- VonMilea Erzingerschließen
Die Krankenkassen rutschen tief in rote Zahlen. Eine Beitragserhöhung für Millionen Versicherte scheint unausweichlich. Auch bei Zusatzzahlungen droht ein spürbarer Anstieg.
Noch hat der sogenannte Schätzerkreis keine neuen Zahlen veröffentlicht, doch in Berlin herrscht Alarmstimmung. Hinter verschlossenen Türen wird über die Zukunft der Krankenkassen beraten, denn die Lücke in den Gesundheitsfinanzen wächst. Sollte die Regierung in den nächsten Tagen keine Lösung finden, drohen für Millionen Versicherte steigende Beiträge und höhere Zuzahlungen.
Krankenkassen unter Druck: Entscheidung über Beiträge steht kurz bevor
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) betont, das Ziel sei weiterhin, die Beiträge im kommenden Jahr stabil zu halten. Doch nach allem, was bisher bekannt ist, dürfte das schwierig werden. Laut Schätzungen fehlen der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung, trotz leicht verbesserter Konjunktur, jeweils rund zwei Milliarden Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Und das, obwohl die Krankenkassen bereits in diesem Jahr ordentlich angezogen haben.
Der Schätzerkreis, in dem Vertreter des Gesundheitsministeriums, des Kassen-Spitzenverbands und des Bundesamt für Soziale Sicherung sitzen, will bis zum 15. Oktober eine Prognose zur Finanzlage vorlegen. Auf Grundlage dieser Berechnung legt die Bundesregierung den durchschnittlichen Zusatzbeitrag fest, an dem sich die Krankenkassen orientieren, so die dpa weiter. Sollte keine Einigung auf Entlastungsmaßnahmen gelingen, dürfte dieser Beitrag erneut deutlich steigen.
Krankenkassen in der Kostenfalle: Experten warnen vor Milliardenloch und steigenden Eigenanteilen
Nach Einschätzung von Fachleuten und Studien, etwa der Unternehmensberatung Deloitte, könnte der Zusatzbeitrag um 0,4 Prozent von derzeit 2,5 auf 2,9 Prozent steigen. Doch der kurzfristige Anstieg ist nur ein Vorgeschmack auf das, was langfristig droht: Laut Deloitte könnte sich das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen bis 2030 auf bis zu 98 Milliarden Euro summieren. Bis 2050 könnte der Fehlbetrag sogar zwischen 140 und über 300 Milliarden Euro liegen, wenn keine tiefgreifenden Reformen kommen.
Im Ministerium wird auch über eine Erhöhung der Zuzahlungen diskutiert – zum Beispiel bei Medikamenten oder Hilfsmitteln. Im Gespräch ist eine Anhebung um bis zu 50 Prozent, um die Finanzlücke kurzfristig zu verkleinern. „Wenn man so eine Lücke schließen will, guckt man natürlich ganz viele Dinge an, aber nur weil man Dinge mal anschaut, heißt es nicht, dass die auch so kommen“, so Warken in einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).
Offiziell ist das daher noch nicht beschlossen, doch die Idee sorgt bereits für Kritik. Patientenschützer warnen, dass gerade chronisch Kranke oder Geringverdiener dadurch überfordert wären.
Die Ursachen für das wachsende Defizit sind längst bekannt, wie die dpa schreibt. Deutschland altert stärker, die Zahl der Beitragszahler sinkt, während die medizinischen Kosten steigen. Neue Therapien, teure Medikamente und die Personalknappheit im Gesundheitswesen treiben die Ausgaben zusätzlich an.
Das sind die Gründe, wieso die Ausgaben steigen könnten:
- Die Bevölkerung wird älter und kränker
- Neue, teure Therapien und Medikamente kommen auf den Markt
- Weniger Erwerbstätige zahlen in die Kassen ein
- Steigende Personalkosten im Gesundheitswesen
- Zunehmende Zahl chronisch Erkrankter
- Politische Leistungsausweitungen ohne Gegenfinanzierung
Insgesamt zeigt die Deloitte-Analyse deutlich, dass das deutsche Gesundheitssystem ohne tiefgreifende Reformen auf eine finanzielle Schieflage zusteuert. Die Experten sehen in gezielten Einsparungen, einer gerechteren Kostenverteilung und Anreizen für gesundes Verhalten mögliche Wege aus der Krise, doch ob die Politik den Mut zu solchen Schritten aufbringt, bleibt offen. Wie Echo24.de berichtet, sollen auch die Sozialabgaben steigen, weshalb manche Arbeitnehmer und Rentner ab 2026 mehr Geld zahlen müssen.
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