Sie sind schlank und athletisch. Entstanden ist die Rasse vor über 200 Jahren in Großbritannien durch Kreuzung heimischer Stuten mit orientalischen Hengsten. Die Zuchtkriterien der Rasse sind streng: Es sind keine anderen Rassen in der Zucht erlaubt. Das Englische Vollblut ist sehr intelligent, aber auch anspruchsvoll und daher für Anfänger eher ungeeignet. Bei unerfahrenen Reitern kann ihre Sensibilität auch in Schreckhaftigkeit und Nervosität umschlagen. Das Kürzel xx hinter dem Namen zeigt, dass es sich bei einem Pferd um ein Englisches Vollblut handelt. © IMAGO / imagebroker
Ein brauner Trakehner galoppiert über die Wiese auf die Kamera zu.
Der Trakehner ist ein sogenanntes Halbblut, was bedeutet, dass Arabische und Englische Vollblüter an der Entstehung der Rasse im 13. Jahrhundert beteiligt waren. Ein Trakehner kann bis zu 1,70 Meter groß werden und an die 700 Kilogramm auf die Waage bringen. Trakehner sind nicht nur elegant und muskulös – sie bringen auch viel Temperament mit. Anfänger könnten mit der Pferderasse überfordert sein, da diese Pferde viel Feingefühl von ihrem Reiter fordern. Bei den Profis im Sattel ist der Trakehner umso beliebter und bis in den Spitzensport in Dressur, Springen und Vielseitigkeit erfolgreich. © IMAGO / Depositphotos
Ein fuchsfarbenes Anglo-Araber Pferd galoppiert über Wiese.
Der Anglo Araber wird hauptsächlich in Südfrankreich, Polen und England gezüchtet. Entstanden ist die Rasse aus einer Kreuzung von Englischen Vollblutstuten mit Vollblutaraberhengsten. Ursprünglich war der Anglo Araber für die Kavallerie gedacht. Heutzutage ist er ein beliebtes Sport- und Freizeitpferd. Mit maximal 1,65 Meter ist der Anglo Araber ein eher zierliches Pferd mit einem ausgeglichenen Wesen. Da die Rasse jedoch auch für die Rennbahn gezüchtet wurde, steckt in ihm ein echtes Energiebündel mit viel Temperament. © IMAGO / imagebroker
Ein glänzend schwarzer Achal Tekkiner galoppiert über einen Sandpaddock mit Holzzaun.
An die 3.000 Jahre alt ist die edle und temperamentvolle Pferderasse Achal Tekkiner. Der goldene Schimmer im Fell lässt diese Pferde mystisch erscheinen und macht sie unverwechselbar. In China werden sie auch „Himmelspferde“ genannt. Dieser Schimmer entsteht durch eine spezielle Haarstruktur, die das Pferd sowohl vor Kälte in der Nacht schützt als auch vor Hitze am Tag. Der Achal Tekkiner kommt ursprünglich aus Turkmenistan in Zentralasien. Das Nomadenvolk, das diese Rasse züchtete, legte großen Wert auf Leistungsfähigkeit und Ausdauer. Da der Achal Tekkiner nicht nur temperamentvoll, sondern auch sehr sensibel ist, braucht er einen erfahrenen Reiter. Ansonsten kann er schreckhaft und nervös werden.  © IMAGO / imagebroker
Ein Brauner Selle Francais galoppiert über die Weide.
Besonders im Parcours auf höchstem Niveau trifft man auf die französische Warmblut-Pferderasse Selle Français. So war das berühmte Springpferd Jappeloup de Luze, das 1988 Olympia-Gold holte und dessen Geschichte sogar in die Kinos kam, ein Selle Français. Charakteristisch ist der hohe Blutanteil, was diese Pferde so temperamentvoll macht. Pferde der Rasse Selle Français sind sportlich und können bis 1,75 Meter groß werden. Erkennen kann man sie auch an ihrer geraden bis leicht nach außen gewölbten Kopfform. © IMAGO / imagebroker
Ein Connemara Schimmelhengst steht auf einer Wiese mit gelben Blumen.
Das Connemara Pony ist aufgrund seiner Größe von maximal 1,48 Meter ein beliebtes Sportpony für Kinder. Jedoch sollte man es nicht unterschätzen, denn das kleine Pferd strotzt nur so vor Energie. Das Connemara Pony kommt aus Irland. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Vollblut- und Araberhengste eingekreuzt, um die Ponys edler zu machen. Daher haben sie auch ihr feuriges Temperament. Gleichzeitig sind Connemara Ponys freundlich und aufgrund ihrer Trittsicherheit beliebte Freizeitpferde. Ihr Galopp und ihr Springvermögen sind überdurchschnittlich.  © Depositphotos/Imago
Ein dunkelbrauner Shagya Araber galoppiert über die Weide.
Der Shagya Araber kommt aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien und geht ebenfalls auf den Vollblutaraber zurück. Das Temperament hat diese Rasse von seinen Vollblut-Vorfahren geerbt. Heute werden die Pferde in Reinzucht gezüchtet, was bedeutet, dass keine anderen Rassen eingekreuzt werden dürfen. Nur vereinzelt sind noch Vollbluthengste für die Zucht von Shagya Arabern zugelassen. Pferde dieser Rasse sind, wie alle Rassen des arabischen Typs, zierlich und gleichzeitig robust. Am häufigsten kommen Schimmel vor. Der Shagya Araber gilt als lebhaft und leistungsbereit und ist in allen Disziplinen bis zur schwersten Klasse vertreten. ©  IMAGO / imagebroker
Ein dunkelbrauner Pura Raza Espanola in der Abendsonne auf der Weide.
Eine gehörige Portion Temperament gehört bei der spanischen Pferderasse Pura Raza Española zur Grundausstattung. Oft wird der P.R.E. mit den Andalusiern oder Lusitanos verwechselt. P.R.E. darf ein Pferd aber nur heißen, wenn es reinrassig ist. Beim Andalusier haben beide oder ein Elternteil keine Papiere. Der Lusitano ist das Pendant aus Portugal. Die Gemeinsamkeit aller iberischen Pferde ist der barocke Typ, also ein kompakter und kräftiger Körper. P.R.E. haben ausdrucksstarke Gänge und ein Talent zur Versammlung, was sie in der Dressur besonders beliebt macht. Sie sind aber auch als Freizeitpartner gefragt. Der Reiter sollte Erfahrung und Feingefühl mitbringen, um den temperamentvollen Pferden gerecht werden zu können. © IMAGO / imagebroker
Ein Pferd der Rasse Berber und der Farbe Apfelschimmel im Portrait.
Das Volk der Berber aus Nordafrika verdankte ihrer gleichnamigen, robusten Pferderasse schon 400 vor Christus seinen Ruhm. Der Berber war ein ausgezeichnetes Kavalleriepferd, schnell und wendig mit enormer Ausdauer. Noch heute überzeugt diese alte Pferderasse durch Eleganz und Rittigkeit, ist aber eher eine Liebhaberrasse. Es sollen laut e-horses Magazin nur 20 bis 30 Fohlen pro Jahr zur Welt kommen. In den meisten Fällen sind Berber Schimmel. Bei ihren Fans punkten sie nicht nur mit ihrem Temperament, sondern vor allem mit Sanftmut und der Eigenschaft, dass sie sich stark an ihre Bezugsperson binden. © IMAGO / imagebroker

Die Gründe für Übergewicht beim Pferd sind schnell erklärt: zu wenig Bewegung und zu viel energiereiches Futter. Viele Reiter füttern ihre Pferde mit Kraftfutter, obwohl die Pferde das gar nicht benötigen. Das Pferd kommt ursprünglich aus kargen Steppenregionen. Domestizierte Pferde haben noch immer die gleichen Ansprüche an ihre Ernährung wie ihre wilden Vorfahren. Daher reichen für die meisten Pferde, die freizeitmäßig geritten werden, Rau- und Mineralfutter vollkommen aus, um sie mit genug Energie und allen benötigten Nährstoffen zu versorgen. .

Das sind die Dickmacher für Pferde

Ausreichend Raufutter ist wichtig für die Gesundheit des Pferdes. Mindestens 1,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht sollten es pro Tag sein. Denn der Verdauungstrakt des Pferdes ist darauf ausgelegt, dass es den ganzen Tag frisst. Das Kauen von rohfaserreichem Futter wie Heu in natürlicher Fresshaltung, also vom Boden aus, fördert den natürlichen Zahnabrieb und beugt somit Zahnproblemen vor. Durch das kontinuierliche Kauen wird Speichel produziert. Das ist wichtig, um die Magensäure abzupuffern und so Magengeschwüren vorzubeugen. Daher sollten Fresspausen nicht länger als vier Stunden dauern. Ein Heunetz verhindert, dass das Pferd zu schnell und zu viel frisst. Denn auch zu viel Heu kann dick machen.

Kraftfutter braucht ein Pferd erst dann, wenn es den täglichen Energiebedarf nicht allein durch Raufutter decken kann. Das ist bei Sportpferden der Fall sowie bei hochtragenden oder säugenden Stuten. Doch viele Reiter füttern ihre Pferde einfach gern. Ganz nach dem Motto: Liebe geht durch den Magen. Und so verbringen Pferdehalter viel Zeit damit, Mash zu kochen, Müsli zusammenzurühren und allerlei Zusatzfuttermittel in den Futtertrog zu schütten – in dem Glauben, ihrem Pferd damit etwas Gutes zu tun. Doch in Wahrheit ist das für die meisten Freizeitpferde viel zu viel Energie. Das macht sich auf der Waage bemerkbar. Auch Leckerlis sind oft echte Kalorienbomben. Hinzu kommt, dass Reiter die Intensität ihres Trainings häufig überschätzen.

Pferde bewegen sich weniger als angenommen

Auch ein Weidegang auf Flächen mit energiereichen Grassorten kann Pferde dick machen. Leichfuttrige Pferderassen wie Haflinger oder Shetlandponys können schnell an Gewicht zulegen, wenn sie den ganzen Tag auf saftigen Weiden stehen. Denn das Gras, das dort häufig wächst, ist eigentlich für Kühe gedacht, die viel Energie und Eiweiß für die Milchproduktion brauchen. Besser geeignet für Pferde sind rohfaserreiche Grassorten mit weniger Energie, sogenannte Magerweiden. In manchen Fällen kann eine Fressbremse sinnvoll sein. Das ist eine Art Maulkorb, der das Pferd daran hindert, sich den Bauch mit Weidegras vollzuschlagen. So können übergewichtige Pferde auf Diät gesetzt werden, ohne dabei auf den Weidegang mit den Pferdekumpels verzichten zu müssen. Allerdings können Fressbremsen das Pferd frustrieren und auch die Kommunikation und das Sozialverhalten des Pferdes werden dadurch eingeschränkt, da Nüstern und Maul verdeckt sind.

Ein weiterer Grund, warum viele Pferde zu dick sind, ist mangelnde Bewegung. Nicht nur in Boxenhaltung, auch im Offenstall oder auf der Weide stehen die Pferde meistens nur herum. Messungen haben ergeben, dass einige Pferde im Offenstall keine fünf Kilometer pro Tag zurücklegen. In freier Wildbahn hingegen suchen sie stets nach Futter und Wasser. Dabei kommen – je nach Vegetation – bis zu 30 Kilometer zusammen. Sogenannte Bewegungsställe sind mit der Idee konzipiert, dass unterschiedliche Funktionsbereiche wie Heuraufe, Liegehalle und Tränke möglichst weit voneinander entfernt liegen, sodass die Pferde gewissermaßen gezwungen sind, auf Wanderschaft zu gehen und Umwege zu machen. Übrigens ist Bewegung auch wichtig für gesunde Hufe.

Tägliche Bewegung lässt Pfunde beim Pferd purzeln

Am besten specken Pferde bei Geländeritten ab. Dafür muss man gar nicht viel galoppieren. Lange Strecken im Schritt, am besten in hügeligem Gelände, sind das perfekte Sportprogramm für dicke Pferde. Viel wichtiger als die Intensität des Trainings ist die Regelmäßigkeit. Am besten ist es, wenn das Pferd täglich bewegt wird. Dabei sollte Abwechslung auf dem Plan stehen. Ein guter Trainingsplan beinhaltet neben klassischem Dressurtraining auch Ausritte, Spaziergänge, Boden- und Cavalettiarbeit. Gerade am Anfang sollte man das Pferd nicht überlasten und die Intensität des Trainings langsam steigern. Vor allem bergauf und bergab reiten ist anstrengend. Bei fettleibigen Pferden sollte man zudem darauf achten, dass das Training möglichst gelenkschonend ist.

Soll ein Pferd abspecken, müssen Pferdehalter die Fütterung anpassen und die Bewegung steigern. Dem Pferd nur noch die halbe Portion zu fressen zu geben, ist nicht der richtige Weg. Es nimmt dann zwar weniger Energie auf, allerdings entstehen durch die Fresspausen andere gesundheitliche Probleme und Frust.

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Besser ist es, beispielsweise die tägliche Heuration zu einem Drittel durch Stroh zu ersetzen. Kraftfutter sollte komplett vom Speiseplan verschwinden, Leckerlis ebenso. Zur Belohnung kann man dem Pferd auch ein Stückchen Gurke geben. Das hat weniger Zucker als ein Apfel. Wer sein Pferd zusätzlich täglich bewegt, reduziert nicht nur das Gewicht seines Pferdes, sondern auch das Risiko für schwere und teilweise schmerzhafte Erkrankungen.

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