Katze Schritt für Schritt an Freigang gewöhnen – wie Ihnen das gelingt
VonKirsten Lemke
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Beim Freigang können Katzen ihre Instinkte ausleben. Doch die Welt da draußen ist gefährlich. Deshalb sollte man seine Katze gut darauf vorbereiten.
Katzen lieben es, draußen zu sein. Die Welt außerhalb der eigenen vier Wände spricht all ihre Sinne an. Sie können umherstreifen, toben, klettern, jagen oder einfach in der Sonne liegen. Katzen, die nach draußen dürfen, sind in der Regel ausgeglichener, entspannter und fitter als reine Wohnungskatzen.
Wer seine Katze zum Freigänger machen möchte, sollte dabei jedoch einige Punkte berücksichtigen. Ansonsten kann die Entdeckungstour auch schnell im Drama enden. Gefahren lauern an allen Ecken: Autos, Giftköder, andere Katzen, Hunde oder Wildtiere können das Tier verletzen. Es kann sich Krankheiten oder Parasiten einfangen und nicht selten verschwinden Katzen auf nimmer Wiedersehen, weil sie einfach eingefangen und mitgenommen wurden.
Freigang oder Wohnungshaltung: Katzen können mit beidem glücklich sein
Alle Risiken kann man nicht ausschließen, wenn die Katze allein draußen unterwegs ist. Wohnt man an einer viel befahrenen Straße, sollte man lieber vom Freigang absehen und seine Katze schützen, indem man ihr stattdessen einen gesicherten Balkon oder Garten zur Verfügung stellt. Ob Freigang oder Wohnungshaltung für die Katze besser ist, hängt nämlich immer vom Einzelfall ab. Auch Wohnungskatzen können ein glückliches Leben führen, wenn sie genug Aufmerksamkeit und Beschäftigung bekommen.
In ruhigen Wohngegenden oder auf dem Land spricht erst einmal nichts dagegen, die Katze nach draußen zu lassen. Allerdings sollte man das nicht überstürzt angehen. Das gilt übrigens auch nach einem Umzug. Die Katze muss sich erst an ihren neuen Wohnort gewöhnt haben, bevor sie alleine nach draußen darf. Sonst besteht die Gefahr, dass sie nicht wieder zurückkommt.
Die Katze nach draußen lassen: kleine Ausflüge langsam steigern
Katzenpsychologin Katja Henopp rät auf ihrem Blog leben-mit-katze.de, die Samtpfote Schritt für Schritt an den Freigang zu gewöhnen und nicht einfach die Tür zu öffnen und den Liebling sich selbst zu überlassen.
Das Ratgeber-Magazin Zoo Royal empfiehlt, den ersten Ausflug nach draußen im heimischen Garten zu veranstalten und der Katze genügend Versteckmöglichkeiten in Form von Gartenstühlen oder Blumenkübeln anzubieten. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Katze bis zur nächsten Hecke flitzt, die dann schon recht weit entfernt sein könne. Außerdem sollte es noch einige Stunden hell sein. Katja Henopp macht auf Gefahren wie offene Gartenteiche oder Pools aufmerksam, die unbedingt abgesichert sein sollten. Zudem sei es wichtig, die Tür zur Wohnung oder zum Haus offenzulassen, damit die Katze sich schnell ins Sichere retten kann, sollte sie sich erschrecken.
Die besten Voraussetzungen: Hunger und schlechtes Wetter
Es ist auch möglich, die Katze mit Geschirr und Leine an den Freigang zu gewöhnen. Das muss man allerdings vorab gut trainieren. Ist die Katze hungrig und das Wetter eher ungemütlich, habe sie schon zwei Gründe, frühzeitig wieder nach Hause zu kommen. Katja Henopp empfiehlt sogar den Herbst oder Winter, um die Katze die ersten Male nach draußen zu lassen. Im Frühjahr würden Katzen nämlich dazu neigen, ihr Revier zu vergrößern. Übrigens bleiben junge Katzen meist länger von zu Hause weg.
Gerade bei den ersten Ausflügen in die nähere Umgebung sollte man seine Katze nicht allein lassen, sondern sie begleiten. Dabei geht es nicht darum, sie zu kontrollieren, sondern einfach ein Auge auf sie zu haben und ihr eventuell zwischendurch ein Leckerli anzubieten. Norwegische Forscher haben herausgefunden, was Katzen auf ihren Streifzügen so alles unternehmen.
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Auf jeden Fall sollte man der Katze ausreichend Zeit für die erste Entdeckungstour geben. Sie sollte von sich aus wieder zurück ins Haus oder in die Wohnung wollen. Wer seiner Samtpfote dann ein leckeres Katzenfutter, das Lieblingsspielzeug oder eine Extra-Kuscheleinheit anbietet, macht das Nach-Hause-Kommen für sie doppelt schön. Katja Henopp gibt den Tipp, ein Rufsignal einzuführen, auf das die Katze hört. Das könne ein Wort oder Satz sein oder auch das Rascheln einer Leckerlitüte, schreibt sie. Ruft man die Katze immer zur gleichen Zeit nach Hause, wird das schnell zur Routine. Für den ersten Ausflug nach draußen sollte man circa eine Stunde einplanen, rät Henopp.
Hat der erste Ausflug gut geklappt, gilt es, darauf aufzubauen. Viele Katzen genießen es, mit ihrem Menschen gemeinsam draußen zu sein. Deshalb empfiehlt die Katzenpsychologin in der nächsten Zeit gemeinsame Spaziergänge. Das gibt Sicherheit – der Katze und dem Menschen. Wenn die Katze sich draußen sicher fühlt, kann man sie zunächst hin und wieder und schließlich immer häufiger und länger unbeaufsichtigt draußen herumlaufen lassen. Hat die Katze eine starke Bindung zu ihrem Menschen, feste Routinen und viel Beschäftigung auch im Haus, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie zuverlässig wieder zurückkommt, schreibt Katja Henopp.
Checkliste für sicheren Freigang
Die Katze muss kastriert sein.
Impfungen, Wurmkur und Parasitenschutz müssen aktuell und wirksam sein.
Lassen Sie Ihre Katze chippen, um sie im Zweifel wiederfinden zu können.
Eine Katzenklappe sorgt dafür, dass die Katze jederzeit wieder ins Haus kann.