Gefahr für Ältere: Stürze können Demenzentwicklung beeinflussen
VonLaura Knops
schließen
Innerhalb eines Jahres nach einem Sturz erkranken Senioren signifikant öfter an Demenz. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Forschern aus den USA.
Ein Sturz kann im Alter verheerend sein: Schwache Knochen und eine nachlassende Muskulatur erhöhen die Chancen auf einen Handgelenks-, Oberschenkel- oder Hüftbruch. Mit jedem Sturz steigt allerdings auch das Risiko für die Entwicklung einer späteren Alzheimer- oder Demenzerkrankung, wie US-amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie herausgefunden haben. Wie sehr, hängt von der Schwere und Häufigkeit der Verletzungen ab. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Jana Network Open veröffentlicht.
Erhöhtes Demenzrisiko nach Stürzen: Vor allem ältere Patienten betroffen
In der aktuellen Studie untersuchte das Team des Brigham and Women’s Hospital in Boston die Daten von zwei Millionen älteren Erwachsenen, die eine Verletzung erlitten hatten. Bei rund 10,6 Prozent der Patienten, die in dieser Zeit stürzten, wurde später eine Demenz diagnostiziert. Verglichen mit anderen Verletzungen waren Stürze mit einem um 21 Prozent höherem Risiko für eine zukünftige Demenzdiagnose verbunden.
Stürze führen den Forschern zufolge demnach zu einer Verschlechterung des Gehirnzustands, die zu Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen führen kann. „Es ist möglich, dass Stürze als Sentinel-Ereignis dienen, das ein zukünftiges Risiko für Demenz darstellt“, erklärt Studienleiter Alexander Ordoobadi. Bei einem Sentinel-Ereignis handelt es sich um ein unerwartetes Ereignis, das zu schwerwiegenden Folgen wie körperlichen oder psychischen Schäden bis hin zum Tod führen kann.
Demenz- und Alzheimer-Risiko durch Ernährung senken: Mit zwölf Lebensmitteln das Gehirn schützen
Rund 20 Prozent der Betroffenen entwickeln eine Demenz
Bereits frühere Studien untersuchten welche Langzeitfolgen eine Kopfverletzung haben kann. Wissenschaftler der Universitäten Washington und Aarhus fanden in einer großangelegte Untersuchung, bei denen sie die Daten von rund 2,8 Millionen dänischen Patienten auswerteten, heraus, dass Stürze das Risiko steigern, an Alzheimer oder anderen Demenzen zu erkranken. Laut dem US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDCP) sind Stürze die häufigste Verletzungsursache bei älteren Erwachsenem. Jeder vierte Senior stürzt den Experten zufolge mindestens einmal pro Jahr. Diese Verletzungen können langfristige Folgen für die Patienten haben, wie die Verschlechterung der allgemeinen Gesundheit, einem Verlust der Unabhängigkeit oder ein höheres Sterberisiko.
„Wir behandeln die Verletzungen, bieten Rehabilitation an, übersehen jedoch oft die zugrunde liegenden Risikofaktoren, die zu Stürzen beitragen, obwohl es immer mehr Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Stürzen und kognitivem Abbau gibt“, erklärte Erstautor Alexander Ordoobadi, Assistenzarzt in der Abteilung für Chirurgie am Brigham in einer Pressemitteilung. Die Forscher mahnen behandelnde Ärzte daher, nach einem Sturz unbedingt kognitive Tests durchzuführen, um die Früherkennung von Demenz zu verbessern.