Menschen sind Links- und Rechtshänder, aber diese Angewohnheit macht auch vor dem Tierreich nicht halt. Auch Katzen haben eine Lieblingspfote.
Lieber mit der rechten oder mit der linken? Die meisten Menschen haben eine dominante Hand und sind somit entweder Links- oder Rechtshänder. Und das gleiche gilt für Katzen. Auch die Stubentiger bevorzugen in den meisten Fällen eine Pfote und besonders Kater sind oft Linkshänder – oder eben „Linkspfoter“.
Mehr Linkshändigkeit als bei Menschen: Etwa die Hälfte der Katzen bevorzugen die linke Pfote
Laut einer Studie von 2020 sind etwa zehn Prozent aller Menschen Linkshänder. Dass die Mehrheit der Menschen die rechte Hand bevorzugt, ist kein Geheimnis, doch genaue Zahlen fand erst vor wenigen Jahren ein internationales Forscherteam heraus. Laut der Ruhr Universität Bochum werteten Forscher aus Bochum gemeinsam mit Kollegen der Universitäten St. Andrews, Athen, Oxford und Bristol in der weltweiten größten Studie zu diesem Thema die Händigkeit von insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen aus. Die Ergebnisse wurden im April 2020 im Psychological Bulletin veröffentlicht, und besagten, dass die Linkshänder-Quote bei Menschen 10,6 Prozent beträgt.
Bei Katzen sieht das anders aus. Im Jahr 2017 führten Forscher an der Queen‘s Universität in Belfast eine Studie durch, die auf Sciencedirect.com und im Fachmagazin Animal Behaviour veröffentlicht wurde, und entdeckten dabei, dass Katzen sogar zu etwa 30 Prozent Linkshänder sind. Von den 24 Katern und 22 Katzen waren bis zu 73 Prozent „händig“, bevorzugten also eine bestimmte Pfote für Tätigkeiten wie nach Futter angeln oder Treppen steigen. Die übrigen Katzen zeigten keine Präferenzen.
Studie: Katzen und Kater bevorzugen linke oder rechte Pfote – Geschlecht macht Unterschied
Bei den drei Vierteln von Katzen, die entweder „Linkspfoter“ oder „Rechtspfoter“ waren, verteilte sich die Vorliebe für eine Pfote ungefähr gleich. Dabei fiel außerdem auf: Weibliche Katzen bevorzugen vor allem die rechte Pfote, während männliche Tiere die linke Pfote eher einsetzen.
Dieser Geschlechterunterschied könnte laut den Forschern hormonellen Ursprungs sein. Insbesondere wird der Testosteronspiegel im Mutterleib als mögliche Erklärung für die asymmetrische Gehirnentwicklung vermutet. Ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, ist noch unklar, doch weitere Studien sollen Aufschluss darüber geben.
Selbst beobachten: Ist meine Katze rechts- oder linkspfotig?
Wer jetzt neugierig ist, wie die Pfotenpräferenz der eigenen Katze aussieht, der muss nur eine Weile gut hinschauen. Laut Nationalgeographic.de und Deborah Wells, Psychologin und Hauptautorin der Studie aus Belfast, sollte man seine Katzen einfach eine Weile beobachten, wenn sie aktiv sind und darauf achten, welche Pfote sie vermehrt nutzen.
Mit welcher Pfote steigt die Katze zuerst die Treppe hoch oder ins Katzenklo hinein? Mit welcher Pfote „klopft“ sie an die Tür oder greift nach dem Spielzeug? Nach einigen Tagen oder Wochen sollten diese Beobachtungen ein recht genaues Bild darüber geben, welche Pfote die Katze oder der Kater bevorzugt. Aber nicht vergessen: Es muss nicht unbedingt eine Pfotenpräferenz vorliegen. Das Haustier kann genauso gut auch „beidpfotig“ sein.
Katzen links- oder rechtspfotig: Welche Auswirkung das auf Charakter und Gesundheit hat
Die Pfotenpräferenz bei Katzen kann übrigens auch Aufschluss über ihre Persönlichkeit und Gesundheit geben. Laut dem Portal Petbook.de das sich auf eine Studie von 2016 aus dem Journal of Comparative Psychology bezieht, haben Forscher herausgefunden, dass eine klare Bevorzugung der linken oder rechten Pfote nicht nur einen Einfluss auf das Verhalten der Tiere hat, sondern auch auf ihre Stressanfälligkeit. Ebenso wie bei Menschen, bei denen entweder die linke oder die rechte Gehirnhälfte stärker ausgeprägt ist, beeinflusst auch bei Katzen die stärkere Seite das Wesen des Tieres.
An der Katzenpfote kann man übrigens auch andere Charaktereigenschaften ablesen.
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Für die Studie wurden 30 linkspfotige Katzen, 30 rechtspfotige Katzen und 30 Katzen ohne Pfotenpräferenz beobachtet. Dabei kam heraus: Katzen, die eine eindeutige Pfotenpräferenz zeigen, haben eine stärkere Charakterentwicklung. Insbesondere rechtspfotige Katzen zeigen oft eine verspieltere und erkundungsfreudigere Natur, während linkspfotige Tiere eher ängstlich und vorsichtig reagieren. Eine dritte Gruppe von Katzen, die keine klare Vorliebe hatte, zeigte sich hingegen als besonders ängstlich und weniger sozial, was darauf hindeuten könnte, dass die Pfotenpräferenz mit der psychischen Stabilität des Tieres verbunden ist.
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