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Für Sparer ist das private Vorsorgemodell nicht mehr rentabel. Woran das System krankt und was Verbrauchern jetzt noch bleibt.
Berlin – Die Riester-Rente, einst als Lösung für die Rentenlücke gepriesen, steht vor einem Scherbenhaufen. Neue Zahlen eines unabhängigen Geldratgebers offenbaren das erschreckende Ausmaß der Krise: Mehr als fünf Millionen Riester-Verträge wurden bis heute vorzeitig gekündigt – das entspricht jedem vierten der insgesamt 20 Millionen abgeschlossenen Verträge. Was Deutsche zur Vorsorge als Ergänzung zur Rente tun können.
Allein von Januar bis August 2025 kamen fast 220.000 Kündigungen der Riester-Verträge hinzu, wie finanztip.de berichtet. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte 2025 zum Rekordjahr für Riester-Kündigungen werden. Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip, fasst die Situation ernüchternd zusammen: „Die Riester-Rente startete vor fast 25 Jahren mit dem Versprechen, die Rentenlücke zu schließen und den Menschen eine verlässliche Altersvorsorge zu bieten. Dieses Vorhaben ist gescheitert.“ Nach der Rentenreform im Jahr 2000 entwickelte der damalige Bundesminister für Arbeit und Soziales, Walter Riester (SPD), das Konzept der privaten Zusatzrente für Bundesbürger.
„Frühstartrente“ der Bundesregierung soll Abhilfe schaffen
In der Kritik steht das private Modell unter anderem wegen der hohen Kosten, da auch Provisionen an Vermittler gezahlt werden. Die Verbraucherzentrale kritisierte zuletzt, dass Kosten anfallen, sobald Sparer von der Anspar- in die Auszahlungsphase übergehen. Zudem sinkt durch die Inflation der Wert des Geldes, das man später wieder ausgezahlt bekommt. Wegen geringer Zinsen gibt es auch nur geringe Chancen auf hohe Renditen.
Die Bundesregierung nimmt mit der für 2026 geplanten „Frühstartrente“ einen neuen Anlauf für ein staatliches Konzept. Dieses sieht vor, dass jedes Kind zwischen sechs und 18 Jahren monatlich zehn Euro vom Staat in ein Altersvorsorgedepot eingezahlt bekommt. Wie der Rest der Bevölkerung abgesichert werden soll, ist unklar.
Die Experten von Finanztip haben einen Fünf-Punkte-Plan für eine erfolgreiche Reform, das ein staatlich gefördertes Vorsorgedepot für Verbraucher vorsieht:
- Niedrigere Kosten, mehr Rendite: Einfache, standardisierte ETF-Produkte mit gedeckelten Gesamtkosten von maximal 0,5 Prozent pro Jahr
- Produkte ohne Garantien: Flexible Varianten zulassen – Produkte mit und ohne Garantien
- Flexible Auszahlmodelle: Wahlfreiheit bei der Auszahlung, etwa Teilentnahmen und vererbbare Auszahlungen
- Breite Beteiligung: Einführung von Opt-out-Systemen, bei denen automatisch gespart wird, sofern nicht aktiv widersprochen wird.
- Klare Steuerregeln: Vereinfachung durch pauschale Förderung, absetzbare Zusatzbeiträge und Unterstützung für Geringverdienende
Viele Deutsche unterschätzen, wie viel sie für ein finanziell abgesichertes Alter zurücklegen müssen. Finanztip hat anhand von 900 Musterfällen den individuellen Vorsorgeaufwand simuliert. Das Ergebnis ist alarmierend: Eine heute 30-jährige Frau mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 2700 Euro benötigt einen Gesamtbedarf von einer Million Euro, wenn sie mit 67 Jahren in Rente geht und 100 Jahre alt wird. Selbst bei einer konservativeren Schätzung von 20 Rentenjahren liegt die Rentenlücke immer noch bei über 500.000 Euro. Untersuchungen zeigen, ob Frauen für die Rente mehr investieren müssen als Männer.
Mit 30 müsste sie rund 430 Euro monatlich investieren, um die Rentenlücke aufzufangen. Beginnt sie erst mit 35 Jahren, steigt der Betrag auf etwa 540 Euro, mit Beginn ab 40 wären fast 690 Euro monatlich nötig. Besser: Wer frühzeitig 15 Prozent seines Nettogehalts in einen global gestreuten Aktien-ETF investiert, hat gute Chancen, die Inflation langfristig zu schlagen und im Alter finanziell abgesichert zu sein. Die Zeit drängt, denn jedes Jahr ohne adäquate Reform vergrößert die Rentenlücke für Millionen von Menschen in Deutschland.
Es gibt aber auch schon einfache Rechnungen, wie bei der staatlichen Rente 500 Euro mehr rausspringen. (Quellen: finanztip.de, verbraucherzentrale.de) (diase)
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