Wie entstehen Staus? Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen (kleines Foto) beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema.
Warum stehen wir eigentlich im Stau? Und warum fühlt es sich immer so an, als wäre die Nachbarspur schneller? Verkehrsforscher Michael Schreckenberg hat die Antworten.
Er ist Deutschlands bekanntester Stauforscher und hatte die hierzulande erste Professur für „Physik von Transport und Verkehr“ inne: Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen gibt im Interview mit IPPEN.MEDIA Einblicke in unsere Verkehrsgewohnheiten und erklärt, warum wir im Laufe unseres Lebens etwa ein halbes Jahr im Stau verbringen. Der Wissenschaftler entlarvt typische Autofahrer-Mythen – etwa, dass ständiges Spurwechseln Zeit spart oder dass Tempolimits Staus verhindern können. Darüber hinaus erklärt er, warum Navis gefährlich sein können, die marode Verkehrsinfrastruktur ein Problem für Militärfahrzeuge ist und der Mensch im Auto mitunter zum Tier wird.
Herr Schreckenberg, haben Sie eigentlich schon einmal berechnet, wie lange Sie in Ihrem Leben bereits im Stau gestanden haben?
Also, ich habe mal überschlagen, wie lange Menschen – wenn sie ein gewisses Lebensalter erreichen – im Stau gestanden haben. Wenn man 40 Jahre im Job ist und hauptsächlich mit dem Auto gefahren ist, dann hat man am Ende ungefähr ein halbes Jahr im Stau verbracht. Insoweit besteht schon ein Großteil des Lebens daraus, einfach zu warten. Und dann stellt sich die Frage, ob man die Zeit nicht besser nutzen könnte. Tatsächlich machen das viele auch, wenn sie im Stau stehen: Sie telefonieren, lernen dann Sprachen oder hören sich Podcasts und Hörbücher an. Es gibt sogar Menschen, die extra Umwege fahren, um diese zu Ende zu hören.
Haben Sie auch eine spezielle Staubeschäftigung?
Ich beobachte andere im Stau. Wir machen gewisse Annahmen über das Verhalten von Menschen im Stau. Und ich finde es immer ganz interessant zu sehen, was andere tatsächlich machen. Viele versuchen beispielsweise durch möglichst viele Spurwechsel auf Autobahnen schneller voranzukommen, was aber überhaupt nichts bringt. Am Ende ist man immer noch mit den gleichen Fahrzeugen um sich herum unterwegs. Andere fangen an, mit ihrem Smartphone zu spielen, intensive Gespräche mit dem Beifahrer zu führen – oder sie träumen einfach vor sich hin.
Was sind denn die typischen Gründe, wodurch ein Stau entsteht?
Die Hauptursache ist einfach Überlastung: Es sind zu viele Fahrzeuge auf derselben Strecke, in derselben Richtung, zur selben Zeit unterwegs. Das macht so geschätzte 60 bis 70 Prozent aus. Wir haben momentan aber auch sehr viele zusätzliche Staus durch Baustellen. Das macht etwa 20 Prozent aus – zeitweilig auch mehr. Aktuell gibt es ungefähr jeden zehnten Kilometer mindestens auf Autobahnen eine Baustelle.
Es gibt wirklich so viele Baustellen?
Ja, eher noch mehr. Das heißt also, dass Sie ständig damit rechnen müssen, in einen Baustellstau zu kommen. Natürlich kommt auch hier die Überlastung zum Tragen: Die ist an Baustellen natürlich schon viel schneller erreicht. Es gibt aber auch viele Staus durch Unfälle, wo in der Folge entsprechend Spuren gesperrt werden, oder es gar eine Vollsperrung gibt. Rund 2 Prozent der Staus entstehen übrigens durch widrige Witterungsbedingungen.
Wann macht es Sinn, bei einem Stau die Autobahn zu verlassen?
Der einzige Grund, weshalb man eine Autobahn wirklich verlassen sollte, ist eine Vollsperrung. In allen anderen Fällen würde ich raten, auf der Autobahn zu bleiben, weil das Ausweich-Straßennetz eine so viel geringere Kapazität hat, als die Autobahn – selbst bei Stau. Auch wenn es zu einem Überlastungsstau kommt, fahren Sie immer noch mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 km/h. Ausweichen über eine andere freiere Autobahn ist natürlich immer zu empfehlen.
Gilt Ihre Aussage auch noch im Zeitalter moderner Navis?
Wenn nur zehn Prozent bei Stau von der Autobahn abfahren, dann ist das nachgeordnete Straßennetz sehr schnell überlastet. Dann brauchen Sie noch viel länger. Nur: Hinterher wissen sie es nicht. Das Stop-and-Go auf der Autobahn ist zwar nervig, aber ist am Ende dann in vielen Fällen doch effektiver als das Überlandfahren. Sie haben einspurige Verkehrsführungen, Gegenverkehr – und vor allen Dingen Kreuzungen. Und das ist immer das, was die meiste Zeit kostet – so wie auch in der Stadt. Der Stadtverkehr wird beherrscht durch die Kreuzungen, das heißt also durch Ampeln und durch Abbiegevorgänge – auf der Autobahn gibt es das nicht.
Viele denken bei Stau automatisch immer an den typischen Ferienstau. Ist das eine spezielle Art von Stau?
Es gibt ganz unterschiedliche Staus. Da wäre zum Beispiel der normale Business- oder Pendler-Stau. Das sind Leute, die kennen die Strecke gut, die wissen auch, wo sie mit einem Stau rechnen müssen und wie viel Zeit sie verlieren. Für die ist es eigentlich nicht wichtig, dass da ein Stau ist. Für sie ist wichtig, planen zu können, wann sie ankommen. Also, wenn Sie ein Date haben, einen Termin, dann müssen Sie gucken, dass Sie das auch innerhalb dieser Zeit schaffen. Und diese Dinge sind kalkulierbar. Der Ferienstau ist etwas, da kommt es für sie erstmal nicht darauf an, zu einer gewissen Zeit anzukommen, da können sie auch eine halbe Stunde später kommen.
Es sei denn, Sie müssen beispielsweise eine Fähre erwischen.
In diesem Fall ist es natürlich wichtig, dass Sie die Zeit einhalten. Allerdings kann bei Navigationsgeräten die Ankunftszeit auch schnell mal nach oben gehen. Das hat damit zu tun, dass diese Geräte die aktuelle Verkehrslage anzeigen – und keine Prognose machen. Sie wollen ja eigentlich nicht wissen, wie es jetzt beispielsweise im Elbtunnel aussieht – sondern, wenn sie dort ankommen. Gefährlich kann es werden, wenn sie versuchen, die verlorene Zeit durch höheres Tempo wieder herauszufahren.
Was meinen Sie damit?
Wenn das Navigationsgerät eine immer spätere Ankunftszeit anzeigt, geben viele Leute Gas und versuchen mit risikoreichem Fahren den Zeitverlust wieder wettzumachen – aber das ist fast unmöglich. Viele Algorithmen gehen davon aus, dass Sie auf der Autobahn im Schnitt mindestens 120 oder 130 km/h fahren. Auch eine Rast ist nicht einkalkuliert – die sie aber gerade auf weiten Strecken – meist einlegen. Um diese verlorene Zeit wieder hereinzuholen, muss man deutlich schneller fahren – also deutlich schneller als 130 km/h. Und daraus resultieren auch viele Risiko-Unfälle, die durch Navigationsgeräte verursacht sind. Es wird beim Thema Stau übrigens auch viel gelogen: Bei meinen Vorträgen behaupten viele, sie würden eigentlich nie im Stau stehen.
Wie sollten Leute behaupten, dass sie nie im Stau stehen?
Weil das unschick ist. Wenn sie im Stau stehen, bedeutet das – etwas zugespitzt –, dass sie dumm sind. Denn kluge Leute wissen ja, wie man den Stau vermeidet oder umfährt.
Nah auffahren – und abschließendes Abbremsen trägt zur Staubildung bei. Können moderne Abstandstempomaten diesem Stau-Phänomen entgegenwirken?
Das hängt immer davon ab, wie groß der Ausstattungsgrad ist. Wenn Sie jetzt als Einzelner mit einem Tempomaten fahren, dann ist das für Sie ganz schön: angenehmer, stressfreier. Dass das Gesamtverkehrsbild sich dadurch verändert, ist eher nicht anzunehmen. Denn die Stauwellen entstehen immer durch Einzelpersonen, die sich dann nicht optimal verhalten. Das heißt also, Sie werden immer Autofahrer im Verkehr haben, die sich dann entsprechend unruhig verhalten, unharmonisch – und dadurch zur Auslösung von Stauwellen führen. Sie müssten alle Fahrzeuge mit Abstandstempomaten ausstatten – dann funktioniert das. Sobald Sie ein paar menschliche Fahrer dazwischen haben, würden diese das Gesamtbild zerstören.
Welches „unharmonische“ Verhalten müssen Autofahrer unterlassen, um Staus zu vermeiden?
Es gibt drei Regeln: Erstens, auf Spurwechsel verzichten. Man meint ja immer: Die andere Spur ist schneller. Das ist ein psychologischer Effekt. Fahrzeuge, die mich überholt haben, fahren ja vor mir. Und die sehe ich also über einen längeren Zeitraum und das ärgert mich. Das heißt, die prägen sich stärker ein. Fahrzeuge, die ich überholt habe, fahren hinter mir. Das heißt, aus den Augen, aus dem Sinn. Also habe ich immer das Gefühl, von mehr Autos überholt zu werden, als ich selber überholt habe. Da gibt es psychologische Studien dazu. Der zweite Fehler ist, immer die Lücke zum Vordermann schließen zu wollen. Viele fahren immer möglichst nah auf – aus Angst, dass einer dazwischen wechselt. Wenn Sie die Lücke nicht schließen, müssen Sie nicht so stark bremsen, wie der Vordermann, wenn er bremst. Denn genau das sind die Mechanismen, die dann wiederum zu Stauwellen führen. Also wenn der Vordermann bremst und Sie noch stärker bremsen müssen und der Nachfolger noch stärker, haben Sie irgendwann Stillstand und dann entsteht eine Stauwelle. Das dritte ist, dass Sie, wenn Sie auf die Autobahn auffahren, sich harmonisch in den Verkehrsfluss einfügen und nicht einfach auf die Hauptfahrbahn wechseln und damit wiederum andere Fahrzeuge zwingen zu bremsen, um dann da auch wieder eine Stauwelle auszulösen.
Haben Sie eine Idee, wie man Autofahrern dieses gerade beschriebene „unkooperative“ Verhalten abgewöhnen könnte?
Das habe ich praktisch aufgegeben. Denn ich muss ehrlich sagen: Nach 30 Jahren Verkehrsforschung gibt es gewisse Dinge, die können Sie den Menschen nicht beibringen. Eine der größten Unarten, die ich kenne, ist, wenn Sie auf der Autobahn überholt werden und das Fahrzeug wechselt sofort direkt vor Ihnen auf Ihre Spur – das ist mir gerade erst wieder passiert. Sie müssen dann eigentlich sofort eine Vollbremsung hinlegen, weil der Sicherheitsabstand nicht mehr gewährt ist. Es ist so: Wenn ein Mensch ein Auto besteigt, ist er eine andere Person als im normalen privaten Leben. Das ist, wie wenn Sie im Kopf einen Schalter umlegen. Selbst wenn Sie im privaten Leben unauffällig und nett und umgänglich sind: Im Auto werden viele Menschen einfach zum Tier.
Die Menschen werden besonders egoistisch?
Ja. Viele Menschen sind dann nur noch darauf bedacht, ihren eigenen Vorteil herauszufahren. Nirgendwo fühlen sich Menschen so schnell übervorteilt wie im Verkehr. Es wird gestikuliert und geflucht. Dazu kommt: Sie können nirgends so schnell Gesetze übertreten, ohne dass das geahndet wird, wie im Verkehr. Ich habe mal ausgerechnet, dass jeder normale Autofahrer, der mit dem Auto zur Arbeit fährt, täglich eine theoretische Bußgeldhinterziehung in Höhe von Tausend Euro begeht. Also beispielsweise durch Geschwindigkeitsüberschreitungen, durch Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes, zu geringen Abstand beim Überholen von Fahrradfahrern oder durch das Überfahren von durchgezogenen Linien. Gefühlt die Hälfte aller Leute biegt ab, ohne den Blinker zu setzen.
Ist das Reißverschlussverfahren so ein Beispiel für das „sich übervorteilt fühlen“?
Auf jeden Fall: Das ist eines der Hauptszenarien. Da wird viel falsch gemacht: Die Leute ordnen sich viel zu früh auf die verbleibende Spur ein. Heißt: Der Stau wird länger, was nicht gut ist. Viele fühlen sich dann eben übervorteilt, weil jemand gerade eben noch hinter Ihnen war und plötzlich auf der verbleibenden Spur vor Ihnen fährt. Gefühlt ist dieser Autofahrer dann ein Gegner. Das ist etwas, das werden wir auch aus den Köpfen nicht rauskriegen.
Zur Person: Prof. Dr. Michael Schreckenberg
► Geboren 1956 in Düsseldorf, promovierte 1985 in Theoretischer Physik an der Universität Köln
► Seit 1997 Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für „Physik von Transport und Verkehr“ an der Universität Duisburg-Essen
► Entwickelte das Nagel-Schreckenberg-Modell mit, das erstmals den „Stau aus dem Nichts“ erklären konnte
► Forschungsgebiete: Verkehrsfluss, Psychologie der Autofahrer, autonomes Fahren und dessen Folgen
► Auch das Verhalten von Menschenmengen und die Analyse von Karnevalsumzügen gehört zu seinem Fachbereich
Regelmäßig kocht in Deutschland die Diskussion über ein generelles Tempolimit auf Autobahnen hoch. Könnte das im Hinblick auf Staus in irgendeiner Form hilfreich sein?
Das ist eines der größten Märchen, die kursieren. Tempolimit und Stau haben keinen echten Zusammenhang. Staus entstehen bei niedrigen Geschwindigkeiten, wenn die Dichte groß ist. Ob sie jetzt 130 oder 160 km/h fahren dürfen, hat mit der Stauentstehung dann nichts zu tun.
Würde ein Autobahn-Tempolimit Ihrer Meinung nach etwas für die Sicherheit bringen?
Ich sehe das sehr differenziert. Ich bin auf jeden Fall für ein Tempolimit – aber nur in gewissen Situationen. Ich bin nicht für ein generelles Tempolimit. Ganz im Gegenteil: Auf gut ausgebauten Autobahnen ist ein Tempolimit sogar risikoreich, weil ich dann bei Tempo 120 anfange, mich zu langweilen – das erlebe ich häufiger in den Niederlanden. Sie sind dann unterfordert. Und dann fangen Sie natürlich in Ihrem Fahrzeug an, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen – vielleicht auch mit dem Smartphone. Ich habe mal die tödlichen Unfälle im Raum Köln untersucht. Als ich die Polizeiakten angesehen habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass 40 bis 60 Prozent der tödlichen Unfälle von Alleinfahrenden auf Ablenkung zurückzuführen sind. Das heißt also, da fährt einer ungebremst auf einer freien Strecke in einen Lkw rein. Warum? Weil er sich gerade mit seinem Smartphone oder mit seinem Navi oder was auch immer beschäftigt und den Blick längere Zeit vom Verkehr abgewendet hat.
In Neuwagen ist seit 2024 der Intelligent Speed Assist (ISA) Pflicht, der bereits ab einem km/h Geschwindigkeitsübertretung akustisch warnt – meist mit einem Piepsen. Ist das eine sinnvolle Lösung, um Menschen dazu zu bringen, sich ans Tempolimit zu halten?
Mein Auto hat das auch – Sie können diesen Assistenten zwar abschalten, aber bei jeder Fahrt von neuem. Allerdings kann ich diesen Warner nicht ernst nehmen, weil er zu oft falsch piepst – zum Beispiel, weil das Tempolimit in Wirklichkeit schon aufgehoben ist oder nur für eine begrenzte Strecke oder Zeit gilt. Die Falschmeldungen sind mir einfach zu häufig. Ich mache mir aber gar nicht die Mühe, das auszuschalten. Ich höre einfach weg. Schauen Sie: Als ich in Köln studiert habe, habe ich in einem Pfarrhaus gewohnt – nebendran war eine Kirche. Die Glocken haben häufig geläutet. Irgendwann haben Sie Ihr Gehirn so weit, dass es das gar nicht mehr wahrnimmt. Das Gehirn kann solche Töne einfach auf nicht existent schalten – und so ist es bei dem Tempo-Piepser auch. Sie können ihr Gehirn so einstellen, dass dieser Ton sie nicht mehr irgendwie berührt.
Was würden Sie sagen, war in all Ihren Jahren Staufforschung, die für Sie die überraschendste Erkenntnis?
Die überraschendste Erkenntnis ist eigentlich, dass die Stauentstehung etwas ist, das nicht auf Verkehr beschränkt ist. Stau gibt es überall in vergleichbarer Form. Ihr ganzes Leben ist eigentlich von Staus bestimmt. Ob sie im Internet surfen und sich ihre Datenpakete stauen, ob sich Tiere an der Wasserstelle stauen – oder die Blutkörperchen in ihren Adern. Das ist ein ganz normales Phänomen. Und das Interessante ist die Erkenntnis, dass es immer Staus geben wird. Jeder, der behauptet, dass man alle Staus beseitigen kann, der lügt eigentlich. Staus sind etwas Natürliches, man muss einfach lernen, damit zu leben und umzugehen. Man könnte vielleicht 10 bis 20 Prozent aller Staus auf den Straßen durch Optimierung menschlichen Verhaltens verhindern. Aber damit hätte man nicht alle Staus beseitigt. Man könnte es etwas verbessern – aber wenn die Kapazität einer Transporteinrichtung erreicht ist, dann gibt es Stau. Das ist einfach so und man muss sich mit dem Umstand abfinden und eben an anderen Parametern drehen. Einfach zu sagen, ich will jetzt alle Staus beseitigen, das ist kein durchführbares Unterfangen.
Wird es in Zukunft bei uns mehr oder weniger Staus geben?
Also bei den Staus sind jetzt wieder auf Vor-Corona-Niveau, obwohl wir natürlich einen größeren Anteil an Homeoffice haben. Der Verkehr verteilt sich dann entsprechend über den Tag auch besser. Und ich nehme an, dass der Individualverkehr – das Auto ist ja eigentlich genau das Symbol der individuellen Freiheit –, dass das erhalten bleibt. Wir werden auch nicht alle auf einmal nur noch Rad fahren. Es wird Bereiche geben, da werden Innenstädte für Verkehr zurückgebaut. Aber das Auto wird weiterhin das Haupttransportmittel bleiben und damit werden wir auch weiter Staus haben.
Was ist das Hauptproblem beim Verkehr der Zukunft?
Unsere Infrastruktur gibt einfach nicht mehr her. Sie ist so marode, dass wir für die nächsten 10, 15 Jahre mit massiven Eingriffen rechnen müssen und darum mit massiv mehr Stau. Schauen Sie sich einmal alleine die Liste der Brücken an, die neu gebaut werden müssen. Da ist meist auch kein Fertigstellungsdatum angegeben – da können Sie ungefähr erahnen, was in Zukunft auf uns zukommt. Hier kommt tatsächlich noch ein weiteres aktuelles Problem hinzu: Teils können Sie keine Militärtransporte mehr über gewisse Strecken schicken, weil viele Brücken auf dem Weg für Schwerlast überhaupt nicht mehr befahrbar sind. Also wenn Sie einen Panzer von 70 Tonnen irgendwo hinbringen wollen – dann müssen Sie schon genau hingucken, wo Sie den überhaupt noch entlang transportieren können.