- VonJulia Stantonschließen
Fußballprofis haben nicht immer finanziell ausgesorgt. Das beweist der Fall eines bekannten deutschen Torhüters: Er bezieht Bürgergeld – und sagt warum.
Stadtallendorf —Eike Immel lebte einst den Traum vieler Fußballspieler, bis er seinen gesamten Besitz und seine Familie verliert. In den 80er Jahren war er der Top-Torwart in Deutschland, stand als Teil der Nationalmannschaft im EM-Halbfinale und spielte jahrelang für Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart. Das alles ändert sich 2008, als er gezwungen ist, Privatinsolvenz anzumelden.
Seine Frau reicht etwa zur gleichen Zeit die Scheidung ein. Außerdem muss er das Sorgerecht für seine Kinder abgeben. Der heute 63-Jährige lebt derzeit von Bürgergeld. In der Sat.1-Sendung „Über Geld spricht man doch“, redet Immel erstmals über sein Schicksal.
„Ich habe gelebt wie Gott in Frankreich“: Schlechter Umgang mit Geld wird EX-Fußballprofi zum Verhängnis
Immel war während seiner Zeit bei Borussia Dortmund einer der bestbezahlten Spieler in Deutschland: Rund 400.000 D-Mark Netto verdiente er dort als Spieler. Geld war für ihn lange kein Thema. „Ich habe gelebt wie Gott in Frankreich“, sagt er heute über die damalige Zeit als Fußballprofi. Während und auch nach der Karriere gab er viel Geld aus.
Allein für seine Handyrechnungen habe er bis zu 10.000 Euro bezahlt. An Weihnachten habe er einmal 27.000 Euro für Klamotten für eine neue Freundin ausgegeben. Sein Eigenheim hat 1,2 Millionen gekostet. Doch irgendwann stand der Gerichtsvollzieher vor seiner Tür: Das Finanzamt verlangte eine Zahlung von 900.000 Euro, die er nicht bezahlen konnte. „Ich habe schon auch Dinge gemacht, wo jeder normale Mensch sagt, das kann doch nicht wahr sein“, weiß der 63-Jährige mittlerweile.
Ehemaliger Fußballprofi Eike Immel muss mit 1138 Euro Bürgergeld monatlich auskommen
Der unüberlegte Umgang mit Geld wird dem Ex-Fußballprofi zum Verhängnis: Er habe zu wenig an später gedacht, erklärt der Ex-Profifußballer: „Es ist nicht meine Stärke, mit Geld umzugehen.“ Auch heute habe er damit noch Probleme. Doch Immel hat keine andere Wahl, als gut über seine Ausgaben nachzudenken: Denn der ehemalige Top-Keeper lebt von bescheidenen 1138 Euro Bürgergeld im Monat. Davon muss er 575 Euro für die Miete einer kleinen Wohnung in seiner Heimatstadt Stadtallendrof in Hessen bezahlen.
Für übrige Kosten bleiben ihm 563 Euro. Der Betrag reicht nur knapp, erklärt Immel: „Es ist ein Kampf und Krampf, über den Monat zu kommen.“ Am Ende des Monats bleiben dem ehemaligen Millionär nur 2,36 Euro.
Immel ist nicht der einzige Bürgergeldempfänger, dem die Sozialleistung kaum ausreicht: Ein arbeitsloser Mann machte vor Kurzem Schlagzeilen, weil er sein gesamtes Geld innerhalb zwei Tagen ausgab. Dagegen legte der „Hartz und herzlich“-Star Jean vor Kurzem seinen Verdienst inklusive Bürgergeld offen: Und sagte selbst, dass es für seine Verhältnisse zu viel Geld sei.
Reinigungskräfte und regelmäßige Restaurantbesuche: Eike Immel lebt besser als die meisten Bürgergeldempfänger
Trotz seiner finanziellen Probleme geht es Immel besser als anderen Bürgergeldempfängern: Denn in vielen Bereichen wird er von seinen Freunden unterstützt. So wird seine Wohnung regelmäßig durch Reinigungskräfte geputzt. Diese sind die Angestellten eines guten Freundes, der mehrere Firmen besitzt. Auch die Möbel in seiner Wohnung hat er sich nicht selbst gekauft, sondern waren Geschenke.
Restaurantbesuche wären für die meisten Bürgergeldempfänger ebenfalls außer Reichweite. Nicht so für Immel. Für ihn gehören sie zum Alltag: Er isst fast täglich in einem nahegelegenen Lokal. Da er Freund des Hauses ist, muss er dafür nichts bezahlen. Zwar ist der 63-Jährige dankbar für die Hilfe, wünschte sich aber dennoch, dass es anders wäre.
Die FDP plant derweil, das Bürgergeld zu kürzen. Mit diesem Vorhaben sorgt die Partei bei Sozialverbänden für Kritik. (jus)
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