Politische Message

Sechs Jahre alter Edeka-Werbespot sorgt auf einmal für Aufruhr: „Unfassbar gut“

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Das Werbevideo von Edeka hat bereits einige Jahre auf dem Buckel. Aus aktuellem Anlass sorgt es nun aber erneut für Diskussionen.

München – In ganz Deutschland wurden am vergangenen Wochenende (20./21. Januar) Zeichen gegen Rechts gesetzt. In Stuttgart gingen bis zu 20.000 Menschen unter dem Motto „Alle zusammen gegen die AfD“ auf die Straße, in München fanden sich laut Polizei sogar bis zu 100.000 Personen ein – so viele, dass die Veranstaltung abgebrochen werden musste.

In unzähligen weiteren Städten, wie Berlin, Brandenburg und Hamburg demonstrierten Zehntausende. Anlass für die Proteste sind unter anderem die starken Umfragewerte der rechten Partei Alternative für Deutschland (AfD).

„Heute im Angebot: Viel weniger Vielfalt“: Edeka-Video sorgt für Diskussionen im Netz

Wohl auch aus diesem Grund verbreitet sich aktuell ein sechs Jahre alter Werbespot von Edeka wie ein Lauffeuer erneut auf der Plattform X (ehemals Twitter). Darin zu sehen sind jede Menge Kunden, die in einem ausgestorbenen Supermarkt auf der verzweifelten Suche nach ihren Lieblingsprodukten sind. In Kühltheke, Tiefkühltruhen und Regale herrscht gähnende Leere, in einem Regal vegetiert ein einsamer Stapel Tortenboden vor sich hin.

Zwischen die Szenen wurde Text vor schwarzem Hintergrund geschnitten: „Stellen Sie sich einen Supermarkt vor, in dem es nur deutsche Produkte gibt. Wir haben alle ausländischen Produkte aus einem Markt geräumt, um ein Zeichen zu setzen: Für Vielfalt.“ Überall im Laden verteilt stehen Schilder mit der Aufschrift: „Heute im Angebot: Viel weniger Vielfalt.“

In einer kurzen Sequenz werden Mitarbeiter des Marktes gezeigt, die im Schnelldurchgang beinahe das gesamte Sortiment aus den Regalen räumt. Übrig bleiben fertiger Kartoffelbrei, eine Handvoll abgepackter Wurstwaren, Gemüse, ein wenig Joghurt und gähnende Leere. Eine Kundin kommentiert betroffen: „Es ist nichts da, was wir sonst essen.“

Viel Lob, aber auch Kritik für politische Aktion von Edeka

Ein Mitarbeiter erklärt, was alles nicht mehr verfügbar ist; „Kaffee nicht, kein Tee, keine Schokolade“, so die unvollständige Aufzählung. „Bier haben wir noch einiges da, da gibt es ja in Deutschland zum Glück viel“, kommentiert ein Verkäufer. Die Aktion scheint Eindruck zu machen. „Die Welt ist so bunt, wie wir verschieden sind und das ist schön“, findet ein Kunde.

Auch Edeka selbst hatte das Video am 21. Januar erneut auf seinen sozialen Medien gepostet – mit dem Zusatz „So aktuell wie nie“. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA bezog die Supermarkt-Kette nach der ersten Veröffentlichung dieses Artikels Stellung zum Neuaufleben ihres Werbeclips und dessen Rolle in der Debatte um die Demos gegen Rechts Stellung. „Als EDEKA-Verbund distanzieren wir uns klar von rechtsradikalem Gedankengut und lehnen jede Form von Diskriminierung ab. Bei uns ist jeder Mensch willkommen“, schreibt das Unternehmen.

Auf X feiern User den offenbar gut gealterten Clip, der aktuell wieder die Runde macht. „Edeka, wow“ applaudiert ein Nutzer über dem Video. „Danke für das Zeichen der Vielfalt, Edeka“, stimmt ein weiterer zu. „Was ein unfassbar gutes Video von Edeka ist das denn bitte“, freut sich ein Kommentator. „Starkes – und gerade passendes – Video von Edeka, auch wenn es schon ein paar Jahre alt ist“, freut sich ein weiterer.

Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) teilte den Clip und kommentierte: „Klares Bekenntnis Edeka zur Vielfalt. Nur mit deutschen Produkten wäre der Laden weitgehend leer. Ohne ausländische Arbeitskräfte könnte man wahrscheinlich selbst die deutschen Produkte nicht herstellen.“

Kritik für Edeka-Video für mehr Vielfalt: „Zeigt Überfluss“

Doch nicht alle finden die Aktion gut. Auch viel Kritik hagelt es für den Clip: „Es zeigt nicht die Vielfalt, sondern den Überfluss!“ Andere kritisieren, dass der Clip vor allem aufzeige, dass man sich in Deutschland nicht mit lokalen Produkten selbst versorgen könne.

Tatsächlich zeigen vom Bundeszentrum für Ernährung veröffentlichte Daten von 2021, dass zum Erhebungszeitpunkt nur rund 20 Prozent unseres Obstbedarfs aus heimischer Produktion stamme. Bei anderen Nahrungsmitteln übersteige die Erzeugung der heimischen Landwirtschaft in 2021 den Bedarf jedoch: Kartoffeln 150 %, Zucker 149 %, Fleisch 121 %, Milch 112 %, Getreide 109 %. Auch das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft berichtet, dass der Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln 2020/21 hierzulande bei lediglich 81 Prozent gelegen habe. Begründung: Nicht jeden Bedarf ließe sich über eigene Produktion decken.

Der Supermarkt-Riese macht immer wieder mit seinen Werbevideos von sich reden. Zuletzt feierten Kunden einen rührenden Oster-Clip von Edeka.

Rubriklistenbild: © Screenshot

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