Heimplätze immer teurer: Pflegekosten steigen weiter
VonLennart Schwenck
schließen
Heimbewohner mit Pflegebedarf müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Der Durchschnitt liegt nun über 2.400 Euro monatlich. Der Trend hält an.
Berlin – Die finanzielle Belastung für Pflegeheimbewohner steigt weiter. Eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass die durchschnittlichen Eigenanteile für einen Heimplatz mittlerweile bei über 2.400 Euro im Monat liegen. Trotz staatlicher Zuschüsse und angepasster Leistungssätze bleibt der Trend steigender Kosten bestehen.
Laut der WIdO-Analyse belaufen sich die Gesamtkosten für einen Pflegeheimplatz auf durchschnittlich 4.701 Euro im Monat. Davon übernimmt die Pflegekasse im Schnitt 1.470 Euro. Zusätzlich gibt es Zuschläge zur Entlastung der pflegebedingten Eigenanteile, die durchschnittlich 807 Euro pro Monat betragen. Dennoch müssen Pflegebedürftige im Schnitt 950 Euro für pflegebedingte Kosten selbst tragen, während für Unterkunft und Verpflegung weitere 977 Euro sowie 497 Euro an Investitionskosten hinzukommen.
Auch 2025 hohe monatliche Kosten für Pflegeheime: Zuschläge je nach Wohndauer
Seit 2022 gibt es für Pflegeheimbewohner eine Staffelung der Zuschläge je nach Wohndauer. Diese sieht vor, dass bei einer Aufenthaltsdauer von bis zu 12 Monaten ein Zuschlag von 15 Prozent auf die Eigenanteile gewährt wird. Ab dem zweiten Jahr steigt dieser auf 30 Prozent, nach drei Jahren auf 50 Prozent und nach mehr als 36 Monaten auf 75 Prozent. Gerade Langzeitbewohner profitieren von dieser Regelung: Wer bereits mehr als drei Jahre in einem Heim lebt, zahlt durchschnittlich 1.913 Euro monatlich.
Pflegebedürftige erhalten 2025 mehr finanzielle Unterstützung – höhere Leistungen und angepasste Beiträge sollen die Versorgung verbessern. Die privaten Kosten für Pflegeheimplätze steigen jedoch.
Seit Jahresbeginn 2025 steigen die allgemeinen Leistungssätze der Pflegeversicherung. So erhöht sich beispielsweise der Zuschuss für Pflegegrad 4 von bisher 1.775 Euro auf 1.855 Euro monatlich. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung hoch. Verantwortlich dafür sind unter anderem steigende Lohnkosten aufgrund tariflicher Bezahlung des Pflegepersonals sowie inflationsbedingte Anpassungen.
Prognose zeigt Kostenanstieg bis 2029: Zudem große regionale Unterschiede
Das WIdO hat verschiedene Szenarien für die künftige Entwicklung der Eigenanteile berechnet. Selbst bei einer moderaten Steigerung von zehn Prozent jährlich könnten die durchschnittlichen monatlichen Kosten für Pflegeheimbewohner im Jahr 2029 bei 3.812 Euro liegen. Sollte der Anstieg stärker ausfallen, könnten die Kosten sogar auf bis zu 4.771 Euro steigen. Die Analyse zeigt zudem erhebliche regionale Unterschiede in den Eigenanteilen. Während Pflegeheimbewohner in Nordrhein-Westfalen im Schnitt 2.764 Euro im Monat zahlen, sind es in Sachsen-Anhalt nur 1.965 Euro. Besonders stark variieren die Kosten für Unterkunft und Verpflegung: In Sachsen-Anhalt fallen hierfür 774 Euro an, während in Nordrhein-Westfalen 1.234 Euro zu zahlen sind. Auch innerhalb einzelner Bundesländer gibt es große Unterschiede, wobei ein deutlicher Trend zu höheren Kosten in südlichen Regionen zu beobachten ist.
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering
Bereits zum 1. Januar 2025 wurden, wie angekündigt, sowohl die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung als auch die Pflegeleistungen erhöht. Der allgemeine Beitragssatz stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent, während Kinderlose einen Zuschlag zahlen und Eltern mit zwei oder mehr Kindern Ermäßigungen erhalten. Gleichzeitig wurden die Leistungen der Pflegeversicherung um 4,5 Prozent angehoben.
Der Entlastungsbetrag für Pflegegrade 1 bis 5 stieg auf 131 Euro. Pflegegeld, Pflegesachleistungen sowie Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege wurden ebenfalls erhöht. Zudem wurde der Anspruch auf Verhinderungspflege auf acht Wochen verlängert. Pflegehilfsmittel und digitale Pflegeanwendungen erhielten höhere Zuschüsse, ebenso wie Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung und die vollstationäre Pflege. Auch der Wohngruppenzuschlag für Pflegegemeinschaften wurde erhöht. (ls)