Deutliche Abweichungen

EU-Auswertung: Neue Autos verbrauchen viel mehr, als die Hersteller angeben

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Eigentlich sollte der WLTP-Fahrzyklus realistischere Verbrauchswerte liefern. Nun zeigt sich: Die Realverbräuche von Neuwagen weichen deutlich ab. Besonders bei einem Antrieb.

Es ist schon wieder ein paar Jahre her: 2017 wurde in Europa der sogenannte WLTP-Zyklus als Standard-Messverfahren zur Bestimmung der Abgasemissionen und des Kraftstoffverbrauchs (bei Elektroautos des Stromverbrauchs) eingeführt. WLTP ist die Abkürzung für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (auf Deutsch etwa: weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren). Dieses Messverfahren löste den NEFZ-Zyklus ab, mit dem Ziel, deutlich realistischere Verbrauchsangaben zu erhalten. Neue Daten der EU zeigen aber nun: Die Ergebnisse weichen von der Realität deutlich ab.

On-Board-Messgerät zeichnet seit 2021 in Neuwagen den Realverbrauch auf

Nach der Einführung des WLTP-Zyklus folgte im Jahr 2021 eine weitere Neuerung: Seitdem müssen die Autobauer auch die realen Verbrauchswerte von Kraftstoff und Strom an die EU übertragen. Möglich wird dies durch ein sogenanntes On-Board Fuel Consumption Meter, das den echten Verbrauch der Fahrzeuge aufzeichnet. Nun wurden die Daten ausgewertet und mit den WLTP-Angaben der Hersteller verglichen. Das Ergebnis: Teils eklatante Unterschiede. Erst kürzlich hatte die Umweltorganisation ICCT in einer Studie gezeigt, dass die Verbrauchsangaben der Autobauer immer unrealistischer würden – doch die neuen Daten der EU fallen noch drastischer aus.

Neuwagen verbrauchen laut neuen Daten der EU deutlich mehr als die Autobauer angeben. (Symbolbild)

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23,7 Prozent über den Angaben: Realverbrauch von Benzinern deutlich über den Hersteller-Werten

Wie neue Daten der Europäischen Umweltagentur zeigen, lagen neue Benziner im Durchschnitt um 23,7 Prozent über den Angaben der Autobauer: Statt 6,38 Litern auf 100 Kilometer wurden im Schnitt 7,89 Liter verbraucht. Diesel-Fahrzeuge schluckten im Schnitt 6,88 Liter auf 100 Kilometer statt der angegebenen 5,82 Liter. Ab Mai 2024 müssen die WLTP-Angaben auch auf Pkw-Label beim Autokauf zu sehen sein – was die Transparenz erhöhen soll.

Top 10: Die zehn beliebtesten Automarken in Deutschland im Jahr 2023

Fahraufnahme eines Fiat 500
Platz 10 – Fiat: Die zum Stellantis-Konzern gehörende Marke Fiat hat es mit 76.535 neu zugelassenen Fahrzeugen im Jahr 2023 in Deutschland auf den zehnten Platz geschafft. Damit kamen die Italiener auf einen Marktanteil (MA) von 2,7 Prozent. (Symbolbild) © Fiat
Fahraufnahme eines Hyundai Kona Electric
Platz 9 – Hyundai: Die Koreaner schafften es mit 106.381 Neuzulassungen im Jahr 2023 auf den neunten Rang. Hyundai bracht es damit in Deutschland auf einen Marktanteil von 3,1 Prozent. (Symbolbild) © Hyundai
Ein Ford Kuga
Platz 8 – Ford: Genau 116.578 Neuzulassungen konnte Ford im Jahr 2023 in Deutschland auf seinem Konto verbuchen. Das reichte im Jahresranking für den achten Platz und einen Marktanteil von 4,1 Prozent. (Symbolbild) © Ford
Fahraufnahme eines Seat Arona
Platz 7 – Seat: Mit 132.624 verkauften Fahrzeugen sicherte sich Seat den siebten Rang im Ranking des Jahres 2023. In Deutschland kamen die Spanier damit auf einen Marktanteil von 4,7 Prozent. (Symbolbild) © Seat
Fahraufnahme eines Opel Astra Electric Sports Tourer
Platz 6 – Opel: Der Autobauer Opel kam in Deutschland im Jahr 2023 auf 144.901 Neuzulassungen. Für den zum Stellantis-Konzern gehörenden Hersteller bedeutete das einen Marktanteil von 5,1 Prozent und Platz 6 im Jahres-Ranking. (Symbolbild) © Opel
Ein Skoda Kodiaq
Platz 5 – Skoda: Die zum VW-Konzern gehörende Marke Skoda brachte es in Deutschland im Jahr 2023 auf 168.561 Neuzulassungen. Die Tschechen kamen damit auf einen Marktanteil von 5,9 Prozent. (Symbolbild) © Skoda
Fahraufnahme eines BMW 5er
Platz 4 – BMW: Mit 233.160 Neuzulassungen im Jahr 2023 sicherte sich der Münchner Autobauer den vierten Platz im Jahres-Ranking. In Deutschland kam BMW damit auf einen Marktanteil von 8,2 Prozent. (Symbolbild)  © BMW
Fahraufnahme eines Audi Q8
Platz 3 – Audi: Die Marke mit den vier Ringen verbuchte in Deutschland 246.800 Neuzulassungen. Damit kamen die Ingolstädter im Jahr 2023 hierzulande auf einen Marktanteil von 8,7 Prozent. (Symbolbild) © Audi
Fahraufnahme eines Mercedes-AMG GLC 63 S E Performance
Platz 2 – Mercedes: Im Jahresranking 2023 belegen die Stuttgarter mit 277.352 Neuzulassungen in Deutschland den zweiten Platz. Sie sicherten sich einen Marktanteil von 9,8 Prozent. (Symbolbild) © Mercedes
Fahraufnahme eines VW Golf
Platz 1 – Volkswagen: Insgesamt 519.089 Pkw der Marke VW wurden im Jahr 2023 neu zugelassen – damit kamen die Wolfsburger in Deutschland auf einen Marktanteil von 18,2 Prozent und sicherten sich den ersten Platz. Einer der Bestseller ist nach wie vor der Golf. (Symbolbild) © Volkswagen

Plug-in-Hybride: WLTP-Angaben völlig unrealistisch

Besonders drastisch fielen die Ergebnisse bei Plug-in-Hybriden aus: Im Durchschnitt lagen sie um 250 Prozent über den WLTP-Angaben – und schluckten im Schnitt 5,94 Liter auf 100 Kilometer statt der angegebenen 1,69 Liter. 5,97 Liter auf 100 Kilometer statt angegebenen 1,76 Liter waren es bei Plug-in-Fahrzeugen, die E-Maschinen mit Benzinmotoren kombinieren – eine Überschreitung von 238 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden, die Dieselmotoren mit E-Maschinen kombinieren, waren es gar 312 Prozent: 5,83 Liter auf 100 Kilometer statt 1,41 Liter.

Hersteller-Auswertung bei Benzinern: Mercedes-AMG und Ferrari deutlich über WLTP-Angaben

Auch die Abweichungen der einzelnen Hersteller wurden ausgewertet: Beim Verbrauch der Benziner lagen Mercedes-AMG und Ferrari um mehr 45 Prozent über den Angaben. Aber auch Alfa Romeo (34,70 Prozent Überschreitung), BMW (32,15 Prozent) und Renault (30,74 Prozent) lagen deutlich über den WLTP-Werten. Relativ geringe Abweichungen wiesen die Marken Suzuki (9,43 Prozent), Hyundai (10,28 Prozent) und Toyota (12,27 Prozent auf).

Rubriklistenbild: © Geisser/Imago

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