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Bienen reagieren stark auf Pestizide. Über 90 Prozent der im Handel erhältlichen „bienenfreundlichen“ Pflanzen können so für die Tiere zur tödlichen Falle werden.
Schon kleine Schritte im Garten leisten oft einen großen Beitrag für die Natur. Honigbienen, Hummeln und Wildbienen sind besonders beliebt bei Balkon- und Gartenbesitzern, die sie unterstützen möchten. Dazu zählt auch der Kauf bienenfreundlicher Pflanzen, die man mit dem entsprechenden Etikett in zunehmender Zahl im Gartenfachhandel und Supermärkten findet. Leider sind über 90 Prozent davon sehr bienenfeindlich, haben Untersuchungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) der letzten drei Jahre gezeigt.
Aus „bienenfreundlichen“ Pflanzen wird eine Giftfalle
Nur dank Insekten wie Bienen, Schmetterlingen oder Schwebfliegen und ihrer Bestäubungsleistung funktioniert der weltweite Pflanzenanbau von Gemüse bis hin zu Obstbäumen – etwa 80 Prozent aller Pflanzenarten sind auf tierische Bestäuber für ihre Vermehrung angewiesen. Da greift man doch gerne zu insektenfreundlichen Pflanzen, um den Tieren zu helfen. Doch Auslobungen wie „bienenfreundlich“ halten oft nicht, was sie versprechen: Viele dieser Pflanzen kommen von weit her und sind mit Pestiziden behandelt worden, deren Einsatz in Deutschland verboten sind.
Auch wenn eine Pflanzensorte per se sehr gut als Pollen- und Nektarspender für Insekten geeignet ist – sobald die hochsensiblen Bienen damit in Berührung kommen, nehmen sie die Pflanzenschutzmittel auf und die Blüten werden zu einer giftigen Bienenfalle. Die Tiere reagieren schon auf kleinste Mengen Pestizide: „Wenn die Bienen an eine pestizidverseuchte Pflanze geraten, sterben die Bienen“, erklärt der Imker Frank Werners in der ARD-Sendung Plusminus.
Lavendel wird zum „Sondermüll“
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat von 2021 bis 2023 als „bienenfreundlich“ ausgelobte Pflanzen aus Gartencentern, Baumärkten, Supermärkten und aus dem Online-Handel untersucht. In über 90 Prozent der Pflanzen fanden sich Pestizide. Corinna Hölzel vom BUND führt dies in der Sendung aus: „Die heftigsten Belastungen waren 20, 22 Pestizide in einer Gänsekresse oder 19 Pestizide in einem Lavendel. Also Rückstände von unterschiedlichsten Fungiziden, Insektiziden, viele eben auch nicht zugelassen. Also das ist schon eher Sondermüll, als dass es den Bienen tatsächlich hilft“.
Diese Pflanzen werden meist gar nicht vor Ort in heimischen Gärtnereien gezogen, sondern stammen von Jungpflanzenproduzenten aus Asien oder Afrika, beispielsweise in Kenia. Dort ist der Einsatz EU-weit verbotener Pestizide wie Carbendazim erlaubt. Dieser für Menschen ebenfalls hochgiftige Wirkstoff wurde auch auf den Pflanzen gefunden, die der BUND untersucht hat. Für den Import von Zierpflanzen gibt es keine gesetzlichen Regelungen, die man kontrollieren könnte.
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Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.
Wie kann ich wirklich bienenfreundliche Pflanzen im Handel erkennen?
„Bienenfreundlich“ ist kein geschützter Begriff und das Etikett, der sogenannte Pflanzenpass einer Topfpflanze, verrät nur den letzten Standort einer Pflanze, aber nicht das Herkunftsland. Soweit erfassbar, sollte man daher zu europäischer Pflanzenware greifen. Der BUND rät dazu, Zierpflanzen aus regionalen Gärtnereien zu kaufen, die vollständig dort gezogen wurden oder zu Bio-Ware zu greifen. Vor allem heimische Pflanzenarten und -sorten, die zu Klima und Boden passen, sind eine gute Wahl. Diese sind auch widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge.
Rubriklistenbild: © Christian Ohde/Imago

