Besser langsam entwöhnen

Besser keinen kalten Kaffee-Entzug machen: Körper kann sogar mit Hörproblemen reagieren

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Sie zählen zu den Kaffee-Junkies? Damit sind Sie nicht allein. Viele brauchen Kaffee regelrecht. Wer seinen Konsum reduzieren will, sollte dies nicht schlagartig machen.

Der Gang zur Kaffeemaschine ist für einige Menschen der erste des Tages. Denn wenn der Wecker klingelt, sind nicht wenige versucht, ihn gegen die Wand zu schleudern. Erste Hilfe gegen die morgendliche Übellaunigkeit verspricht dann der erste Kaffee des Tages. Nachgewiesenermaßen putscht uns das enthaltene Koffein auf, die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit steigt. Forscher fanden auch heraus, dass die stimmungsaufhellende Wirkung von Kaffee so weit geht, dass sie einer ernsthaften psychischen Erkrankung vorbeugen kann. So soll Koffein die Entwicklung einer Depression verhindern können.

Kaffee langsam ausschleichen: Schneller Entzug birgt Gefahr

Doch Kaffeekonsum kann auch negative Effekte entfalten. Je nachdem, wie der Körper die enthaltenen Substanzen verstoffwechselt, können manche Menschen empfindlich reagieren. Herzrasen, Schlafstörungen und Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Nervosität und Magen-Darm-Probleme können infolge auftreten. Sogar Halluzinationen seien durch extremen Kaffeekonsum möglich, wollen britische Forscher der Durham-Universität herausgefunden haben.

Sie möchten ab sofort weniger Kaffee trinken oder müssen gar auf ärztlichen Rat in Zukunft ganz auf den Wachmacher verzichten? Dann sollten sie ihren Konsum langsam reduzieren. Denn ein abrupter Entzug kann den Körper immens belasten.

Es gibt viele Gründe dafür, keinen kalten Kaffee-Entzug zu machen.

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Kopfschmerzen bis Erkältungssymptom: Entzugserscheinungen bei Kaffeeverzicht

Wie das Universitätsklinikum des Saarlands (UKS) informiert, gibt es sowohl Fachleute, die Kaffee als Droge ansehen als auch solche, die keine Suchtgefahr bescheinigen. Fakt ist allerdings, dass der plötzliche Verzicht auf Kaffee zu Entzugserscheinungen führen kann. Zu diesen zählen dem UKS zufolge:

  • Kopfschmerzen
  • Erschöpfung, Schläfrigkeit und Energieverlust
  • Lethargie

Kaffee: Welche 8 gesundheitlichen Vorteile als wissenschaftlich erwiesen gelten

Frau trinkt Kaffee und lächelt in die Kamera.
Kaffee macht wach und wirkt auf manche sogar euphorisierend. Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass der Trank aus der Kaffeebohne sogar Depressionen vorbeugen kann. Zwei bis drei Tassen täglich verringerten bei Frauen das Erkrankungsrisiko um 15 Prozent. Tranken sie mehr als drei Tassen, war das Risiko sogar um 20 Prozent geringer, heißt es vonseiten der Apotheken Umschau.  © Joseffson/Imago
Frau trägt Kaffeetasse.
Kaffee wird mit einem niedrigeren Diabetes-Risiko in Verbindung gebracht. Professor Chahan Yeretzian, Leiter des Coffee Excellence Centers an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften erklärt im Interview mit der Apotheken Umschau, dass die gesundheitsfördernde Wirkung vor allem auf die in Kaffee enthaltenen Substanzen Koffein und Antioxidantien zurückzuführen ist. Letztere schützen vor freien Radikalen, die unsere Zellen angreifen und so sogar das Krebsrisiko erhöhen. Doch warum schützt Kaffee vor Diabetes? Woran genau das liegt, ist noch nicht völlig geklärt, informiert die Apotheken Umschau. Kaffee verbessere offenbar die Empfindlichkeit für das Hormon Insulin, infolge könne der Körper Zucker besser verarbeiten. Bestimmte Stoffe, die der Körper nach dem Genuss ausschüttet, wirken zudem gefäßschützend und entzündungshemmend, heißt es weiter.  © Imago
Mann sitzt am Arbeitsplatz, eine Kaffeetasse steht auf dem Tisch.
Kaffee hemmt sogar die Aktivität von Coronaviren – allerdings bislang nur im Laborversuch. Trotzdem sollen die potenziell antiviral wirksamen Effekte von Kaffee in dieser Aufzählung einen Platz finden. Professor Nikolai Kuhnert von der Jacobs University und sein Team hatten im Labor untersucht, wie Inhaltsstoffe von Kaffee und Coronaviren miteinander interagieren. Sie fanden dabei heraus, dass eine chemische Verbindung in der Kaffeebohne die Fähigkeit des Spike-Proteins von Coronaviren hemmt, an die sogenannten ACE-2-Rezeptoren in menschlichen Zellen anzudocken. Die Schlussfolgerung der Forschenden: Kaffee könnte Corona-Infektionen verhindern. Um diese These zu beweisen, fehlt allerdings noch ein klinischer Versuch am Menschen.  © Jose Luis Carrascosa/Imago
Tasse Kaffee und Gebäck
Kaffee wirkt sich positiv auf Herz und Kreislauf aus: so das Ergebnis einer Studie von ungarischen Forschern. Ein Team der Semmelweis-Universität in Budapest um Dr. Judit Simon vom Herz- und Gefäßzentrum der Universität untersuchte, ab wie vielen Tassen Kaffee pro Tag eine lebensverlängernde Wirkung einsetzt. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass bis zu drei Tassen Kaffee täglich mit einem geringeren Risiko für Schlaganfälle und tödliche Herzkrankheiten verbunden sind.  © Annie Hall/Imago
Frau trinkt Kaffee
Kaffee ohne Zucker habe sich in einer großen Metaanalyse als effizienter Schutzfaktor für die Leber erwiesen, wird Professor Dr. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III der RWTH Aachen, von der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) zitiert. Eine Menge von drei bis fünf Tassen Kaffee täglich gilt als besonders empfehlenswert, so die PZ. Sie vertragen Koffein nicht sonderlich gut? Dann greifen Sie zur koffeinfreien Alternative: Auch diese Art von Kaffee entfaltet leberschützende Wirkung.  © Julia Bradley/Imago
Zwei Frauen frühstücken.
Ein Espresso zum Frühstück? Ja, gerne – wenn es nach der leberschützenden Wirkung von Kaffee geht. Eine groß angelegte italienische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Substanzen im Kaffee vor Leberkrebs schützen können. Ein Team um Carlo LaVecchia vom pharmakologischen Forschungsinstitut „Mario Negri“ in Mailand hatte untersucht, wie sich Kaffeetrinken auf das Leberkrebs-Risiko auswirkt. Wie das Ärzteblatt berichtete, kam es in der Gruppe der Kaffeetrinker ganze 40 Prozent seltener zu Leberkrebs. Der Erklärungsansatz der Forschenden: Eine Reihe von bioaktiven Substanzen in Kaffee wirkt sich in Summe protektiv auf die Leber aus.  © William Perugini/Imago
Zwei Tassen Kaffee von oben, Milchschaum ist verziert
Das Demenzrisiko soll durch regelmäßigen Kaffeegenuss sinken. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Yuan Zhang von der School of Public Health an der Tianjin Medical University in Tianjin, China. „Wir fanden heraus, dass Kaffee- und Teekonsum einzeln oder in Kombination mit einem geringeren Schlaganfall- und Demenzrisiko verbunden sind“, so eine Erkenntnis der chinesisch-US-amerikanischen Forschergruppe. Das Demenzrisiko war bei Menschen, die zwei- bis dreimal täglich Kaffee tranken, sogar um bis zu 28 Prozent geringer als bei Studienteilnehmern, die keinen Kaffee tranken. © Manfred Segerer/Imago
Frauen prosten sich mit Kaffeetassen zu.
Bei Kopfschmerzen kann ein Espresso wahre Wunder wirken. Denn das enthaltene Koffein hat schmerzstillende Wirkung. Daher wird Koffein in Kombipräparaten gegen Kopfschmerzen genutzt. Darin enthalten, steigert Koffein den schmerzlindernden Effekt von ASS und Paracetamol um bis zu 70 Prozent, informiert die Apotheken Umschau.  © Jake Jakab/Imago
  • Konzentrationsstörungen
  • Depression
  • Muskelschmerzen
  • An eine Erkältung erinnernde Symptome wie die verstopfte Nase

Auch Hörprobleme kann der zu schnelle Kaffee-Entzug zur Folge haben. Als Ursache hierfür werden körperlicher Stress und Blutdruckschwankungen diskutiert. Auch Tinnitus-Patienten könnten Schaden nehmen. So zitiert der Deutsche Bundesverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte britische Forschende, denen zufolge akute Entzugserscheinungen die Tinnitus-Geplagten sogar noch stärker belasten würden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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