Viele Menschen haben Bedenken gegenüber Hunden aus dem Tierheim. Wir zeigen, was an den Vorurteilen dran ist und warum die Tiere oft pflegeleichter sind als ihr Ruf.
Unzählige Hunde warten in deutschen Tierheimen auf eine neue Familie. Und trotzdem wird nur ein Bruchteil der neu angeschafften Tiere aus dem Tierschutz adoptiert. Denn einerseits wünschen sich viele Menschen lieber einen Rassehund vom Züchter – und andererseits gibt es einige hartnäckige Vorurteile gegenüber Tierheimhunden. Wir haben mit Dr. Eva-Maria Natzer vom Münchner Tierheim gesprochen, um zu prüfen, was an diesen Vorurteilen dran ist. Wie Sie einen Hund aus dem Tierheim in fünf Schritten adoptieren, erfahren Sie hier.
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1. Vorurteil: Tierheimhunde haben Verhaltensstörungen
Das häufigste Vorurteil gegenüber Tierschutzhunden ist sicherlich, dass die Tiere alle traumatisiert und verhaltensgestört sind. „Das stimmt natürlich nicht“, stellt Dr. Natzer klar. „Die Tiere kommen auf völlig unterschiedlichen Wegen zu uns. Manchmal ist einfach nur der vorherige Halter gestorben oder erkrankt und kann sich nicht mehr um das Tier kümmern. Doch bis dahin war das Tier ein Leben lang in besten Händen.“
Nur ein sehr kleiner Teil der Tiere wurde tatsächlich aus unwürdigen Verhältnissen geholt. Und das wissen und kommunizieren die Angestellten des Tierheims dann auch. In solchen Fällen bereiten sie die neuen Besitzer dann bestmöglich auf das Zusammenleben mit dem Tier vor.
2. Vorurteil: Im Tierheim gibt es keine Auswahl
Sehr oft kaufen sich Menschen ein Tier beim Züchter, weil sie unbedingt einen ganz bestimmten Rassehund haben möchten. Doch auch im Tierheim ist die Auswahl an Hunden riesig: „Es gibt fast keine Rasse, die wir nicht haben“, erklärt Dr. Natzer. „Wir haben lediglich nicht immer alles auf Knopfdruck verfügbar. Wenn Sie eine ganz bestimmte Rasse suchen, schauen Sie am besten in mehreren Tierheimen.“ Manchmal ist dann vielleicht ein wenig mehr Geduld nötig – doch ein Hund sollte ohnehin kein Spontankauf sein.
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3. Vorurteil: Selbst erzogene Tier passen besser zum eigenen Lebensstil
Hunde sind Persönlichkeiten und jedes Tier hat einen ganz eigenen Charakter. Und es stimmt: Wenn ein Mensch einen Welpen großzieht, wird sich das Tier während der Sozialisation gut an dessen Wesenszüge anpassen. Auf der anderen Seite ist es auch immer ein Glücksspiel, wenn Sie einen Hund bereits als Welpen aufnehmen. Denn viele charakterliche Eigenschaften sind in diesem Alter noch überhaupt nicht ausgebildet. Wenn diese sich dann mit der Zeit entwickeln, kann es leicht zu Überraschungen kommen.
Im Tierheim adoptieren Sie hingegen oft erwachsene Tiere, die bereits eine Erziehung genossen haben. So sparen Sie sich einerseits die zeitintensive Erziehung eines Welpen, den Sie zum Beispiel erstmal stubenrein bekommen müssen. Und auf der anderen Seite kennen die Mitarbeiter im Tierheim ihre Tiere meist sehr gut. Sie wissen also um deren Eigenheiten und charakterlichen Besonderheiten: „Wir schauen natürlich immer, dass der Erziehungsstand eines Hundes zu den Fähigkeiten des neuen Halters passt“, versichert Dr. Natzer.
4. Vorurteil: Tierheimhunde haben alle möglichen Krankheiten
Eines der hartnäckigsten Vorurteile ist, dass Tierheime Hotspots für Tierseuchen wären. In der Realität arbeiten deutsche Tierheime jedoch sehr eng mit Tierärzten zusammen, um Infektionskrankheiten und Parasiten zu unterbinden. Die Vorgaben in Bezug auf Hygiene, medizinische Behandlungen und Quarantänemaßnahmen werden streng kontrolliert. Darum ist die große Masse an Tieren kerngesund. Dr. Natzer stellt außerdem klar: „Alle unsere Tiere haben die üblichen Schutzimpfungen bekommen und sind gechipt, wenn wir sie vermitteln.“
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5. Vorurteil: Hunde aus dem Tierheim sind nichts für Anfänger
Oft hört man, dass Hunde aus dem Tierheim zwar ethisch die bessere Wahl, aber leider nur etwas für erfahrene Hundehalter seien. Auch dies ist ein unbegründetes Vorurteil. Denn so verschieden die einzelnen Hunde im Tierheim sind, so verschieden sind auch die Ansprüche an die möglichen Halter: „Es gibt im Tierheim jegliche Art von Verhaltensauffälligkeiten“, räumt Dr. Natzer ein. „Aber auch jegliche Art von Normalität.“ Es gibt also in Bezug auf Alter, Größe und Erziehung für jeden Interessierten auch den richtigen Hund.
Und wenn Sie sich als erfahrene Person für ein Tier mit einer schwierigen Vorgeschichte entscheiden, kann auch dies eine sehr befriedigende Aufgabe sein. Und dafür winkt Ihnen die schönste Belohnung überhaupt: Sie erleben live mit, wie es einem hilfsbedürftigen Tier mit der Zeit besser und besser geht – wie es Vertrauen schöpft und neuen Lebensmut entwickelt. Fünf Vorurteile über Katzen – und was an ihnen dran ist – lesen Sie hier.
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