VonChristoph Gschoßmannschließen
Der Klimawandel bringt trockenere Sommer - und vielerorts verdorrte Gärten. Für Hobbygärtner gilt es, sich den neuen Bedingungen anzupassen.
Kassel – Die Hitze in diesem Rekordsommer beschäftigt ganz Europa. Auch die Winter ändern sich und werden milder, außerdem gibt es weniger Regen. Dass sich die klimatischen Bedingungen ändern, hat auch Auswirkungen auf die ideale Bepflanzung von Gärten und Grünflächen. Wie überall sonst gilt auch hier: Auf dem neuesten Stand bleiben ist essenziell. Dafür sollten heute andere Pflanzen ausgewählt werden, als noch vor 20 Jahren, sagte Thomas Södler von Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen. Wer sich für die Auswahl Zeit nimmt und Rat von Fachleuten einholt, könne aber seinen Garten auch unter heutigen klimatischen Bedingungen noch mit blühender Vielfalt schmücken – und müsse ihn nicht einmal regelmäßig bewässern.
Garten-Tipps: Den Pflanzen im Kampf gegen Hitze und Trockenheit beistehen
Früher war Winterschutz angesagt, heute gilt es, den Pflanzen im Kampf gegen Hitze und Trockenheit beizustehen. Während Hobbygärtner damals beim Bestücken ihrer Beete vor allem darauf achteten, ob Pflanzen winterhart sind, stehe heute die Trockenresistenz im Vordergrund, sagte auch Södler. Garten-Klassiker wie die üppig blühenden Rhododendren, die vor allem im Halbschatten oder Schatten in leicht feuchten Böden gut gedeihen, kommen damit weniger gut zurecht.
Andere Pflanzen dagegen profitieren von den wärmeren Bedingungen. Gärtner setzen nun beispielsweise stärker auf Lavendel, auf Sukkulenten wie die Fetthenne oder Naturformen des Sonnenhuts. Auch der Flieder ist für Trockenheit gut gewappnet. Sowohl Feuchtigkeit im Winter als auch Wärme und Trockenheit im Sommer vertragen zudem viele Steppen- und Präriepflanzen. Wofür auch immer sich Gartenbesitzer entscheiden – die Bodenbeschaffenheit sollten sie dabei immer im Blick behalten, mahnte Södler. Nicht jede Lavendel-Art beispielsweise mag jeglichen Untergrund, idealerweise sollte dieser trocken, sandig und nährstoffarm sein.
- Diese Pflanzen vertragen Trockenheit und Wärme:
- Lavendel
- Fetthenne
- Sonnenhut
- Flieder
Tomaten und Karotten bekommen von Feigen und selbst Bananen Gesellschaft
Nicht nur die Pflanzen, auch die Gewohnheiten der Menschen haben sich in den letzten Jahren verändert. Schon in Corona-Zeiten haben sich Gärten derweil für viele Menschen zu erweiterten Wohnzimmern entwickelt, in denen auch gekocht, gegrillt und gegessen wird. Auch der Selbstversorgergedanke mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Beet oder vom eigenen Obstbaum erlebte eine Renaissance, was sich in kollektiven Urban-Gardening-Projekten ebenso widerspiegele wie in privaten Gärten, sagte Södler.
„Klassisch deutsche“ Gemüse wie Tomaten, Kartoffeln oder Karotten, die schon lange ihre Stammplätze in Gemüsegärten hatten, bekämen jetzt mancherorts Gesellschaft von früher eher in südlicheren Gefilden verbreiteten Feigenbäumen, die es sonnig und geschützt mögen. Mit ihrer schönen Blattform und den grün-violette Früchten sind sie zugleich ein echter Hingucker und Gaumenschmaus. Doch es geht noch exotischer: Selbst Bananenstauden finden sich jetzt in manchen Gärten, wobei sich nicht alle Sorten für das Freiland eignen. Zudem brauchen die Stauden viel Wasser. Generell empfiehlt Södler Gartenbesitzern, Regenwasser in einer Tonne aufzufangen, um für das Gießen in trockenen Sommern möglichst wenig Trinkwasser zu verbrauchen.
Nicht nur im Garten gilt es einiges zu beachten. Damit Balkonpflanzen lange blühen, brauchen sie gute Pflege und ausreichend Wasser. Die Bedürfnisse einzelner Pflanzen sind dabei verschieden. Eine „bienenfreundliche“ Pflanze kann indes sogar für Bienen zur Todesfalle werden. (cgsc mit dpa)
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