Experten verweisen auf den Klimawandel

Olivenöl-Test: Sechs von 23 Produkten fallen durch – Preise ziehen deutlich an

+
Hat unter der Erderwärmung zu leiden: Die durchschnittliche Qualität von Olivenöl nimmt laut Stiftung Warentest ab.
  • schließen

Olivenöle werden deutlich teurer. Zugleich nimmt die durchschnittliche Qualität ab, wie Stiftung Warentest aufzeigt. Das liegt auch am Klimawandel.

Berlin – Dieser Olivenöl-Test dürfte ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Hersteller sein. Die Stiftung Warentest hat sich 23 Produkte vorgenommen und unter anderem auf chemische Qualität, Schadstoffe und Nutzungsfreundlichkeit der Verpackung überprüft. Mit einem alarmierenden Ergebnis.

Olivenöl im Test: Stiftung Warentest moniert durchschnittlich gesunkene Qualität

Demnach schnitten nur vier Olivenöle gut ab. Dagegen fielen sechs durch, viele weitere bieten Mittelmaß. Beim Test vor zwei Jahren waren noch mehr als zwei Drittel mit gut bewertet worden. Diesmal kamen erstmals auch Brat-Olivenöle unter die Lupe, die für einen Lichtblick sorgten.

Auffällig ist vor allem die im Vergleich zu früheren Untersuchungen deutlich gesunkene durchschnittliche Qualität, betonen die Tester. Dies führen sie auf den Klimawandel zurück. Die Erderwärmung samt Dürren und Hitze in den Mittelmeerländern, wo Oliven zu Hause sind, würden ihre Spuren hinterlassen.

Video: Supermarkt-Preise steigen drastisch - Spanisches Olivenöl wird auf dem Schwarzmarkt verkauft

Olivenöle schneiden im Test schlechter ab: Oliven müssen wegen Klimawandel früher gepflückt werden

Die Folgen: „Produkte der höchsten Güteklasse nativ extra schmecken öfter ranzig oder stichig, und auch die chemische Qualität ist schwächer als sonst.“ Im „test“-Heft (Ausgabe 04/2024) wird hierzu erklärt, die ranzigen Noten gehen auf Sauerstoffkontakt zurück, etwa auf angegriffene Rohware wie beschädigte Oliven.

Die stichigen und schlammigen Noten seien hingegen typisch für Früchte, die vor dem Pressen zu lange zu warm lagerten und schon angegoren seien. Gründe dafür könnten sein, dass Oliven mancherorts schon früher reif sind als üblich und bereits in wärmeren Monaten statt wie üblich im Herbst gepflückt werden müssten.

„Schlechte Olivenernten könnten sich in der Klimakrise häufen, der Anteil an hochwertigen Ölen sinken und mehr Öl als Bratöl verwertet werden“, wagt Jochen Wettach, Projektleiter für den Olivenöl-Test, einen Blick voraus.

Stiftung Warentest: Die Bewertungen der nativen Olivenöle im Überblick

ProduktGesamtnoteungefährer Preis pro Liter
Cosmo di Russo Caieta Olio extra vergine di oliva1,746 Euro
Rapunzel Kreta Olivenöl nativ extra (Bio)2,134 Euro
Rewe Ja Natives Olivenöl extra2,610,70 Euro
Aldi Gut Bio Natives Olivenöl extra (Bio)2,712 Euro
Aldi Cantinelle Natives Olivenöl extra2,810,70 Euro
Bertolli Originale Natives Olivenöl extra2,819,80 Euro
Edeka Bio Natives Olivenöl extra (Bio)2,812 Euro
Lidl Primadonna Bio Natives Olivenöl extra (Bio)2,812 Euro
Lidl Primadonna Natives Olivenöl extra3,010,70 Euro
Netto Marken-Discount Vegola Natives Olivenöl extra3,010,70 Euro
Gaea Classic Authentic Greek Natives Olivenöl extra3,119 Euro
dmBio Natives Olivenöl extra (Bio)3,37,95 Euro
Filippo Berio Classico Natives Olivenöl extra3,715 Euro
Bio Planete Olivenöl nativ extra mild (Bio)5,014 Euro
Edeka Gut & Günstig Natives Olivenöl extra5,010,70 Euro
Fiore Natives Olivenöl extra5,012 Euro
Kaufland K-Bio Natives Olivenöl extra (Bio)5,012 Euro
Kaufland K-Classic Natives Olivenöl extra5,010,70 Euro
La Espanola Natives Olivenöl extra5,019,50 Euro

Olivenöl bei Stiftung Warentest: Nur zwei native Öle schneiden gut ab

Testsieger unter den nativen Olivenölen ist Cosmo di Russo Caieta Olio extra vergine di oliva aus Italien, das sich die Note 1,7 verdiente. Hier beträgt der Literpreis 46 Euro. Im Gut-Bereich landete ansonsten nur Rapunzel Kreta Olivenöl nativ extra (Bio) mit einer 2,1. Für einen Liter werden hier 34 Euro aufgerufen.

Diese beiden Produkte sind laut Stiftung Warentest rundum ausgewogen, deutlich bitter und scharf. So würden Gourmets ein Olivenöl schätzen.

Bei den Brat-Olivenölen, von denen zwei gut und zwei befriedigend abschneiden, thront Alnatura Brat Olivenöl (Bio) mit einer 2,3-Note ganz oben. Der Preis pro Liter beträgt 18,70 Euro. Mit einer 2,5 schnitt Byodo Brat-Olive Mediterran ab, für das 20 Euro pro Liter aufgerufen werden.

Stiftung Warentest: Die Bewertungen der Brat-Olivenöle im Überblick

ProduktGesamtnoteungefährer Preis pro Liter
Alnatura Brat Olivenöl (Bio)2,318,70 Euro
Byodo Brat-Olive Mediterran (Bio)2,520 Euro
Rewe Beste Wahl Olivenöl Bratöl zum Braten und Grillen3,112 Euro
Bertolli Brat Olivenöl3,316,90 Euro

Olivenöl wird teurer: Preise verdoppeln sich seit Oktober 2022 teilweise

Apropos Preise: Die zogen demnach ordentlich an, hätten sich seit dem vorigen Test im Oktober 2022 teils fast verdoppelt. Damals lagen sie noch bei 5,75 bis 36 Euro pro Liter nun werden bei vergleichbarem Testfeld 10,70 bis 46 Euro aufgerufen. Immerhin gibt es auch in der Klasse bis zwölf Euro pro Liter akzeptable Öle, hebt Stiftung Warentest hervor.

Neben allgemein gestiegenen Kosten sind schlechte Olivenernten und in deren Folge eine rückläufige Olivenöl-Produktion in der EU ausschlaggebend für die gestiegenen Preise. Dabei nahmen diese deutlich stärker zu als bei anderen Pflanzenölen, wie dem Verbraucherpreisindex zu entnehmen ist.

So stellte das Statistische Bundesamt im Vergleich zum Vorjahr einen Preisanstieg um 50,8 Prozent fest, bei Speiseölen sank der Preis im gleichen Zeitraum um 0,9 Prozent, Sonnenblumenöl, Rapsöl und Ähnlichem wurden sogar um 21 Prozent günstiger.

Olivenöl ist gesund: Ölsäure kann zum Sinken von LDL-Cholesterin im Blut beitragen

Dennoch gibt es gute Argumente für Olivenöl. Die eigene Gesundheit etwa.

Die Stiftung Warentest preist Olivenöl als Öl mit den günstigsten Ernährungseigenschaften überhaupt an. Zurückzuführen sei dies in erster Linie auf die Ölsäure, aus der Olivenöl zu 70 Prozent besteht. Diese einfache ungesättigte Fettsäure trage dazu bei, unerwünschtes LDL-Cholesterin im Blut zu senken. Zudem würden die Polyphenole ebenfalls günstige Auswirkungen auf die Blutfette haben.

Statt Olivenöl bieten sich auch Alternativen zum Verfeinern von Salaten oder zum Anbraten. Geräuchertes Olivenöl lässt sich auch selbst herstellen. Beim Lagern kann man schnell Fehler machen. (mg)

Kommentare