Heikle Situation

Wenn der Hund beißt – was tun? Ihn aus dem Haus verbannen, wie es Joe Biden mit Commander getan hat?

  • schließen

Immer wieder tauchen Meldungen von Beißvorfällen auf. Auch Bidens Hund Commander soll mehrfach Mitarbeiter gebissen haben. Warum Situationen aus dem Ruder laufen.

Wenn Hunde zubeißen, kann das mitunter tragisch ausgehen oder mit schlimmen Verletzungen enden. Die Ursachen für dieses Verhalten sind ganz unterschiedlich. Doch vorneweg: Kein Hund kommt aggressiv auf die Welt oder beißt ohne Grund zu. Oftmals ist es das letzte Mittel, das sie einsetzen, um eine in ihren Augen stressige, brenzlige oder bedrohliche Situation zu regeln oder zu beenden. Und meist liegt es am Fehlverhalten des Menschen, dass es überhaupt so weit kommt.

Dass die Erziehung eines Hundes nicht mal eben auf die leichte Schulter genommen werden sollte, zeigen verschiedene Beispiele: So wurde im österreichischen Naarn einen Joggerin vom einem Hund angegriffen. Die Frau kam dabei ums Leben. Und auch Schauspieler Oliver Wnuk wurde bei Dreharbeiten von einem Hund in die Lippe gebissen. Dies ging vermutlich relativ glimpflich aus. Laut seinem Instagram-Post nahm er den Biss mit Humor. „Au weia, da dachte ich, ich spiel‘ noch schnell 'ne Szene auf der Insel, da fühlt sich mein Spielpartner (hier: ein kleiner Rauhaardackel) so sehr von mir provoziert, dass er mir in die Lippe beisst“.

Von Stress, Schmerzen, Angst bis hin zum Revierverhalten ist alles möglich

Joe Biden, Präsident der USA, sitzt mit seinem Hund auf den Stufen vor dem Weißen Haus. Doch nun musste Commander sein Heim verlassen.

Stichwort Provokation: Werden Hunde provoziert, in die Enge getrieben, fühlen sich bedroht oder sind der Meinung, dass sie ihre Menschen beschützen, ihre Ressourcen oder Revier verteidigen oder etwas regeln müssen, können sie zubeißen. Vielleicht auch einer der Gründe, warum Commander, der Deutsche Schäferhund von US-Präsident Joe Biden gleich mehrmals zugebissen hat. So berichten die Nachrichtensender CNN und BBC, dass der erst zwei Jahre alte Vierbeiner aufgrund der Vorfälle das Weiße Haus verlassen musste. Commander soll, laut dem US-Geheimdienst Secret Service, immer wieder die Mitarbeiter des Weißen Hauses gebissen haben – genauer gesagt elf Mal. Doch die „Dunkelziffer“ soll angeblich weit höher sein.

Auch Stress kann ein möglicher Auslöser dafür sein, dass Hunde zubeißen. So räumt Elizabeth Alexander, Sprecherin der First Lady Jill Biden ein, dass das Weiße Haus eine stressige Umgebung für Haustiere sein könne. Man würde jedoch bereits an einer Lösung arbeiten.

Doch was kann man tun, damit es erst gar nicht so weit kommt?

Die meisten Vierbeiner senden vor einer Attacke untrügliche Signale aus, die es gilt zu verstehen oder richtig zu deuten:

  • Hund fühlt sich unwohl und dreht den Kopf weg, duckt sich weg oder verlässt sogar den Raum
  • Leckt sich mehrmals über den Fang, kratzt und schüttelt sich
  • Zeigt weit aufgerissene Augen
  • Fletscht die Zähne
  • Knurrt
  • Zwickt leicht oder schnappt
  • Letzter Ausweg: Beißt zu

Werden all diese Signale missachtet oder ignoriert, oder fühlt sich der Hund permanent un- oder missverstanden, kann es zu einem Beißvorfall kommen. Natürlich sollten dabei immer bestimmte Krankheiten oder Schmerzen ausgeschlossen werden. Denn auch die können ein Auslöser sein. Auch antrainiertes Verhalten ist eine Möglichkeit. Wurde einem Hund beispielsweise beigebracht, Haus und Hof vor möglichen Einbrechern oder Fremden zu beschützen, ist es für einen Vierbeiner mitunter schwer, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.

Zehn Hunderassen mit dem stärksten Biss

Malinois werden auch als belgische Schäferhunde bezeichnet. Durch ihre hohe Aufmerksamkeit eignen sie sich als Wachhunde und werden auch als Diensthunde bei Polizei und Militär eingesetzt. Weil sie viel Energie besitzen, müssen sie entsprechend ausgelastet werden. (Symbolbild)
Platz 10: Der Malinois oder auch belgische Schäferhund hat eine Beißkraft von 200 PSI. Die Rasse ist sehr aufmerksam und eignet sich deswegen auch als Wachhund. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Wegen ihres üppigen Fells, werden Chow-Chows auch als „Löwenhunde“ bezeichnet. Sie sind zwar sehr ausgeglichene Tiere, aber auch etwas eigensinnig. In der Regel werden sie bis zu 56 Zentimeter groß. (Symbolbild)
Platz 9: Die flauschigen und ausgeglichenen Chow-Chows können mit bis zu 220 PSI zubeißen. Die Rasse kommt aus China und wird dort auch „Löwenhund“ genannt. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago
Weil Holländische Schäferhunde so athletisch und lernwillig sind, werden sie häufig als Diensthunde bei Polizei, Militär und Zoll eingesetzt. Ihre Vorfahren sind die gleichen, wie die der Mallinois, den belgischen Schäferhunden. (Symbolbild)
Platz 8: Holländische Schäferhunde beißen mit 225 PSI zu. Sie sind sehr lernwillig und sportlich. Mit den Mallinois sind sie verwandt. (Symbolbild) © imagebroker/Imago
Mit einer Beißkraft von 235 PSI sind American Pit Bull Terrier früher oft in Hundekämpfen zum Einsatz gekommen. Die Rasse ist dadurch als äußerst aggressiv in Verruf geraten. Bei guter Erziehung aber, sind auch sie sehr freundliche Hunde. (Symbolbild)
Platz 7: American Pit Bull Terrier haben eine Beißkraft von 235 PSI. Durch Hundekämpfe sind sie in Verruf geraten. Doch bei guter Erziehung sind sie sehr menschenfreundlich. Deswegen werden sie heute auch, trotz ihres Stigmas, als Assistenz- und Therapiehunde eingesetzt. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago
Deutsche Schäferhunde wurden zwar zum Hüten gezüchtet, haben aber auch einen starken Jagdtrieb. Zubeißen können sie mit 240 PSI. Ihr Gebiss ist in erster Linie auf das Fangen, Festhalten, Zerreißen und das Zerkleinern der Beute spezialisiert. (Symbolbild)
Platz 6: Deutsche Schäferhunde wurden zwar zum Hüten gezüchtet, haben aber auch einen starken Jagdtrieb. Zubeißen können sie mit 240 PSI. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Hunde der Rasse American Bulldog sind loyal und freundlich. Ihre Statue ist klein, aber kräftig. So auch ihr Kiefer, mit dem sie eine Beißkraft von 300 PSI erreichen können. (Symbolbild)
Platz 5: Der American Bulldog ist klein und muskulös. Sein breiter, kräftiger Kiefer kommt auf eine Beißkraft von 300 PSI. (Symbolbild) © Panthermedia/Imago
Rottweiler sind sehr aufmerksam und können auch ein ausgeprägtes Schutzverhalten an den Tag legen. Mit ihrem kräftigen Gebiss erreichen sie Kräfte von bis zu 330 PSI. (Symbolbild)
Platz 4: Rottweiler können mit 330 PSI zubeißen. Sie sind bekannt für ihr freundliches und tapferes Wesen. Doch auch für ihre Körperkraft und ihren starken Kiefer. (Symbolbild) © teamwork/Imago
Der English Mastiff gilt als ruhig und würdevoll, aber auch tapfer und beschützend. Rüden können bis zu 100 Kilogramm schwer werden. Mit einer Beißkraft von 560 PSI ist auch ihr Kiefer besonders kräftig. (Symbolbild)
Platz 3: Den drittstärksten Hundekiefer besitzt der English Mastiff. Mit 560 PSI kann er zupacken. Sein Wesen ist ruhig und beschützend, weswegen er sich auch sehr gut als Wachhund eignet. (Symbolbild) © agefotostock/Imago
Der Dobermann gilt als sensibel und oft wird ihm ein aggressiver Charakter nachgesagt. Auch wenn sie nicht so schwer werden, haben sie dennoch eine Beißkraft von bis zu 600 PSI. (Symbolbild)
Platz 2: Auch wenn der Dobermann gerade mal bis zu 45 Kilogramm schwer wird, hat er dennoch eine sehr große Beißkraft von 600 PSI. (Symbolbild) © Zoonar/Imago
Der Kangal-Hirtenhund kann mit 740 PSI kräftiger als ein Löwe zubeißen. Der Kangal ist ein Herdenschutzhund und wird zur Überwachung von Nutztieren eingesetzt. (Symbolbild)
Platz 1: Den stärksten Kiefer unter den Hunderassen hat der Kangal-Hirtenhund. Mit ganzen 740 PSI kann er zubeißen und ist damit sogar kräftiger als ein Löwe, der auf 691 PSI kommt. (Symbolbild) © blickwinkel/Imago

Noch mehr spannende Tier-Themen finden Sie im kostenlosen Partner-Newsletter von Landtiere.de, den Sie gleich hier abonnieren können.

Übrigens: Ein Hund, der ein aggressives Verhalten an den Tag legt und bereist mehrmals gebissen hat, stellt ein Risiko dar. Auch wenn es oftmals ein Kommunikationsproblem zwischen Hund und Halter ist, müssen Hundehalter zu jeder Zeit in der Lage dazu sein, den Vierbeiner unter Kontrolle zu halten. Dies gelingt mit frühzeitiger Sozialisierung und Training. Bei Bedarf stehen kompetente Hundetrainer mit Rat und Tat zur Seite. Auch ein Maulkorb samt Schleppleine können geeignete Vorsichtsmaßnahmen sein.

Rubriklistenbild: © dpa/APA Images via ZUMA Press Wire

Kommentare