Insolvenz bei Saftproduzent: Erste Auswirkungen für Supermarkt-Kunden
VonVivian Werg
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Ein deutscher Saftproduzent steht vor dem Aus. Supermarkt-Kunden müssen sich künftig auf Lieferengpässe einstellen.
München – Ob zum Frühstück oder als Erfrischung zwischendurch – Fruchtsäfte sind aus dem Alltag vieler Verbraucher kaum wegzudenken. Deutschland gehört dabei seit Jahren zu den Ländern mit besonders hohem Fruchtsaftkonsum, so der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF). Doch die Vielfalt im Saftregal könnte nun ins Wanken geraten: Ein Saft-Produzent steht vor dem wirtschaftlichen Aus – und erste Auswirkungen sind bereits im Handel zu spüren.
Insolvenz angemeldet: Hohenloher Fruchtsäfte vor ungewisser Zukunft
Die Hohenloher Fruchtsäfte GmbH mit Sitz in Schwäbisch Hall hat im Mai 2025 ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Das berichtet unter anderem der SWR. Das Unternehmen, das rund 20 Mitarbeitende beschäftigt, sehe sich massiven Kostensteigerungen ausgesetzt. Besonders die Apfelernte im vergangenen Jahr sei laut Inhaberin Teresa Heller „unfassbar teuer“ gewesen.
Nach eigenen Angaben bleibe der Betrieb zwar vorerst stabil, da die Säfte saisonal gut laufen, doch ohne neuen Investor drohe langfristig das Aus. Wie die Plattform pleiteticker.info berichtet, gebe es zwar Gespräche mit potenziellen Interessenten, aber bisher sei noch „kein tragfähiges Angebot“ zustande gekommen. Die Gehälter der Beschäftigten sind über die Agentur für Arbeit bis Ende Juli 2025 gesichert.
Bei Rewe: Folgende Produkte aus dem Hohenloher-Sortiment fehlen bereits vereinzelt
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bleiben nicht ohne Folgen für den Einzelhandel. Kunden von Rewe und anderen Supermärkten könnten die ersten Auswirkungen bereits spüren. Erste Produkte aus dem Hohenloher-Sortiment, darunter Apfel- und Orangensaft, sind demnach vereinzelt bei Rewe nicht mehr verfügbar, so Ruhr24.de. Das Unternehmen rechnet demnach mit weiteren Lieferengpässen im Regal.
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Die Situation ist kein Einzelfall. Die gesamte Fruchtsaftbranche steht unter zunehmendem Druck: Ernteausfälle, steigende Rohstoffpreise und hohe Energiekosten setzen insbesondere mittelständischen Herstellern zu. Der VdF weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren immer mehr kleinere Betriebe aufgegeben haben.
Gleichzeitig sind die Verbraucherpreise spürbar gestiegen. Zwischen 2020 und 2023 verteuerten sich Orangensaft und ähnliche Getränke laut Statistischem Bundesamt um mehr als 30 Prozent. Eine Entwicklung, die sich nach Einschätzung von Experten in absehbarer Zeit kaum umkehren wird.
Die Vielfalt im Saftregal könnte langfristig kleiner werden – und teurer. Für viele Verbraucher bedeutet das: Sie müssen sich nicht nur auf ein eingeschränktes Angebot einstellen, sondern auch auf steigende Preise. Vor wenigen Wochen musste ein Hersteller einen Saft-Rückruf herausgeben. Grund für die Maßnahme waren möglicherweise enthaltene Glasscherben. (vw)