Erster Fahrtest

Konkurrenz für den BMW M3: Alpina rüstet B3 GT mit 529 PS aus

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Mit dem stärksten Dreier aller Zeiten (529 PS) lässt es Alpina noch einmal krachen, bevor BMW Ende 2025 die Marke übernimmt. Ist der B3 GT besser als der M3?

Alpina-Kunden lieben Kombis. Das wird auch beim B3 so sein, rund zwei Drittel werden als Touring verkauft. Wie das Coupé und das Gran Coupé basiert der Kombi auf dem BMW M340i mit Allradantrieb, allerdings hat er einen besonderen Motor. Den des M3. 529 PS kitzeln die Buchloer aus dem drei Liter großen Reihensechszylinder heraus. Genau eine Pferdestärke weniger als beim eigentlichen M3. Einen Höflichkeitsabstand zum Dreier-Flaggschiff aus München will man auf jeden Fall einhalten. Dafür aber hat der B3 GT mit 730 Newtonmetern (Nm) deutlich mehr Drehmoment als der M3 mit seinen 650 Nm. Die brachiale Kraft setzt Alpina typisch schon bei 2.500 Umdrehungen pro Minute an, was einen souveränen Eindruck hinterlässt – schon bei entspannter Fahrweise. Da muss man nicht erst die Drehzahlen hochjagen, da genügt schon ein sanftes Tippen auf das Gaspedal. Kultiviert – mit einem Schuss Understatement, das ist ja auch das Credo bei Alpina.

529 PS und 750 Nm Drehmoment: Der B3 GT ist einer der letzten echten Alpinas bevor BMW Ende 2025 die Marke übernimmt.

Alpina B3 GT: Verbesserte Ansaug-Luftführung, größere Turbos

Warum der Motor zwar ähnlich stark ist wie der des M3, aber bei der Leistungsentfaltung anders tickt, das liegt hauptsächlich an den neuen und größeren Turbos aber auch an der verbesserten Ansaug-Luftführung. Nur so ist es möglich, dass der B3 GT im Bereich zwischen 1.500 und 5.500 U/min vor dem M3 liegt, danach spielt der Bolide der M-GmbH seine Hochdrehzahl-Stärken aus. Alpina-Geschäftsführer Andreas Bovensiepen klingt zufrieden, wenn er über den Antrieb spricht: „Wir haben das Ansprechverhalten geschärft und die Durchzugskraft gestärkt.“

Von der Bildfläche verschwunden: Zehn große Automarken, die es nicht mehr gibt

Ein Simca 1100 GLS Baujahr 1972 auf einer Oldtimermesse
Simca – Die Geschichte von Simca (Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile) begann 1934 als Lizenzfertiger von Fiat-Fahrzeugen in Frankreich. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden auch eigene Modelle produziert. Im Jahr 1978 wurde der Autobauer von Peugeot übernommen und die Marke Simca aufgegeben. Die noch existierenden Modellreihen wurden bis 1986 unter dem Markennamen Talbot verkauft. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Oldsmobile Vista Cruiser
Oldsmobile – Hierzulande weitgehend unbekannt, gehörte Oldsmobile in den USA vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten Marken. Ein bekanntes Modell war beispielsweise der Vista Cruiser (Foto): Ein markant gestalteter Kombi, von dem zwischen 1964 bis 1977 mehr als 360.000 Exemplare gebaut wurden. Anfang der 2000er-Jahre gingen die Verkäufe stark zurück, sodass die Mutter General Motors im Jahr 2004 die Produktion von Fahrzeugen der Marke komplett einstellte. © Pond5 Images/Imago
Ein NSU Prinz auf einem Oldtimer-Treffen
NSU Motorenwerke – Die Geschichte des Unternehmens begann in den 1870er-Jahren als Hersteller von Strickmaschinen. Später produzierte das Unternehmen Fahr- und Motorräder. Erst Ende 1958 kam mit dem Prinz das erste Automodell des Herstellers auf den Markt – es wurde in mehreren Generationen bis 1973 produziert. Bereits 1969 fusionierten NSU und Auto Union zur Audi NSU Auto Union AG, die 1985 wiederum in Audi umfirmierte – mit diesem Schritt verschwand auch der Name NSU. © CEPix/Imago
Ein Plymouth Superbird in einem Museum
Plymouth – Einst gehörte Plymouth zu den erfolgreichsten Automobilmarken der USA und war in den 1940er-Jahren sogar der zweitgrößte US-Hersteller – noch vor Ford. Anfang der 1960er-Jahre verlor die Marke jedoch rapide Marktanteile, bevor man ab 1965 mit Muscle-Car-Modellen wie dem Barracuda oder Road Runner kurzfristig wieder Boden gut machen konnte. Eines der bis heute legendärsten Modelle war der Plymouth Superbird (Foto): eine stark modifizierte Version des Road Runner. Das Modell mit dem gigantischen Spoiler fand jedoch Anfang der 1970er-Jahre kaum Kunden, weshalb weniger als 2.000 Exemplare gebaut wurden. Nach und nach verlor die Marke immer mehr ihre Identität. 2001 entschied die Mutter DaimlerChrysler schließlich, die Marke Plymouth einzustellen. © Pond5 Images/Imago
Eine Borgward Isabella auf einer Messe
Borgward – Zu den größten Verkaufserfolgen des Bremer Autobauers Borgward zählte die von 1954 bis 1962 gebaute Isabella (Foto). Doch bereits ab Mitte der 1950er-Jahren ging es mit dem Unternehmen wirtschaftlich bergab. Anfang der 1960er-Jahre führten die Probleme schließlich zum Untergang. Mitte der 2010er-Jahre wurden die Markenrechte nach China verkauft. Mit SUV-Modellen wurde schließlich ein Comeback-Versuch gestartet, der aber nach kurzer Zeit im Sande verlief. © Pond5 Images/Imago
Ein Daewoo Matiz auf einer Automesse
Daewoo – Mitte der 1990er-Jahre versuchte sich in Europa die koreanische Marke Daewoo zu etablieren – unter anderem mit dem Kleinstwagen Matiz (Foto). Allerdings war dem Hersteller kein Erfolg beschieden: Nachdem das Unternehm in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, wurde die Pkw-Sparte von einem Konsortium um General Motors übernommen. Ab 2005 wurden die Daewoo-Modelle (auch der Matiz) dann unter dem Namen Chevrolet verkauft.  © Papsch/Imago
Der 1.000.000 Trabant im Museum
Trabant – Obwohl der Trabant bereits in den 1960er-Jahren als veraltet galt, war er ein echter Verkaufsschlager – allerdings gab es in der ehemaligen DDR auch kaum Alternativen zu dem von Sachsenring produzierten Zweitakter. Geduld war nicht nur aufgrund der geringen Motorleistung, sondern auch wegen der durchschnittlichen Wartezeiten auf ein Fahrzeug von mehreren Jahren gefragt. Dennoch: Mehr als drei Millionen „Trabis“ liefen zwischen 1958 und 1991 vom Band. Das Foto zeigt das 1.000.000-ste Exemplar, das im November 1973 gebaut wurde. Mit dem Ende der DDR endete auch bald die Produktion des Trabis. © Eberhard Thonfeld/Imago
Ein Pontiac Firebird Trans Am, Baujahr 1984
Pontiac – Die US-Marke Pontiac war vor allem in den 1960er-Jahren sehr erfolgreich. Hierzulande kennen viele den Hersteller vor allem aus Serien und Filmen. Der schwarze Pontiac Firebird Trans Am (zweite Generation) mit dem riesigen Adler auf der Haube faszinierte die Zuschauer in „Smokey and the Bandit“ (1977). Die dritte Generation des Firebird (Foto) wurde in den 1980er-Jahren als Basis des Serien-Wunderautos K.I.T.T bekannt. Der große Erfolg früherer Jahre stellte sich dennoch nicht mehr ein: 2010 legte der General-Motors-Konzern die Marke Pontiac auf Eis. © Pond5 Images/Imago
Ein Saab 900 Cabrio Baujahr 1991
Saab – Das erste Pkw-Modell des Herstellers ging 1949 als Saab 92 in Serie. Wirklich große Stückzahlen produzierte der schwedische Autobauer zwar nie, dennoch gelten einige Baureihen wie der 900 (Foto zeigt die Cabrio-Version) als legendär. 1998 ging Saab eine Kooperation mit General Motors ein. Fortan wurden viele Gleichteile aus dem Konzernverbund eingesetzt, dennoch stellte sich auf lange Sicht kein wirtschaftlicher Erfolg ein. 2011 meldete Saab Insolvenz an.  © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rover 75
Rover – Die Geschichte des englischen Automobilherstellers Rover geht bis ins Jahr 1896 zurück. Über viele Jahrzehnte konnten sich die Briten im Automobilgeschäft behaupten, bis das Unternehmen 1967 Teil der British Leyland Motor Cooperation wurde. Durch eklatante Fertigungs- und Qualitätsmängel ruinierte die Marke ihren Ruf – bis es Anfang der 1980er-Jahre durch eine Kooperation mit Honda wieder etwas bergauf ging. 1994 übernahm schließlich BMW die britische Marke – und versenkte dadurch Milliarden. 2000 zog der bayerische Autobauer die Reißleine und gliederte Rover wieder aus. 2005 folgte die Insolvenz. © Heritage Images/Imago

Genau das richtige Rezept für die Bedürfnisse der Alpina-Kunden, die kaum scharfe Runden auf der Rennstrecke drehen, sondern hauptsächlich auf den deutschen Autobahnen unterwegs sind. Am liebsten ziemlich flott. Alle GTs knacken die 300er-Marke, der schnellste ist die Limousine mit 308 km/h, Gran Coupe und Touring kommen auf 305 km/h. Der Vollständigkeit halber noch die Spurtwerte auf Tempo 100: 3,4 Sekunden benötigt die Limousine, 3,5 die beiden anderen. Und wer es genau wissen will: Von 0 auf 200 km/h geht es in 11,6, 11,9 und 12,0 Sekunden. Hier setzt sich die Limousine an die Spitze, das Schlusslicht bildet der Kombi.

Zwei zusätzliche Domstreben im Motorraum verleihen dem B3 GT mehr Steifigkeit. Lackiert sind sie in der neuen GT-Farbe Oro-Tecnico.

Spezielles Dämpfer Set-up mit Eibach entwickelt

Souverän beschleunigen ist das eine, die Bärenkräfte gesittet und souverän auf die Straße zu bringen das andere. Aber auch hier setzt sich Alpina wie gewohnt an die Spitze, sowohl was die Agilität angeht als auch beim Komfort. Messerscharf in den Kurven, sanft und weich, wenn der Asphalt ruppig wird. Beim Fahrwerk haben die Alpinisten aus Buchloe an vielen Stellen nachgebessert. Hinten wurden die Dämpfer steifer an die Karosserie angebunden, vorne spannen sich zwei neue Domstreben über den Motorraum. Das sorgt für mehr Komfort aber auch für ein besseres Einlenkverhalten.

Mit dem Feder- und Dämpferangebot aus dem Hause BMW waren die Ingenieure nicht zufrieden. Zusammen mit Eibach wurde ein eigenes Set-Up entwickelt, und weil man schon dabei war, hat man auch die Stabilisatoren erneuert. Das Ergebnis kann man als gelungen bezeichnen. „Es geht nicht besser“, denken wir uns, als wir nach ein paar scharf gefahrenen Runden auf der eher zahmen Rennstrecke von Mallorca, aus dem Auto aussteigen. Hier und da ein kecker Hüftschwung – aber alles im kontrollierten Bereich. Die wahren Stärken des B3 und B4 GT lassen sich aber erst auf der Landstraße erfahren. Da ist auf der einen Seite dieser maximale Komfort, der einen von der Außenwelt entkoppelt. Nennen wir ihn Dr. Jekyll. Und dann gibt es noch diesen missgelaunten Mr. Hyde. Wenn es sein muss, fetzt der Alpina so präzise und machtvoll um die Kurven wie ein ungehobelter Sportwagen – nur kultivierter.

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Bis auf Grafik und die Sonderfarbe Oro-Tecnico zum Beispiel auf den Schaltwippen sieht der B3 GT innen so aus wie ein normaler Dreier von BMW.

Zwischen Kupfer und Gold: Neue Design-Farbe „Oro Tecnico“

Die GT-Versionen glänzen aber auch durch ein paar optische Features. Da ist zum Beispiel die neue Design-Farbe „Oro Tecnico“, irgendwas zwischen Kupfer und Gold. Man findet sie in den typischen Alpina-Felgen, auf den Dom-Streben im Motorraum, bei den Lenkrad-Nähten oder auf den Aluminium-Schaltwippen. Das Cockpit fällt BMW typisch aus – nur die Grafik im Digital-Tacho wird aus Buchloe zugeliefert. Im satten Alpina-Blau und etwas flotter als bei BMW. Unser Fazit: Noch nie war Alpina besser. Wer Geld auf der hohen Kante hat, der sollte nicht zaudern. Ein BT3 GT Touring kostet zwar knackige 102.900 Euro. Das ist aber nicht viel Geld für einen echten Alpina, der etwas bietet, das andere nicht haben: Souveräne Leistung, kultivierte Fahrdynamik und ausgeprägter Komfort. Außerdem sollte man sich einen der letzten echten Alpinas sichern – bevor BMW das Steuer übernimmt.

Wie es mit Alpina weitergeht

Womit wir bei der Zukunft sind: Mit einem neuen Auslieferungsrekord von mehr als 2.300 Fahrzeugen im Jahr 2025 wollen die Bovensiepens einen klangvollen Schlussakkord setzen. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen, um dann mit Alpina Classic Gas zu geben. Von den insgesamt rund 60.000 verkauften Fahrzeugen sind, Schätzungen zufolge, noch 45.000 unterwegs. Das ist eine gewaltige Flotte, die Originalteile braucht. Gleichzeitig haben die Buchloer auch ganz normale Kunden im Visier, die ihren BMW-Klassiker nachträglich aufwerten wollen. Mit den berühmten feingliedrigen Felgen zum Beispiel. Dass der Geschäftsführer und ehemalige Rennfahrer Andreas Bovensiepen die Autoproduktion endgültig an den Nagel hängt, dazu muss man nicht erst das Bleigießen an Silvester 2025 abwarten. Auch hier dürfte hinter den Kulissen schon einiges laufen. Denn natürlich können die Bovensiepens auch nach Ende 2025 neue Autos produzieren – allerdings dürfen sie dann nicht mehr Alpina heißen. Man darf gespannt sein auf das nächste Feuerwerk aus Buchloe. Was künftige Alpina-Modelle von BMW angeht, gibt es im Augenblick nur Spekulationen. Manche meinen, es werde Sondermodelle in kleinen Stückzahlen geben, andere gehen davon aus, dass BMW ähnlich wie Mercedes-Benz mit der Submarke Maybach, eine besonders luxuriöse Alpina-Linie aufmacht. Rudolf Bögel

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