VonSebastian Oppenheimerschließen
Eigentlich sollte der WLTP-Fahrzyklus realistischere Verbrauchswerte liefern. Nun zeigt sich: Die Realverbräuche von Neuwagen weichen deutlich ab. Besonders bei einem Antrieb.
Es ist schon wieder ein paar Jahre her: 2017 wurde in Europa der sogenannte WLTP-Zyklus als Standard-Messverfahren zur Bestimmung der Abgasemissionen und des Kraftstoffverbrauchs (bei Elektroautos des Stromverbrauchs) eingeführt. WLTP ist die Abkürzung für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (auf Deutsch etwa: weltweit einheitliches Leichtfahrzeuge-Testverfahren). Dieses Messverfahren löste den NEFZ-Zyklus ab, mit dem Ziel, deutlich realistischere Verbrauchsangaben zu erhalten. Neue Daten der EU zeigen aber nun: Die Ergebnisse weichen von der Realität deutlich ab.
On-Board-Messgerät zeichnet seit 2021 in Neuwagen den Realverbrauch auf
Nach der Einführung des WLTP-Zyklus folgte im Jahr 2021 eine weitere Neuerung: Seitdem müssen die Autobauer auch die realen Verbrauchswerte von Kraftstoff und Strom an die EU übertragen. Möglich wird dies durch ein sogenanntes On-Board Fuel Consumption Meter, das den echten Verbrauch der Fahrzeuge aufzeichnet. Nun wurden die Daten ausgewertet und mit den WLTP-Angaben der Hersteller verglichen. Das Ergebnis: Teils eklatante Unterschiede. Erst kürzlich hatte die Umweltorganisation ICCT in einer Studie gezeigt, dass die Verbrauchsangaben der Autobauer immer unrealistischer würden – doch die neuen Daten der EU fallen noch drastischer aus.
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23,7 Prozent über den Angaben: Realverbrauch von Benzinern deutlich über den Hersteller-Werten
Wie neue Daten der Europäischen Umweltagentur zeigen, lagen neue Benziner im Durchschnitt um 23,7 Prozent über den Angaben der Autobauer: Statt 6,38 Litern auf 100 Kilometer wurden im Schnitt 7,89 Liter verbraucht. Diesel-Fahrzeuge schluckten im Schnitt 6,88 Liter auf 100 Kilometer statt der angegebenen 5,82 Liter. Ab Mai 2024 müssen die WLTP-Angaben auch auf Pkw-Label beim Autokauf zu sehen sein – was die Transparenz erhöhen soll.
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Plug-in-Hybride: WLTP-Angaben völlig unrealistisch
Besonders drastisch fielen die Ergebnisse bei Plug-in-Hybriden aus: Im Durchschnitt lagen sie um 250 Prozent über den WLTP-Angaben – und schluckten im Schnitt 5,94 Liter auf 100 Kilometer statt der angegebenen 1,69 Liter. 5,97 Liter auf 100 Kilometer statt angegebenen 1,76 Liter waren es bei Plug-in-Fahrzeugen, die E-Maschinen mit Benzinmotoren kombinieren – eine Überschreitung von 238 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden, die Dieselmotoren mit E-Maschinen kombinieren, waren es gar 312 Prozent: 5,83 Liter auf 100 Kilometer statt 1,41 Liter.
Hersteller-Auswertung bei Benzinern: Mercedes-AMG und Ferrari deutlich über WLTP-Angaben
Auch die Abweichungen der einzelnen Hersteller wurden ausgewertet: Beim Verbrauch der Benziner lagen Mercedes-AMG und Ferrari um mehr 45 Prozent über den Angaben. Aber auch Alfa Romeo (34,70 Prozent Überschreitung), BMW (32,15 Prozent) und Renault (30,74 Prozent) lagen deutlich über den WLTP-Werten. Relativ geringe Abweichungen wiesen die Marken Suzuki (9,43 Prozent), Hyundai (10,28 Prozent) und Toyota (12,27 Prozent auf).
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