Weltschlaftag am 14. März

Getrennte Schlafzimmer: Psychologin erklärt, für wen es ratsam ist

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Viele wachen erholter auf, wenn sie ihr Bett nicht teilen müssen.
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Sie schlafen schlecht? Ihr Partner könnte eine größere Rolle spielen. Eine Umfrage zeigt, wie viele Menschen ihren Bettnachbarn als störend empfinden.

Vor allem Frauen schlafen besser, wenn Sie sich das Bett nicht teilen müssen. So zeigte eine sogenannte Paarschlaf-Studie von Forschenden der Universität Wien, dass das geteilte Doppelbett vor allem für Frauen nicht die optimale Lösung ist. „Die Frau reagiert auf den Mann. Sie ist auf jede Bewegung empfindlich“, wird der bereits verstorbene Verhaltensbiologe John Dittami in einer Pressemitteilung der Universität Wien zitiert. Dittami sah evolutionäre Gründe als dafür verantwortlich an. So hätten Frauen einen wesentlich leichteren Schlaf als Männer, weil sie etwa nachts auf die Reaktionen des Nachwuchses empfindlicher reagieren mussten. Geschlechtshormone und auch genetische Unterschiede spielen nach aktuellem Kenntnisstand eine wesentliche Rolle für den sogenannten „Gender Sleep Gap“.

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Etwa 26 Prozent der Frauen in Deutschland sind unzufrieden mit ihrem Schlaf

Dieser hat vor allem für Frauen negative Auswirkungen. So schlafen Frauen häufig schlechter als Männer. Wie das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit informiert, berichtet fast die Hälfte der Frauen in Deutschland (45,9 Prozent), mindestens einmal in der Woche Probleme beim Durchschlafen zu haben (Stand: Juli 2023). Fast ein Drittel von ihnen leidet mindestens einmal in der Woche unter Einschlafstörungen. Etwa 26 Prozent der Frauen in Deutschland beur­tei­len die Qualität ihres Schlafes als ziemlich schlecht oder schlecht, heißt es weiter vonseiten des Instituts. Bei Männern waren es knapp 20 Prozent. 

Die Ursachen sind vielfältig. Alter, Lebensphase, privates und berufliches Umfeld und mentale und gesundheitliche Gründe sind Faktoren, die die Schlafqualität erheblich beeinflussen. In Fällen von leichter Schlafstörung können bereits leichte Anpassungen des Lebensstils enorme Effekte entfalten. Viele versuchen es auch mit getrennten Schlafzimmern – etwa, wenn der Partner schnarcht. Der Schlaf des Nicht-Schnarchers bessert sich so in jedem Fall. Aber hält jede Beziehung die Trennung in der Nacht auf Dauer aus? 

Getrennte Schlafzimmer erwecken so manche Beziehung wieder zum Leben

Dr. Hanne Horvath, Psychologin und Mitgründerin der Online-Therapieplattform HelloBetter, sieht in „Sleep Divorce“ eine Lösung bei Schlafproblemen: „Lautes Schnarchen, unruhiges Hin- und Herwälzen, unterschiedliche Schlafrhythmen und Einschlafrituale können dazu führen, dass sich Partner nachts stören. Deshalb wird jetzt ‚Sleep Divorce‘, das bewusste Schlafen in getrennten Betten oder sogar in separaten Schlafzimmern, immer populärer. Für viele Paare, die es ausprobieren, bedeutet getrenntes Schlafen nicht das Ende von Romantik und Nähe, sondern von Gereiztheit im Alltag“.

Horvath sieht deshalb in schlechtem Schlaf ein größeres Risiko für Partnerschaften, als es getrennte Betten tun: „Schlechter Schlaf ist wie ein Dauerstresstest für die Partnerschaft. Wer nachts nicht zur Ruhe kommt, startet oft gereizt in den Tag. Kleinigkeiten, über die man sonst vielleicht hinwegsehen würde, führen zu Streit und Frust. Hinzu kommt, dass bei chronischem Schlafmangel das Stresshormon Cortisol ansteigt und die Stressresistenz sinkt.“ Die Folge seien oft sehr emotionale Reaktionen, die Konflikte im Alltag häufen und verschärfen. Dadurch könne man abends natürlich noch weniger entspannen. Eine Art Spirale abnehmender Schlafqualität werde in Gang gesetzt.

Besonders problematisch sei es, wenn insgeheim der Partner für die schlechte Schlafqualität verantwortlich gemacht wird. „So kann sich zwischen den Beziehungspartnern eine Art Feindseligkeit entwickeln. Besser ist es daher, sich für kreative Lösungen zu öffnen, um sich in der gemeinsamen ‚Wachzeit‘ mit Freude begegnen zu können“.

Horvath zufolge lohnt sich das Schlafen in getrennten Betten im Grunde für alle, die regelmäßig das Gefühl haben, durch den Partner in ihrem Schlaf gestört zu werden. Wichtig sei, dies vorher mit dem Partner zu besprechen, um Irritationen zu vermeiden. Der Psychologin zufolge kann „Sleep Divorce” Paare sogar wieder näher zusammenbringen: „Wer getrennt schläft, der nimmt dem Zusammensein die Selbstverständlichkeit, es muss neu gefunden und verabredet werden. Das ist ein bisschen so wie in der Phase des Kennenlernens oder eben bevor sich die Beziehungspartner für ein Zusammenleben entschlossen haben. Dadurch wird die Nähe wieder zu einer bewussten Entscheidung und die Beziehung zueinander viel lebendiger.“

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