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Morgens oder abends? Viel oder wenig? Und was, wenn man in den Urlaub fährt? Diese und mehr Fragen beantwortet Pflanzenexperte Sascha Singh im Interview.
Das richtige Gießen will gelernt sein. Einfach nur mit der Gießkanne zu einer beliebigen Tageszeit bewässern? Das ist keine gute Idee. IPPEN.MEDIA interviewte zum Thema den Pflanzenexperten und Buchautoren Sascha Singh. Sein Buch „Einfach mehr ernten“ (32,90 Euro, Löwenzahn Verlag) erschien im März 2024.
IPPEN.MEDIA (I.M.): Welche Anzeichen gibt es dafür, dass Pflanzen im Sommer zu viel oder zu wenig Wasser bekommen?
Glücklicherweise zeigen uns Pflanzen schnell, wenn sie zu wenig Wasser bekommen. Sie lassen die Blätter hängen. Dies geschieht, um Verdunstungsfläche zu reduzieren, also um das Wasser, welches in der Pflanze ist, zu speichern. Erhält die Pflanze dann wieder Wasser, erholen sich die meisten Blätter schnell wieder. Wer allerdings zu lange wartet, riskiert dauerhafte Trockenschäden. Bekommen Pflanzen zu viel Wasser, ist das erst mal nicht so schlimm. Bei Topfpflanzen, wo das Wasser dann aber nicht abfließen kann und sich Staunässe bildet, kann es zum Absterben der Wurzeln führen. Auch hier sind erste Anzeichen hängende Blätter. Dann ist schnell Abhilfe zu leisten und dafür zu sorgen, dass das Wasser sich nicht sammeln kann.
Zu viel Wasser in der Ernteperiode kann außerdem dazu führen, dass der Geschmack „verwässert“. Bei Chili, Erdbeeren aber auch Tomaten kann man dies besonders gut beobachten.
I.M.: Welche Bewässerungstechniken sind besonders effizient für den Sommer?
Wenn man von Effizienz spricht, dann sollte man sich nur die eigentliche Bewässerung anschauen, sondern das Gesamtbild. Die Wassermenge, die die Pflanze bekommt, kann drastisch reduziert werden, wenn man dafür sorgt, dass diese nicht zu schnell verdunstet oder versickert. Um eine Verdunstung zu verhindern, lohnt es sich zu mulchen – also dafür zu sorgen, dass die Erde immer abgedeckt ist, z.b. mit Heu, Stroh, Blättern oder anderem organischem Material. Dies kann man sehr gut an einem heißen Sommertag beobachten, wenn die Erde unter der Mulchschicht immer noch feucht ist. Ein Versickern verhindert man, indem man dafür sorgt, dass die Erde besser Wasser speichern kann. Dies ist besonders bei sandigen, leichten Böden wichtig.
Dazu sollte immer versucht werden, den Humusanteil im Boden zu erhöhen, durch Mulchen oder Kompostgabe. Benutzt man nun eine Tropfbewässerung, wird über einen Zeitraum Wasser nur punktuell an die Pflanze abgegeben. Mulch und Humus sorgen dafür, dass das Wasser dann auch lange der Pflanze im Boden zur Verfügung steht.
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I.M.: Welche Pflanzen sind besonders robust und kommen auch mit weniger Bewässerung aus, falls man im Urlaub ist?
Ob eine Pflanze längere Zeit ohne Wasser auskommt, lässt sich schwer pauschal sagen. Es kommt, neben der Dauer der Trockenperiode immer auf die Temperaturen an. Wichtig ist es auch, dass die Pflanze schon Zeit hatte viele, tief reichende Wurzeln zu bilden. Eine kurz von dem Urlaub gepflanzte Pflanze hat dies noch nicht und somit keine Chance, eine längere Zeit ohne Wasser auszukommen. Kartoffeln kommen recht lange ohne Wasser aus, genau wie Knoblauch oder Zwiebeln.
Sind die Pflanzen größer, tritt auch oft der Effekt ein, dass sie den Boden durch ihre eigenen Blätter beschatten, was auch dafür sorgt, dass die Feuchtigkeit nicht so schnell verdunstet.
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I.M.: Gibt es einfache DIY-Lösungen, die man vor dem Urlaub vorbereiten kann, um die Bewässerung sicherzustellen?
Je nach Länge des Urlaubs, und den vorherrschenden Temperaturen und Niederschlägen wird man um eine automatische Tropfbewässerung nicht herumkommen.
Im Vorfeld kann man durch Mulchen dafür sorgen, dass Wasser länger im Boden bleibt. Ein weiterer Trick ist, dafür zu sorgen, dass zur Urlaubszeit die Pflanzen im Beet schon so groß sind, dass sie viele Wurzeln haben und dass der sog. Blattschluss schon stattgefunden hat. Dieser Begriff kommt aus der Landwirtschaft und beschreibt den Zeitpunkt ab dem die Pflanzen mit ihren Blättern soviel Raum eingekommen haben, dass man von oben betrachtet keine Erde mehr sehen kann.
Trotzdem – wenn auch das ausbleibende Wasser über einen längeren Zeitraum nicht kompensieren kann und die Pflanze keine Bewässerung hat, dann sind Freunde, Nachbarn oder Familie, die hin und wieder gießen die beste Lösung. Durch gelegentliche Geschenke aus dem Garten kann die Gießbereitschaft drastisch erhöht werden. ;-)
I.M.: Welche Fehler sollten Gartenbesitzer vermeiden, wenn sie ihren Garten für die Urlaubszeit vorbereiten?
Noch kurz vor dem Urlaub pflanzen, nicht mulchen und keine Leute fragen hin und wieder zu gießen
I.M.: Welche Vorteile bieten Ollas im Vergleich zu herkömmlichen Bewässerungsmethoden?
Ollas sind Tongefäße, die im Boden vergraben werden. Der Ton ist so gebrannt, dass er Wasser von innen langsam nach außen an die Erde abgibt. Dafür muss aber immer mal wieder mit Wasser gefüllt werden. Ollas sind sehr sparsam. Am Ende der Saison, wenn man die Ollas wieder ausgräbt, um Frostschäden zu vermeiden, kann man oft beobachten, dass Wurzeln in Richtung der Tonoberfläche gewachsen sind und sich sogar darauf festgesetzt haben. Für Ollas benötigt man zudem keinen Wasseranschluss.
I.M.: Wie installiert man Ollas im Garten und für welche Pflanzen sind sie besonders geeignet?
Man sollte sie so vergraben, dass der Deckel gerade aus dem Boden schaut, damit man sie immer wieder neu befüllen kann. Generell kann man sie für alle Pflanzen, egal ob in größeren Töpfen, Hochbeeten oder direkt im Boden einsetzen. Für kleinere Töpfe gibt es Flaschenadapter aus Ton.
Rubriklistenbild: © Imago/Alexander Rochau/Löwenzahn Verlag/Fabian Weiss (Montage)

