Kurzstrecken besonders problematisch

Elektroautos im Test: So viel Reichweite frisst der Betrieb der Klimaanlage

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Im Auto ist eine Klimaanlage ein enormer Komfortgewinn. Doch sie braucht auch eine Menge Energie. Wie stark wirkt sie sich auf die Reichweite bei E-Autos aus?

Eine Klimaanlage treibt bei Verbrenner-Fahrzeugen den Verbrauch deutlich nach oben: Laut ADAC schluckt das Auto im Durchschnitt 10 bis 15 Prozent mehr Sprit. Das geht nicht nur ins Geld, sondern ist auch nicht optimal für die Umwelt, weswegen in Italien ein saftiges Bußgeld fällig werden kann, wenn die Klimaanlage bei einem stehenden Auto läuft. Doch wie sieht es bei Elektroautos aus? Das österreichische Batteriediagnostik-Unternehmen Aviloo hat nun einmal den Reichweiten-Verlust bei Stromern untersucht.

Für den Test wurden nach Angaben des Unternehmens 14 unterschiedliche Elektroautos unter die Lupe genommen. Ergebnis: Bei durchschnittlichen Stadtfahrten kann demnach innerhalb der ersten Stunde der Betrieb der Klimaanlage rund 35 Prozent des Gesamtverbrauchs ausmachen – was mehr als einem Drittel der Gesamtreichweite entspricht.

Der Betrieb der Klimaanlage braucht vor allem in der Kühl- beziehungsweise Aufheizphase eine Menge Energie. (Symbolbild)

Je nach Fahrweise fällt der Reichweitenverlust durch die Klimaanlage unterschiedlich ins Gewicht

Getestet wurde zum einen bei Kälte: Dafür wurden die E-Autos auf 0 Grad Celsius heruntergekühlt. Anschließend wurden die Innenräume im Automatikmodus auf eine Solltemperatur von 22 Grad aufgeheizt – wobei die Heizung für zwei Stunden angeschaltet blieb. Dabei lag der Energieverbrauch in der ersten Stunde des Aufheizens zwischen 1,5 kWh und 2,5 kWh – im Durchschnitt waren es also rund 2 kWh. In der zweiten Stunde stieg die verbrauchte Energie auf 2,7 bis 4,5 kWh an. Wie sich dies auf die Reichweite auswirkt, kommt laut dem Batteriediagnostik-Unternehmen auf die Fahrweise an: Bei einer Stadtfahrt macht die Heizenergie nach 60 Minuten im Schnitt rund 35 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Auf der Autobahn hingegen – wo der Verbrauch generell höher ist und die zurückgelegten Strecken länger sind – wirkt sich die Heizenergie weniger deutlich auf die Reichweite: Hier sind es nur etwa rund 10 Prozent des Gesamtverbrauchs.

Top 10 Neuzulassungen: Die beliebtesten Elektroautos der Deutschen im Jahr 2023

Fahraufnahme eines Mini SE
Platz 10 – Mini Cooper E/SE: 13.953 Neuzulassungen im Jahr 2023 reichten Mini für den Einzug in die Stromer-Top-10. Der Cooper E/SE sicherte sich im Jahres-Ranking den zehnten Platz. © Mini
Ein BMW iX1
Platz 9 – BMW iX1: Die vollelektrische Version des BMW X1 wurde im vergangenen Jahr 14.694-mal neu zugelassen. Damit landet der iX1 auf dem neunten Rang im Jahres-Ranking 2023. © BMW
Ein Tesla Model 3
Platz 8 – Tesla Model 3: Der US-Hersteller Tesla sicherte sich mit seinem Model 3 den achten Platz im Ranking. Laut KBA kam der Stromer 2023 in Deutschland auf 15.865 Neuzulassungen. © Imagebroker/Imago
Fahraufnahme eines Cupra Born
Platz 7 – Cupra Born: Einst ein Seat-Ableger, inzwischen eine eigene Marke: Der vollelektrische Cupra Born wurde im vergangenen Jahr laut KBA 17.464-mal neu zugelassen – und landete damit auf Rang 7. © Cupra
Fahraufnahme eines Audi Q4 e-tron
Platz 6 – Audi Q4 e-tron: Laut KBA kam der Audi Q4 e-tron im Jahr 2023 auf 18.061 Neuzulassungen. Damit erreichte der Ingolstädter den sechsten Platz im Ranking. © Audi
Ein VW ID.3
Platz 5 – VW ID.3: Noch vor den zum Konzern gehörenden Marken konnte sich ein „eigenes“ VW-Produkt platzieren: Mit 22.270 Neuzulassungen im Jahr 2023 sicherte sich der VW ID.3 den fünften Rang. © VW
Fahraufnahme eines Fiat 500e
Platz 4 – Fiat 500e: Laut KBA wurde der Elektroflitzer Fiat 500e im Jahr 2023 in Deutschland 22.608-mal neu zugelassen – das reicht für den vierten Platz. © Fiat
Ein Skoda Enyaq
Platz 3 – Škoda Enyaq: Auch auf dem dritten Platz findet sich eine Marke aus dem VW-Reich: 23.498-mal wurde das E-SUV Škoda Enyaq im vergangenen Jahr neu zugelassen. © Škoda
Ein VW ID.4
Platz 2 – VW ID.4/ID.5: Für die erfolgsverwöhnten Wolfsburger reichte es nur für den Vize-Titel des Jahres 2023. 36.353 Neuzulassungen der E-Modelle ID.4 (Foto) und ID.5 zählte das KBA im vergangenen Jahr. © VW
Ein Tesla Model Y auf einer Messe
Platz 1 – Tesla Model Y: Eine Titelverteidigung ist nie einfach – doch Tesla hat es geschafft. Wie schon im Jahr 2022 konnte sich das Model Y auch im Jahr 2023 den Spitzenplatz bei den Neuzulassungen (45.818) in Deutschland sichern.  © Pond5 Images/Imago

Auch der Verbrauch bei Kühlung durch die Klimaanlage wurde untersucht: Dazu wurden die E-Autos an heißen Tagen (bei Temperaturen zwischen 28 und 35 Grad Celsius) auf 22 Grad heruntergekühlt. Hier wurde im Schnitt in der ersten Stunde ein Verbrauch von 1,6 bis 2,2 kWh gemessen – also ähnliche Werte wie beim Aufheizen.

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Aufheiz- beziehungsweise Abkühlphase brauchen deutlich mehr Energie als das Halten der Temperatur

Das Fazit des Tests: In der Aufheiz- beziehungsweise Abkühlphase zu Beginn wird deutlich mehr Energie verbraucht als wenn die Temperatur nur noch konstant gehalten werden muss. An einem Beispielfahrzeug wurde ein doppelt so hoher Verbrauch in der ersten Stunde gemessen wie in der zweiten Stunde. Besonders hoch ist der Energieverbrauch während der ersten 15 Minuten.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Ganz besonders im Winter sollten Kurzstreckenfahrten mit dem Elektroauto vermieden werden – denn nicht nur die Klimaanlage für den Innenraum, sondern beispielsweise auch das Erwärmen der E-Auto-Batterie kann bei eisigen Temperaturen ordentlich Strom verschlingen. Wer als E-Autofahrer im Winter möglichst viel Reichweite aus seinem Akku herausholen möchte, sollte einige Tipps beachten.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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