VonRudolf Bögelschließen
Mit dem stärksten Dreier aller Zeiten (529 PS) lässt es Alpina noch einmal krachen, bevor BMW Ende 2025 die Marke übernimmt. Ist der B3 GT besser als der M3?
Alpina-Kunden lieben Kombis. Das wird auch beim B3 so sein, rund zwei Drittel werden als Touring verkauft. Wie das Coupé und das Gran Coupé basiert der Kombi auf dem BMW M340i mit Allradantrieb, allerdings hat er einen besonderen Motor. Den des M3. 529 PS kitzeln die Buchloer aus dem drei Liter großen Reihensechszylinder heraus. Genau eine Pferdestärke weniger als beim eigentlichen M3. Einen Höflichkeitsabstand zum Dreier-Flaggschiff aus München will man auf jeden Fall einhalten. Dafür aber hat der B3 GT mit 730 Newtonmetern (Nm) deutlich mehr Drehmoment als der M3 mit seinen 650 Nm. Die brachiale Kraft setzt Alpina typisch schon bei 2.500 Umdrehungen pro Minute an, was einen souveränen Eindruck hinterlässt – schon bei entspannter Fahrweise. Da muss man nicht erst die Drehzahlen hochjagen, da genügt schon ein sanftes Tippen auf das Gaspedal. Kultiviert – mit einem Schuss Understatement, das ist ja auch das Credo bei Alpina.
Alpina B3 GT: Verbesserte Ansaug-Luftführung, größere Turbos
Warum der Motor zwar ähnlich stark ist wie der des M3, aber bei der Leistungsentfaltung anders tickt, das liegt hauptsächlich an den neuen und größeren Turbos aber auch an der verbesserten Ansaug-Luftführung. Nur so ist es möglich, dass der B3 GT im Bereich zwischen 1.500 und 5.500 U/min vor dem M3 liegt, danach spielt der Bolide der M-GmbH seine Hochdrehzahl-Stärken aus. Alpina-Geschäftsführer Andreas Bovensiepen klingt zufrieden, wenn er über den Antrieb spricht: „Wir haben das Ansprechverhalten geschärft und die Durchzugskraft gestärkt.“
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Genau das richtige Rezept für die Bedürfnisse der Alpina-Kunden, die kaum scharfe Runden auf der Rennstrecke drehen, sondern hauptsächlich auf den deutschen Autobahnen unterwegs sind. Am liebsten ziemlich flott. Alle GTs knacken die 300er-Marke, der schnellste ist die Limousine mit 308 km/h, Gran Coupe und Touring kommen auf 305 km/h. Der Vollständigkeit halber noch die Spurtwerte auf Tempo 100: 3,4 Sekunden benötigt die Limousine, 3,5 die beiden anderen. Und wer es genau wissen will: Von 0 auf 200 km/h geht es in 11,6, 11,9 und 12,0 Sekunden. Hier setzt sich die Limousine an die Spitze, das Schlusslicht bildet der Kombi.
Spezielles Dämpfer Set-up mit Eibach entwickelt
Souverän beschleunigen ist das eine, die Bärenkräfte gesittet und souverän auf die Straße zu bringen das andere. Aber auch hier setzt sich Alpina wie gewohnt an die Spitze, sowohl was die Agilität angeht als auch beim Komfort. Messerscharf in den Kurven, sanft und weich, wenn der Asphalt ruppig wird. Beim Fahrwerk haben die Alpinisten aus Buchloe an vielen Stellen nachgebessert. Hinten wurden die Dämpfer steifer an die Karosserie angebunden, vorne spannen sich zwei neue Domstreben über den Motorraum. Das sorgt für mehr Komfort aber auch für ein besseres Einlenkverhalten.
Mit dem Feder- und Dämpferangebot aus dem Hause BMW waren die Ingenieure nicht zufrieden. Zusammen mit Eibach wurde ein eigenes Set-Up entwickelt, und weil man schon dabei war, hat man auch die Stabilisatoren erneuert. Das Ergebnis kann man als gelungen bezeichnen. „Es geht nicht besser“, denken wir uns, als wir nach ein paar scharf gefahrenen Runden auf der eher zahmen Rennstrecke von Mallorca, aus dem Auto aussteigen. Hier und da ein kecker Hüftschwung – aber alles im kontrollierten Bereich. Die wahren Stärken des B3 und B4 GT lassen sich aber erst auf der Landstraße erfahren. Da ist auf der einen Seite dieser maximale Komfort, der einen von der Außenwelt entkoppelt. Nennen wir ihn Dr. Jekyll. Und dann gibt es noch diesen missgelaunten Mr. Hyde. Wenn es sein muss, fetzt der Alpina so präzise und machtvoll um die Kurven wie ein ungehobelter Sportwagen – nur kultivierter.
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Zwischen Kupfer und Gold: Neue Design-Farbe „Oro Tecnico“
Die GT-Versionen glänzen aber auch durch ein paar optische Features. Da ist zum Beispiel die neue Design-Farbe „Oro Tecnico“, irgendwas zwischen Kupfer und Gold. Man findet sie in den typischen Alpina-Felgen, auf den Dom-Streben im Motorraum, bei den Lenkrad-Nähten oder auf den Aluminium-Schaltwippen. Das Cockpit fällt BMW typisch aus – nur die Grafik im Digital-Tacho wird aus Buchloe zugeliefert. Im satten Alpina-Blau und etwas flotter als bei BMW. Unser Fazit: Noch nie war Alpina besser. Wer Geld auf der hohen Kante hat, der sollte nicht zaudern. Ein BT3 GT Touring kostet zwar knackige 102.900 Euro. Das ist aber nicht viel Geld für einen echten Alpina, der etwas bietet, das andere nicht haben: Souveräne Leistung, kultivierte Fahrdynamik und ausgeprägter Komfort. Außerdem sollte man sich einen der letzten echten Alpinas sichern – bevor BMW das Steuer übernimmt.
Wie es mit Alpina weitergeht
Womit wir bei der Zukunft sind: Mit einem neuen Auslieferungsrekord von mehr als 2.300 Fahrzeugen im Jahr 2025 wollen die Bovensiepens einen klangvollen Schlussakkord setzen. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen, um dann mit Alpina Classic Gas zu geben. Von den insgesamt rund 60.000 verkauften Fahrzeugen sind, Schätzungen zufolge, noch 45.000 unterwegs. Das ist eine gewaltige Flotte, die Originalteile braucht. Gleichzeitig haben die Buchloer auch ganz normale Kunden im Visier, die ihren BMW-Klassiker nachträglich aufwerten wollen. Mit den berühmten feingliedrigen Felgen zum Beispiel. Dass der Geschäftsführer und ehemalige Rennfahrer Andreas Bovensiepen die Autoproduktion endgültig an den Nagel hängt, dazu muss man nicht erst das Bleigießen an Silvester 2025 abwarten. Auch hier dürfte hinter den Kulissen schon einiges laufen. Denn natürlich können die Bovensiepens auch nach Ende 2025 neue Autos produzieren – allerdings dürfen sie dann nicht mehr Alpina heißen. Man darf gespannt sein auf das nächste Feuerwerk aus Buchloe. Was künftige Alpina-Modelle von BMW angeht, gibt es im Augenblick nur Spekulationen. Manche meinen, es werde Sondermodelle in kleinen Stückzahlen geben, andere gehen davon aus, dass BMW ähnlich wie Mercedes-Benz mit der Submarke Maybach, eine besonders luxuriöse Alpina-Linie aufmacht. Rudolf Bögel
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