- VonAnna-Lena Kiegerlschließen
Neben dem Kinderfreibetrag soll auch das Kindergeld erhöht werden. Das fordern SPD, Grüne und Sozialverbände. Doch die FDP stellt sich gegen das Vorhaben.
Frankfurt – Das Kindergeld sollte neben dem Kinderfreibetrag erhöht werden. Das fordern zumindest einige Sozialverbände, sowie SPD und Grüne. Die FDP stellt sich noch gegen das Vorhaben. Die liberale Partei unter Christian Lindner plant, den Kinderfreibetrag zu erhöhen, ohne das Kindergeld ebenfalls anzuheben.
Drastische Erhöhung des Kindergeldes? Kinderfreibetrag entlastet hauptsächlich gut verdienende.
Das findet die SPD ungerecht, denn so würde hauptsächlich gut verdienende Haushalte entlastet. Denn: Familien mit geringem und mittlerem Einkommen profitieren vom Freibetrag nicht, sie beziehen Kindergeld. Die FDP betont jedoch im Gegenzug, dass das Kindergeld bereits 2023 auf 250 Euro angehoben wurde, bei der Erhöhung des Kinderfreibetrags solle nun steuerlich nachgezogen werden.
Kinderfreibetrag oder Kindergeld?
Eltern bekommen für ihre Kinder entweder Kindergeld oder Kinderfreibeträge bei der Einkommenssteuer. Bei der jährlichen Einkommensteuerveranlagung wird vom Finanzamt geprüft, ob sich für die Eltern Freibeträge für Kinder oder das Kindergeld mehr lohnen. Im Jahr 2024 wurde der Kinderfreibetrag um 360 Euro angehoben und beträgt nun für beide Elternteile 6384 Euro, laut Lindners Plänen soll er jedoch noch einmal rückwirkend erhöht werden. Zusätzlich kommt hier noch der Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf in Höhe von 2928 Euro hinzu.
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Erhöhung des Kindergelds: erst auf 300 Euro, dann auf 377 Euro
Ganz anders sehen das jedoch die Sozialverbände. Sie kritisieren die Pläne der Liberalen scharf: „Die Erhöhung des steuerlichen Kinderfreibetrags führt bei Spitzen-Verdienenden zu einer Entlastung von 377 Euro im Monat, während Familien mit mittlerem und niedrigem Einkommen leer ausgehen, da das Kindergeld nach Lindner bei 250 verbleiben soll“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, dem RND. Aus diesem Grund fordert er eine stufenweise Erhöhung des Kindergeldes. „Daher wäre es nur konsequent, solidarisch und auch gerecht, das Kindergeld in einem ersten Schritt auf 300 Euro anzugeben und perspektivisch auf 377 zu erhöhen“, meint Schneider.
Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, fürchtet, dass die Erhöhung des Kinderfreibetrags die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander driften lassen könnte, aus diesem Grund müsse auch das Kindergeld ansteigen. Echte Gerechtigkeit würde jedoch nur ein Systemwandel mit einer Kindergrundsicherung bringen. Das fordert auch Daniel Grein, Bundesgeschäftsführer des Kinderschutzbundes. Er betont ebenfalls die Notwendigkeit einer Kindergrundsicherung, die das Nebeneinander von Kinderfreibetrag, Kindergeld und Sozialleistungsbezug auflösen würde. Auch ein Armutsforscher fordert die Abschaffung des Kinderfreibetrags.
Streit um Kinderfreibetrag und Kindergeld: „Jedes Kind muss dem Staat gleich viel wert sein.“
„Jedes Kind muss dem Staat gleich viel wert sein. Darum müssen perspektivisch Kindergeld und Kinderfreibetrag einander angepasst werden“, erklärt die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier gegenüber dem RND.
Wie die Erhöhung des Kindergeldes finanziell gestemmt werden könnte, schlägt Michael Schrodi, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion vor. Steuerentlastungen für Spitzenverdiener könnten zurückgenommen werden, um das Kindergeld erhöhen zu können. Dabei verweist er auf eine Bundesratsinitiative des Landes Hamburg, die vorschlägt, den Inflationsausgleich bei höheren Einkommen nachträglich zu kappen. So begründet Schrodi seinen Vorschlag gegenüber dem RND und erklärt: „Die starken Schultern können zugunsten der Mitte der Gesellschaft stärker belastet werden.“
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