In den Schatten gestellt

Orchester spielt auf großer Bühne – doch dann haben alle nur noch Augen für eine Katze

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Fühlen sich Katzen von klassischer Musik angezogen? Eher nein, sagen Forscher. Und trotzdem hat es eine Samtpfote in der Türkei auf eine große Orchester-Bühne verschlagen.

Die Musiker des Kammerorchesters „Festival Strings Lucerne“ aus der Schweiz sorgten kürzlich in Istanbul für ein unvergessliches Erlebnis. Zum einen, weil sie zauberhaft auf der Bühne spielten und zum anderen, weil sie überraschend von einer Katze in den Schatten gestellt wurden. Die Musiker nahmen es professionell und das Publikum feierte den tierischen Gastauftritt – genau wie die Instagram-Community.

Katze stiehlt Orchester die Show

Im Rahmen des 52. Istanbuler Musikfestival hatte das Orchester mit einer beeindruckenden Darbietung von Beethovens Pastoralsymphonie das Publikum in den Bann gezogen, als plötzlich der unerwartete Gast auf leisen Pfoten die Bühne betrat. Die charmante Samtpfote zog sofort alle Blicke auf sich und stahl nicht nur die Herzen des Publikums, sondern auch die der Musiker. Die anwesende Reisebegleiterin Bengi Isil schilderte gegenüber The Dodo: „Wir haben gelacht und sogar einen großen Applaus für die Katze gegeben.“ Der spontane Auftritt wurde von Isil auf ihrem Instagram-Account @bengiisilgokturk geteilt. Eine fast bühnenreife Stimme hat die Maine Coone-Katze Kobe.

Die Herkunft der Katze bleibt ein Rätsel. Laut Isil leben einige Tiere auf dem Gelände der Konzerthalle. „Wir lieben Katzen hier in der Türkei“, erklärt sie. Es scheint, dass die Liebe zu Katzen in der Türkei tief verwurzelt ist und sich in solch besonderen Momenten zeigt. Auch die Mitglieder des Orchesters, die an diesem Abend auftraten, konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich glaube, die Musiker waren glücklich, eine solche Szene mitzuerleben“, so Isil. Für eine besondere Show-Einlage bei einem Reitturnier sorgte diese Katze.

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Katzen und Musik – welche Vorlieben haben sie?

Doch mögen Katzen klassische Musik? Die Antwort ist nicht eindeutig, denn Katzen haben ein viel empfindlicheres Gehör als Menschen und empfinden Musik daher ganz anders. Laut einer Studie scheinen sie Klänge, die speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind, zu bevorzugen. Spezielle „Katzenmusik“ wurde von David Teie, Professor an der Universität Maryland und Cellist im National Symphony Orchestra in Washington, entwickelt. Seine Kompositionen basieren auf Studien von Charles Snowdon, Professor für Psychologie an der Universität Wisconsin-Madison, die zeigen, dass Katzen auf bestimmte Frequenzen und Geschwindigkeiten positiver reagieren. Amüsant reagiert eine Katze auf den Gesang ihrer Besitzerin zu einem Taylor Swift-Song.

„Wir haben 47 Katzen jeweils drei Minuten von unseren artgerechten Kompositionen – und drei Minuten ruhige klassische Musik vorgespielt. Die Katzen reagierten schneller und mit weit höherem Interesse auf die eigens für sie entworfene Musik: etwa indem sie sich den Lautsprechern näherten oder sich an ihnen rieben“, erklärte Snowdon gegenüber dem Magazin Geo. Katzen sind also wählerisch, was ihren Musikgeschmack betrifft und bevorzugen „artgerechte“ Kompositionen, die speziell für sie geschaffen wurden. Die zusammengestellte Musik orientiert sich an den Frequenzen, die zum Beispiel beim Schnurren oder Säugen entstehen. Wie für Katzen geschaffen, scheint auch dieses Massagetool zu sein, dass ein Vierbeiner in vollen Zügen genießt.

„Ein Meisterwerk“ – Instagram-User begeistert

Cat-tastisch: 13 verrückte Superkräfte, die nur Katzen besitzen

Eine rote Katze sitzt unter einer Bank, während es regnet.
Mehr als nur ein Mythos: Katzen können das Wetter vorhersagen. Und nicht nur das: Mit empfindlichen Tastsensoren sind sie in der Lage, selbst schwache Vibrationen und Erschütterungen wahrzunehmen und können damit sogar Gewitter oder Erdbeben vorhersehen. Sensible Wärmerezeptoren und weitere Biomechanismen, die noch wissenschaftlich erforscht werden, verleihen den Samtpfoten außerdem die Gabe, Wetterveränderungen vorherzusagen, so Geo. An ihrem Verhalten können Menschen das bevorstehende Wetter ablesen: Steht gutes Wetter bevor, putzen sich Katzen beispielsweise vermehrt. Suchen sie bevorzugt das Haus auf, ist mit einer Regenperiode zu rechnen. Schläft die Katze tief und fest oder zeigt beim Schlafen ihren Bauch, könnte es warm werden. Steht ein Gewitter bevor, spüren Katzen die elektrische Ladung und lecken sich häufiger. © YAY Images/Imago
Eine Katze hat ihren Mund leicht geöffnet und lässt die Zunge heraushängen.
Katzen schmecken mithilfe eines zusätzlichen Organs Gerüche. Haben Sie sich schon mal gefragt, weshalb Ihrer Katze manchmal grundlos der Mund offensteht? Das sogenannte Flehmen, bei dem Katzen ihren Mund öffnen, hilft ihnen, interessante Gerüche zu analysieren, indem sie Geruchs- und Geschmackssinn kombinieren. Dies geschieht durch das Jacobson-Organ, das sich hinter den oberen Schneidezähnen befindet. © YAY Images/Imago
Eine rote Katze miaut.
Katzen miauen für Menschen. Kommunizieren sie mit Artgenossen, spielt das Miauen eine untergeordnete Rolle. Wenn sie sich aber mit Zweibeinern verständigen wollen, benutzen sie dafür häufig einzigartige Laute und Gesten. Nach einer Weile wissen sie genau, welche Tonlage sie anstimmen müssen, um das zu bekommen, was sie wollen. Meist wissen Katzenbesitzer bereits Bescheid, was die Mieze ihnen mitteilen möchte. © agefotostock/Imago
Eine graue Hauskatze balanciert auf einem Gartenzaun.
Die Samtpfoten sind Meister des Balancierens: Dank ihres ausgeklügelten Gleichgewichtssystems klettern, balancieren und springen sie äußerst anmutig und geschickt, selbst auf schmalen Gegenständen und meistern Hürden gezielt mit höchster Eleganz. © blickwinkel/Imago
Nahaufnahme eines Katzenohrs
Geht es um das Gehör, übertrumpfen Katzen nicht nur Menschen, sondern auch Hunde. Mit ihren extrem sensiblen Ohren nehmen sie hochfrequente Geräusche wahr, darunter Töne mit bis zu 100.000 Schwingungen pro Sekunde und sogar Ultraschalllaute. Menschen (etwa 20.000 Schwingungen pro Sekunde) können diese Geräusche schlichtweg nicht hören. Im Vergleich dazu hören Hunde etwa 35.000-40.000 Schwingungen pro Sekunde.  © Panthermedia/Imago
Eine Katze sitzt vor dem Sofa im Wohnzimmer auf dem Teppich und blickt in die Kamera.
Katzen sind viel intelligenter als die meisten annehmen. Das zeigt ein Blick auf ihr Namensgedächtnis. Eine japanische Studie belegt, dass Katzen nicht nur ihren eigenen Namen und die Namen ihrer Besitzer kennen, sondern auch, dass sie sich die Namen ihrer Artgenossen merken können. © Zoonar/Imago
Eine Hauskatze springt aus dem Stand hoch.
Ein Katzensprung für die Katze: Dank ihrer kräftigen Hinterbeine, dem elastischen Bindegewebe und dem besonders flexiblen Körperbau springen gesunde und fitte Samtpfoten etwa das Fünf- bis Sechsfache ihrer eigenen Körperlänge mit Leichtigkeit – das bedeutet etwa zwei Meter aus dem Stand. Der Vergleich zum Menschen verblüfft: Der Rekordhalter im Hochsprung übersprang seine eigene Körpergröße um gerade einmal 52 Zentimeter. © Anka Agency International/Imago
Eine Katze bei Nacht mit großen, schwarzen Pupillen.
Katzen sehen auch bei sehr schwachem Licht. Nicht umsonst sind sie von Natur aus nachtaktiv und gehen bevorzugt in der Dämmerung auf die Jagd. Das Geheimnis hinter ihrer ausgezeichneten Sehfähigkeit ist die erhöhte Anzahl an Stäbchen auf ihrer Netzhaut. Fakt ist jedoch, dass Katzen sich bei völliger Dunkelheit ebenfalls mit der Wahrnehmung schwertun. © Panthermedia/Imago
Eine schwarz-weiße, junge Katze fällt.
Katzen landen meistens auf ihren Pfoten und überstehen Stürze aus großer Höhe in der Regel gut. Zudem gelingt es ihnen mit dem Schwanz, die Fallgeschwindigkeit zu minimieren. Das verschafft der Katze die Zeit, um zuerst den Oberkörper, den Kopf und dann das Hinterteil zu drehen. So dreht sie ihre Beine blitzschnell in Richtung des Bodens. Diese Eigenschaft wird auch Dreh-, Stell- oder Aufrichtreflex genannt und ist einzigartig. Dennoch können auch, gerade bei übergewichtigen Katzen, lebensbedrohliche Verletzungen entstehen. Bringen Sie Ihre Katze nach einem Sturz aus großer Höhe unverzüglich zum Tierarzt. © agefotostock/Imago
Ein Kätzchen ist kurz davor, durch einen weißen Holzzaun zu schlüpfen.
In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos von Katzen, die sich im Sofaschlitz verkriechen, sich in Goldfischgläser pressen oder sich einfach unbedingt unter dem Gartenzaun hindurchquetschen müssen. Mit ihren gelenkigen Körpern kommen Katzen fast überall hin, wo sie hin möchten. Doch wie schaffen die Miezen das eigentlich? Der Grund für die schier unglaubliche Beweglichkeit ist ihre einzigartige Skelettstruktur: Sie besitzen kein Schlüsselbein, dafür jedoch ein sehr flexibles Rückgrat mit 30 Wirbeln. Ihre Gliedmaßen sind allein durch Bänder und Muskeln mit der Wirbelsäule verbunden, was ihnen den erstaunlichen Bewegungsspielraum ermöglicht. © blickwinkel/Imago
Eine Hauskatze putzt sich die Pfote.
Reinlicher als jedes andere Tier und vermutlich auch als Menschen? Genau das lässt die Wissenschaft verlauten, wenn es um die auf Sauberkeit bedachten Samtpfoten geht. Mit ihrem eigenen Speichel putzen sie sich mehrmals täglich. Dabei sind Aufbau und Funktion einer jeden Katzenzunge einzigartig. Wer schon einmal von einer Katze abgeleckt wurde, weiß, dass sie einem Schmirgelpapier gleicht. Der Grund dafür sind winzige Stacheln, sogenannte Fadenpapillen, die aus nach hinten gebogenen Zähnchen aus Horn bestehen. Neben der Nahrungsaufnahme hat die Zunge für die Fellpflege die größte Bedeutung: Mithilfe der winzigen Zähne können Katzen ihre Zunge als eine Art Kamm einsetzen. © blickwinkel/Imago
Eine Katze kuschelt sich auf einer Decke ein und streckt ihre Beine von sich.
Das Schnurren von Katzen sei „eines der nur zum Teil geklärten Rätsel der Wissenschaft“, so Spektrum der Wissenschaft. Was feststeht ist, dass Katzen nicht nur Menschen, sondern auch sich selbst auf bestimmten Frequenzen therapieren und beruhigen können. Zudem erfüllt das Schnurren der Mieze den Zweck, ihr Wohlgefühl nach außen zu tragen. Experten gehen davon aus, dass durch die Vibration ein komplexer Selbstheilungsmechanismus in Gang gesetzt wird. Übrigens: Katzenjunge benötigen erst einige Tage an Übung, um schnurren zu können wie die Großen. © imagebroker/Imago
Eine junge Katze klettert an einem Holz empor.
Dank ihrer scharfen Vorderkrallen sind Katzen wahre Meister des Kletterns. Mühelos erklimmen sie damit die höchsten Baumkronen. Der Weg nach unten gestaltet sich da schon schwieriger. Aber machen Sie der Mieze erst einmal ihre Kletterkünste nach … © Panthermedia/Imago

Ob die Katze in der Türkei durch die klassische Musik angelockt wurde oder sie einfach nur auf ihrem Streifzug neugierig war, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Auf Instagram ging das Video des tierischen Bühnenstars jedenfalls viral. Es hat bereits über 2,2 Millionen Likes gesammelt und wurde mehr als 32 Millionen Mal angesehen. Die Community ist begeistert und teilt in zahlreichen Kommentaren ihre spontanen Gedanken zu diesem besonderen Moment.

  • „Die Katze denkt wahrscheinlich: ‚Das alles für mich?‘“
  • „Stell dir vor, du hast dein ganzes Leben für diesen Moment trainiert, und dann wird er dir von einer Katze gestohlen. 😂👏🏽“
  • „Die Türken haben ein wunderbares Verhältnis zu Katzen.“
  • „Sie kamen, um eine Show zu sehen und sahen stattdessen ein Meisterwerk.“
  • „Die Katze ist gekommen, um auf dem Klavier zu spielen.“

Rubriklistenbild: © @bengiisilgokturk (Instagram)

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