VonVivian Wergschließen
Lebensmittel online zu bestellen, kann eine Erleichterung im stressigen Alltag sein. Doch kann man den Lieferservice der Anbieter auch mit gutem Gewissen nutzen?
Kassel – Das Einkaufen im Supermarkt kann manchmal mühsam, anstrengend und zeitaufwendig sein. Gerade im Alltagsstress kommen viele häufig nicht dazu, ihre Besorgungen rechtzeitig zu erledigen.
Lebensmittel im Internet zu bestellen, ist dann oftmals eine bequeme Alternative. Laut einer Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. haben 37 Prozent der Deutschen schon einmal online Lebensmittel eingekauft. Die Mehrheit würde sich auch wieder Lebensmittel liefern lassen. Wer wenig Zeit oder keine Lust auf das Schleppen von schweren Tüten vom Großeinkauf hat, greift gerne auf die Lebensmittel-Lieferdienste zurück. Diese sind praktisch und bringen die bestellten Produkte bequem vor die Tür. Gerade während der Pandemie verzeichneten die Supermarkt-Lieferdienste eine hohe Nachfrage. Doch nach den Corona-Jahren ging der Boom wieder deutlich zurück – der Lebensmitteldienst Getir zieht sich in vielen Städten sogar zurück und entlässt zahlreiche Mitarbeiter.
Lebensmittel-Lieferdienste im Test: Diese Anbieter und Faktoren wurden geprüft
Doch welche Lebensmittel-Lieferdienste sind wirklich gut und zuverlässig? Die Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat folgende sechs Lieferservices geprüft, darunter drei Schnelllieferer:
- Bringmeister: wirbt mit dem Waren-Sortiment von Edeka und verspricht an manchen Orten innerhalb von wenigen Stunden zu liefern.
- Rewe: Lieferung zum Wunschtermin und bequem in jedes Stockwerk.
- Flaschenpost: liefert neben Getränken auch Lebensmittel.
- Flink: liefert einen Teil des Sortiments von Rewe. Das Versprechen: Lieferung innerhalb von zehn Minuten.
- Gorillas: verspricht eine schnelle Lieferung innerhalb von Minuten.
- Getir: der türkische Lieferservice verspricht ebenfalls eine Lieferung innerhalb von wenigen Minuten.
Außerdem haben die Warentester noch folgende Faktoren berücksichtigt:
- Lieferung (Lieferzeiten, Pünktlichkeit, Vollständigkeit, Zustand und Temperatur der Waren)
- Bestell- und Zahlungsabwicklung
- Kosten
- Service und Auswahl
- Unternehmensverantwortung (Arbeitsbedingungen der Fahrer)
- Engagement für Umweltschutz
Lebensmittel-Lieferdienste im Test: Das sind die Ergebnisse
Für den Vergleich bestellten die Warentester nach eigenen Angaben alle über die App der Dienstleister und bestückten die Warenkörbe jeweils mit den gleichen Produkten. Anschließend ließen sie die Waren an Testhaushalte in Berlin, München und bei den Schnelllieferdiensten auch in Düsseldorf liefern.
Die Apps von Bringmeister und Rewe wurden als sehr übersichtlich bewertet und funktionierten nach Aussagen von Test-Autorin Anke Kapels von Stiftung Warentest bis zum Bezahlvorgang und Bestellabschluss einwandfrei. Bei Flink hingegen sei es hingegen „recht unübersichtlich“ und erforderte mehr Zeit. Während die herkömmlichen Lieferdienste alle automatisch eine Rechnung per E-Mail versendet haben, wurde bei Gorillas im Test keine Rechnung von sich aus geschickt, was gerade zum Prüfen des Einkaufs essenziell sei. Die weiteren Ergebnisse aus dem Test im Überblick:
- Lieferung: Bei der Lieferzeit lagen die Schnelldienste mit einer Lieferzeit von zehn bis dreißig Minuten weit vorne. Bei den klassischen Lieferdiensten dauerte es deutlich länger. Bei Rewe konnte häufig nur für den nächsten Tag bestellt werden. Im ausgewählten Lieferzeitraum war die Auslieferung jedoch pünktlich.
- Zustand der Ware: Die Ware kam fast immer unversehrt an, Bruch war die Ausnahme. Allerdings waren frische Produkte wie Fleisch von den Schnelllieferdiensten manchmal nicht gut gekühlt und kamen teils warm an. Daher sollten diese gleich gekühlt und schnell verbraucht werden. Die klassischen Lieferdienste hatten hingegen keine Probleme, die Kühlkette einzuhalten.
- Kosten: Zum Warenpreis können noch Lieferkosten anfallen. Dieser Aspekt ließ sich schwer vergleichen, da Region und Entfernung zwischen Warenlager und Wohnort eine Rolle spielten. Unterschiedlich sind auch die Mindestbestellwerte. Bei den Schnelldiensten gibt es Mindestbestellwerte von mindestens zehn Euro. Bei Rewe hingegen geht es zwischen 30 und 50 Euro los.
- Auswahl: Bringmeister und Rewe bieten nach eigenen Angaben mit über 11.000 Produkten ein Vollsortiment an. Um die 2500 Produkte sind es bei Flink, Gorillas und Getir. Doppelt soviel sind es wiederum bei Flaschenpost.
- Unternehmensverantwortung: Die Warentester haben nach der Unternehmensverantwortung gefragt und sowohl Bringmeister als auch Getir haben die Auskunft verweigert, weshalb sie in dieser Kategorie mit mangelhaft bewertet wurden. Die Arbeitsbedingungen für Flink und Gorillas jeweils mit „ausreichend“. „Es gibt keine Tarifverträge und es wird nur der Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde als Grundlohn gezahlt. Laut der Berufsgenossenschaft (BGHW) herrscht zudem eine hohe Unfallquote unter den Fahrern“, so Swantje Waterstraat von Stiftung Warentest. Kein Anbieter zeigte ein besonders starkes soziales Engagement.
- Engagement für Umweltschutz: Beim Thema Umweltschutz überzeugten die Stelllieferdienste mit ihren E-Bikes und Öko-Strom. Rewe hat im Test keine E-Fahrzeuge im Lieferservice, Flaschenpost immerhin teilweise.
- Quelle: NDR.de, Stiftung Warentest
Lebensmittel-Lieferdienst: Schnelllieferdienste hinter klassischen Lieferdiensten
Am Ende des Tests landet Getir auf dem letzten Platz: Service befriedigend und Unternehmensverantwortung mangelhaft. Gorillas und Flink waren beim Lieferservice und der Unternehmensverantwortung jeweils befriedigend. Die drei klassischen Lieferdienste erhielten für den Lieferservice hingegen gute Noten. Nur bei der Unternehmensverantwortung ist Bringmeister jedoch mangelhaft. Rewe und Flschenpost hingegen befriedigend.
Für Großeinkäufe eignen sich, wie die Verbraucherorganisation empfiehlt, vor allem die klassischen Lieferdienste, die die ganze Warenpalette der Supermärkte mit Transportern ausliefern. Wer es besonders eilig hat, nimmt die Schnelllieferdienste auf Rädern und Scootern – mit einem begrenzten Warensortiment. Auch die Discount-Kette Aldi will mit einem eigenen Lieferservice Einkäufe bis vor die Haustür bringen – doch das Angebot soll auch Probleme mit sich bringen. Rewe hingegen baute seinen Lieferservice aus und rund 1,6 Millionen Haushalte können den Service auch im Ruhrgebiet nutzen. (Vivian Werg)
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