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Kakao-Preisanstieg um 150 Prozent: Müssen Kunden 2024 für Schokolade tiefer in die Tasche greifen?

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Viele Lebensmittel sind in diesem Jahr deutlich teurer geworden. Auch der Preis für Schokolade könnte durch eine Kakao-Knappheit jetzt steigen.

München – Die Inflation treibt Lebensmittelpreise in die Höhe. Auch wegen des Klimawandels scheint es jetzt auch Schokolade zu treffen – oder genauer gesagt Kakao. Der Rohstoff ist so knapp und teuer wie nie zuvor.

Der Preis für eine Tonne Rohkakao an der Rohstoffbörse in London kletterte zuletzt steil nach oben – auf einen Rekordstand von umgerechnet knapp 5500 Euro. Anfang Januar lag der Preis noch unter 4000 Euro, im Februar 2023 unter 2500 Euro. Innerhalb eines Jahres stieg der Preis also um ganze 150 Prozent, nur seit Anfang Januar 2024 sind es 50 Prozent. Nachdem Kakao die wichtigste Zutat für Schokolade ist, müssen Verbraucher in Deutschland damit rechnen, dass sie für die beliebte Süßigkeit bald tiefer in die Tasche greifen müssen.

Schokoladen-Hersteller wie Hershey, Nestlé und Ritter Sport äußern sich zu gestiegenen Produktionskosten

Ein Sprecher des Herstellers Ritter Sport erklärte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Ein Kilo Kakao ist knapp drei Euro teurer als noch vor einem Jahr. Was das für die Herstellungskosten einer 100-Gramm-Schokoladentafel bedeutet, die zwischen 35 und 70 Prozent Kakao enthält, kann sich jeder selbst ausrechnen, aber wir bewerten aktuell gesamthaft die Situation“. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Solveig Schneider, fügte hinzu: „Gestiegene Rohstoffpreise und Löhne können zu Kostensteigerungen führen, die tendenziell an den Verbraucher weitergegeben werden könnten.“ 

Die Chefin des US-Unternehmens Hershey (KitKat und M&Ms), Michele Buck, sagte: „Angesichts der aktuellen Lage bei den Kakaopreisen werden wir jedes Instrument in unserem Werkzeugkasten nutzen, einschließlich der Preisgestaltung, um das Geschäft zu steuern“, sagte sie Mitte Februar bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. Alexander von Maillot, Deutschlandchef vom Schweizer Lebensmittelgiganten Nestlé, äußerte sich zuletzt ähnlich.

Wie teuer es für Kunden im Supermarkt wird, ist derweil noch unklar. Das Unternehmen Mondelez, bekannt für die Milka-Produkte, teilte mit, die Festsetzung der Endverbraucherpreise liege in der Verantwortung des Lebensmitteleinzelhandels.

Der Klimawandel zeigt Folgen: Kakao-Angebot wird weniger und Anbau schwieriger

Schuld an der Schoko-Misere ist aber nicht nur die allgemeine Inflation. Das Problem liegt im Angebot. Es ist deutlich weniger Rohstoff auf dem Markt verfügbar. Grund dafür ist der Klimawandel, der den Kakao-Anbau erheblich erschwert. 60 Prozent des weltweiten Kakaos kommen von der Elfenbeinküste und aus Ghana. Die dort häufigeren Extremwettereignisse wie lange Dürreperioden, Starkregen und Überflutungen haben laut der Umweltorganisation WWF nicht nur der Qualität des Kakaos geschadet, sondern auch die Erträge reduziert und manche Ernten komplett zerstört. Mögliche Anbaugebiete werden weniger.

Der Starkregen hat aber noch weitere Folgen: Pflanzenkrankheiten können sich in Monokulturen weiter ausbreiten. So auch Blattläuse, die für das Sterben von Kakaobäumen verantwortlich gemacht werden können. Eine Umweltwissenschaftlerin des WWF schätzt, dass etwa 17 Prozent aller Bäume in Ghana betroffen sind.

Der Rohstoff Kakao wird knapper: Schokolade könnte teurer werden. (Symbolbild)

Für Schokolade geben Deutsche gerne mehr Geld aus

Hinzu kommen die restlichen höherpreisigen Zutaten wie Zucker, dessen Preis laut BDSI 72 Prozent teurer ist als im Vorjahr. Preise für Kakaobutter stiegen um 52 Prozent. Bisher sei der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Schokoladenwaren in Deutschland aber stabil, 2023 lag er laut BDSI bei 9,3 Kilo. Und das, obwohl der Preis schon in den letzten Jahren kontinuierlich teurer wurde, wie die Verbraucherzentrale erklärte: „Vor gut 20 Jahren kostete die Tafel 99 Pfennig, aktuell 1,49 Euro. Der Preis hat sich also verdreifacht.“ Für Unternehmen wie Mondelez sowie Lindt & Sprüngli bedeutete das zuletzt also eher ein Umsatzplus, wie auch Konzernzahlen zeigen.

Nicht immer sind gestiegene Lebensmittelpreise aber auch gerechtfertigt. So sind Preise für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Butter und Pflanzenölen teils spekulativ bedingt. Dies führt zu erhöhten Preisen, die nicht immer mit höheren Herstellungskosten zusammenhängen. Die Verbraucherzentralen forderten daher im Januar 2024 eine kritische Überprüfung durch Politik und Bundeskartellamt und rät Verbrauchern, Kilopreise zu vergleichen. Kürzlich sorgte auch ein Gerichtsurteil gegen einen Hersteller für Aufsehen – es verbot ihm den Verkauf von „Mogelpackungen“, bei denen man für weniger Inhalt den gleichen Preis zahlt. (jh mit dpa)

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/imago stock&people/IMAGO

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