VonMoritz Bletzingerschließen
Penny verlangt eine Woche lang „wahre Preise“. Manche Produkte sind plötzlich doppelt so teuer. Der Discounter will ein Zeichen setzen, kassiert aber heftige Kritik.
München – Was ist denn da bei Penny los? Joghurt für 1,44 Euro statt 99 Cent, Maasdamer Käse springt von 2,49 auf 4,84 Euro und die Wiener Würstchen kosten 6,01 statt bislang 3,19 Euro. Das sollen die „wahren Preise“ für die Produkte sein. Von Montag (31. Juli) bis Freitag (4. August) läuft die Aktion.
Penny verlangt „wahre Preise“: Discounter rechnet Klimakosten drauf
Der Discounter rechnet die Umweltfolgekosten in den Preis mit ein. Heißt: Produkte, die der Umwelt schaden, kosten deutlich mehr. Im Fall der Wiener Würstchen von Wiesenhof setzt sich der „wahre Preis“ wie folgt zusammen:
- Normaler Verkaufspreis: 3,19 Euro
- + Klima: 0,94 Euro
- + Wasser: 0,09 Euro
- + Boden: 1,17 Euro
- + Gesundheit: 0,62 Euro
- Summe: 6,01 Euro
Für die Rechnung arbeiten Penny und Mutterkonzern Rewe mit der Technischen Hochschule Nürnberg und der Universität Greifswald zusammen. Gemeinsam wollen sie „die Grundlage schaffen, um die Diskussion über Lebensmittelpreise breiter zu fassen.“ Nur fraglich, wie die Aktion bei den Kundinnen und Kunden ankommt, schreibt auch hna.de von IPPEN.MEDIA.
„Effekthascherei“: Bauernverband kritisiert Penny-Aktionswoche – Experte denkt an Kunden
Der Deutsche Bauernverband ist schonmal nicht angetan von der Aktionswoche. Als „Greenwashing“ und „Effekthascherei“ tat er die „wahren Preise“ ab. Penny interessiere sich sonst wenig für faire Bepreisung, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Auch Marketing-Epxerte Hans-Willi Schroiff kann mit den „wahren Preisen“ wenig anfangen. Der CEO der Marketingberatung erklärte Focus.de: „Der Zeitpunkt ist problematisch, wo der Großteil der Konsumenten unter der immer noch hohen Inflation leidet.“ Die Inflation liegt in Deutschland aktuell bei 6,2 Prozent.
„Das hat schon was von Klimakleben“: Experte zerreißt „Wahre Preise“-Aktion von Penny
Ja, die Grundaussage, dass Raubbau kompensiert werden muss, sei verständlich, sinniert Schroiff. Trotzdem ist die Aktion für ihn zu aufdringlich. Er setzt zum Vergleich mit der „Letzten Generation“ an und sagt: „Ob aber jeder Kunde mit schmalem Geldbeutel versteht, dass er den Gürtel jetzt noch enger schnallen muss, um die Zukunft zu retten? Das hat schon etwas von Klimakleben.“
Die Aktion von Penny ändert erstmal gar nichts, kritisiert die Frankfurter Rundschau. Praxisnahe Aufklärung hin oder her, die Rahmenbedingungen müssen geändert werden. (moe)
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