Synthetische Alternative

Bis zu 20 Cent teurer als „normaler“ Diesel: HVO100-Kraftstoff aus Frittenfett soll das Klima retten

Sind Designer-Sprits wie HVO100 in der Lage, die Klimabilanz des Verbrennungsmotors zu retten? Die deutsche Bio-Kraftstoffbranche zumindest hofft darauf.

Der Bund hat den Weg für neue Bio-Kraftstoffe frei gemacht. Neben höher konzentriertem Bio-Diesel B10 darf nun auch der Designer-Sprit HVO100 verkauft werden. Anbieter und Befürworter werben mit besonderer Klimafreundlichkeit. Fragen und Antworten zur neuen Mineralöl-Alternative.

Was ist HVO100?

HVO100 ist eine synthetische Diesel-Alternative und zählt zu den XTL-Kraftstoffen, also Flüssigkraftstoffen, die aus verschiedenen Ausgangsstoffen („X“) gewonnen werden. In diesem Fall handelt es sich um hydrierte Pflanzenöle, was sich wiederum in dem Kürzel „HVO“ ( „Hydrotreated Vegetable Oils“) wiederfindet. Die nachgestellte Zahl gibt an, dass es sich um 100 Prozent reinen HVO-Kraftstoff handelt. Alternativ wird HVO-Diesel auch unter der Bezeichnung C.A.R.E. vertrieben, ein Kunstwort, bei dem das englische Wort „care“ (sich kümmern) mitschwingt. Weitere Namensvarianten heißen NExBTL, NesteMy oder Renewable Diesel. Fachsprachlich kann man auch von paraffinischen Dieselkraftstoffen reden.

Wie wird HVO100 hergestellt?

Ausgangsstoff bei der Herstellung sind beliebige Pflanzenöle, etwa das auch in der Küche eingesetzte Rapsöl, aber auch Rest- und Abfallstoffe wie altes Frittenfett. Die deutschen Anbieter nehmen für sich in der Regel in Anspruch, ausschließlich letzteres zu verwenden. Eine Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion soll so ausgeschlossen sein. Zunächst werden die Öle gereinigt, anschließend werden sie bei hohen Temperaturen und unter hohem Druck in einer Reaktion mit Wasserstoff in Kohlenwasserstoffe umgewandelt, die denen von konventionellem Diesel ähneln. Der Wasserstoff wiederum wird idealerweise mithilfe erneuerbarer Energien durch Elektrolyse hergestellt.

An der Tankstelle darf nun auch die synthetische Diesel-Alternative HVO100 verkauft werden. (Symbolbild)

Ist HVO100 klimafreundlich?

Anbieter und Hersteller von HVO-Diesel werben mit möglichen CO₂-Einsparungen von 95 Prozent im Vergleich zu Mineralöl-Diesel. Diese resultieren vor allem aus der bilanziellen Klimaneutralität von Pflanzenöl – verbrannt wird nur so viel Kohlenstoff wie vorher beim Wachstum eingelagert wurde. Positiv auf die Bilanz wirkt sich auch aus, wenn Designer-Diesel aus Reststoffen hergestellt wird. Dann stehen zum einen Tank und Teller nicht in Konkurrenz, zum anderen lassen sich die Umwelteinwirkungen des Rohstoffanbaus herausrechnen. Darüber hinaus spielen auch noch die Bedingungen von Transport, Wasserstoffsynthese und Kraftstoff-Raffinierung eine Rolle für die Ökobilanz – nur mit grünem Strom wären diese wirklich klimafreundlich. Welchen CO₂-Fußabdruck genau das an der konkreten Zapfsäule erhältliche HVO100 hat, lässt sich für den Verbraucher nicht erkennen.

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Wie sieht die übrige Umweltbilanz aus?

Bei der Verbrennung von HVO entstehen grundsätzlich die gleichen Abgase wie bei Mineralöldiesel, darunter Stickoxide, Kohlenmonoxid und Partikel. Die Hersteller nehmen für sich allerdings in Anspruch, dass die Menge der Schadstoffe geringer ausfällt. Erste unabhängige Messungen bestätigen das. HVO selbst ist ein wassergefährdender Stoff und darf genau wie Mineralölsprit nicht in die Umwelt gelangen.

Was kostet HVO100?

Der Frittenfett-Diesel dürfte auf absehbare Zeit der teuerste Bio-Kraftstoff an der Tankstelle bleiben. Vor allem wegen der hohen Produktionskosten liegt der um 15 bis 20 Cent über dem von konventionellem Diesel, weshalb sich die Hersteller mit dem Hinweis auf die beworbenen Klimafreundlichkeit für Steuervergünstigungen einsetzen. Ohne diese bleibt HVO für den Nutzer sehr kostspielig: Hochgerechnet auf den durchschnittlichen Verbrauch (der laut EU deutlich höher ausfällt, als die Hersteller angeben) deutscher Pkw-Diesel von rund 7 Litern je 100 Kilometern würden auf dieser Strecke Zusatzkosten von 10,50 Euro bis 14 Euro anfallen. Für die meisten Privatkunden dürfte das nicht attraktiv sein. Zielkundschaft ist vor allem gewerbliche Nutzer und die Speditions- und Logistikbranche, die bereit sind, für die Verkleinerung des eigenen CO₂-Fußabdrucks zu zahlen.

Die zehn hässlichsten Autos aller Zeiten: Design-Sünden der Hersteller

Die erste Generation der Mercedes A-Klasse.
Platz 10: Mercedes-Benz A-Klasse. Die ersten Generationen der A-Klasse waren alles andere als eine Schönheit. Seit 2012 kann sich der Kompaktwagen jedoch sehen lassen. Dennoch fliegt die A-Klasse bald aus dem Programm. © Mercedes-Benz AG
Audi A2
Platz 9: Audi A2. Natürlich darf auch der A2 in diesem Ranking nicht fehlen. Hier ging der Nutzen klar vor Design. Mit einem cw-Wert von 0,252 kann der Kompaktwagen locker mit modernen Stromern mithalten. Und auch sonst war der Audi A2 seiner Zeit weit voraus. Vermutlich etwas zu weit, denn 2005 wurde die Produktion nach sechs Jahren eingestellt. Inzwischen genießt der Ingolstädter einen Kult-Status. © Heritage Images/Imago
Ein Chrysler PT Cruiser von 2009 auf der San Diego International Auto Show
Platz 8: Chrysler PT Cruiser. Den Kompatkwagen gab es alternativ auch als Cabrio. Optisch erinnert der PT Cruiser durch seine lange Motorhaube etwas an die Autos der 20er oder 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 2010 war nach zehn Jahren Bauzeit und einem Facelift dann Schluss. © UPI Photo/Imago
Ford Edsel Villager
Platz 7: Ford Edsel Villager. Ende der 1950er-Jahre führte die Ford Motor Company die Tochtermarke Edsel ein. Ab 1958 ging diese unter anderem mit dem Villager auf Kundenfang. Wirklich beliebt waren die Marke und ihre Modelle damals jedoch nicht. Das lag aber viel mehr an dem ungewöhnlich hohen ovalen Kühlergrill, der so manchen Kritiker an einen Toilettensitz erinnerte. Nach drei Jahren war dann Schluss mit Edsel und dem Villager. Für Ford ein teurer Flop, der fast für den Ruin des US-Autogiganten gesorgt hätte. © Chromorange/Imago
Ein Alfa Romeo SZ.
Platz 6: Alfa Romeo SZ. Nicht schön, dafür aber teuer. Der Alfa Romeo SZ kostete Anfang der 1990er-Jahre sagenhafte 100.000 DM (ca. 51.129 Euro). Der Sportwagen war zudem auf 1.000 Exemplare limitiert. Ob die Italiener wussten, dass der Sportwagen nicht besonders gelungen ist? © Alfa Romeo
Pontiac Aztek
Platz 5: Pontiac Aztek. Von 2001 bis 2005 baute Pontiac diese „Schönheit“. Der Crossover-SUV verkaufte sich immerhin rund 1115.000 Mal. Zu besonderem Ruhm kam der Aztek zudem durch die TV-Serie „Breaking Bad“, in der er von der Hauptfigur Walter White gefahren wird. Allerdings wird der SUV in jeder Episode beschädigt. © Daniel Lippitt/AFP
SsangYong Rodius
Platz 4: SsangYong Rodius. Für einen Platz auf dem Podium hat es für den Koreaner nicht ganz gereicht. Gleiches gilt aber auch für ein eigenständiges Design. Der Kühler erinnert etwas an den PT Cruiser, das Heck hingegen hat man sich bei Mercedes geborgt. Eine Idee, die man womöglich erst hatte, als das Auto schon fertig war, denn es wirkt wie nachträglich aufgesetzt. Trotzdem wurde der Van in zwei Generationen von 2004 bis 2019 gebaut. © SsangYong
Nissan S-Cargo
Platz 3: Nissan S-Cargo. Was aussieht wie ein Modellauto für Kinder, wurde von Nissan tatsächlich von 1989 bis 1992 gebaut. Warum genau wissen wohl nur die Designer und Manager des asiatischen Autobauers. © Nissan
Ein Commuter Tango T600.
Platz 2: Nein, das ist keine optische Täuschung. Der Tang T600 von Commuter Cars ist in der Tat nur 99 Zentimeter breit. Was bei der Parkplatzsuche helfen mag, wirkt optisch, als hätte man einen Smart zu heiß gewaschen oder einen Minivan aus der Schrottpresse gerettet. Doch das Design ist nicht das einzige Problem des Tango T600. Für das kleine Elektroauto werden schwindelerregende 121.000 US-Dollar fällig. Dafür bekommt man aber auch 600 kW Leistung.  © Commuter Cars
Fiat Multipla
Platz 1: Fiat Multiple. Der Sieg geht ganz klar an den Italiener. Zwar versuchte Fiat das Modell mit einem Facelift zu retten, doch wirklich schöner wurde der Van dadurch nicht. 2010 wurde der Multipla nach elf Jahren wieder eingestellt. Bleibt die Frage: Wie konnte dieses Design jemals auf die Straße kommen? © Fiat

Vertragen alle Diesel-Pkw HVO100?

Chemisch gesehen ist der Designer-Sprit konventionellem Diesel sehr ähnlich, sodass keine Probleme mit der Verträglichkeit zu erwarten sind. Allerdings sollten Autofahrer sicherheitshalber die Freigabe durch den Fahrzeughersteller abwarten. Einzelne Hersteller haben die schon erteilt, vor allem der VW-Konzern war schon sehr aktiv. Informationen dazu gibt es auf den Internetseiten der Unternehmen oder bei der Deutschen Automobil-Treuhand (www.dat.de/b10-xtl).

Wo bekomme ich HVO100?

Bislang ist die Zahl der HVO-Tankstellen in Deutschland klein. In anderen Ländern, wo der Einsatz gefördert wird, ist der neue Diesel häufiger in Reinform zu finden, insgesamt gibt es in Europa aber nur rund 2.300 Tankstellen. Ob und wie schnell die Zahl steigen wird, hängt vor allem von der Akzeptanz des Kraftstoffs ab. Generell ist allerdings die Menge an pflanzenölhaltigen Abfallstoffen für die HVO-Herstellung begrenzt. Altspeiseöle aus der deutschen Gastronomie werden beispielsweise werden schon heute komplett für die Spritproduktion verwendet. Hinzu kommt: Eine Verpflichtung die neuen Kraftstoffe anzubieten, gibt es nicht. Weil aber Super E5 und Diesel B7 überall verfügbar sein müssen und die Mineralölunternehmen ihre margenstarken Premium-Varianten wohl im Portfolio halten, dürfte es an vielen Tankstellen eng werden mit der Zahl der verfügbaren Zapfsäulen. (Holger Holzer/SP-X)

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