Krebs: Bluttest soll Tumore früher erkennen können – scharfe Kritik an Vorsorge-Versicherung
Mithilfe von Bluttests sollen mehrere Tumorarten bestimmt werden können. Vonseiten mancher Experten hagelt es jedoch Kritik.
Update vom 19. Juli 2023: Patienten sollen jedes Jahr einen Bluttest auf Krebs (PanTum Detect) machen können. Dafür wirbt eine große Versicherung in einem Versicherungspaket mit dem Namen „Krebs-Scan“, welches neben dem Bluttest auch anschließende Untersuchungen (zum Beispiel Positronen-Emissions-Tomographie, PET/CT) beinhaltet. Laut dem Hersteller, die den Bluttest entwickelt hat, sollen mithilfe des Tests Tumore früher erkannt werden und dadurch „Menschenleben gerettet werden“. Kritik hagelt es jedoch nun nicht nur vonseiten der Krebsgesellschaft.
Prof. Dr. med. Jutta Hübner leitet in der Krebsgesellschaft die Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Onkologie. Die Expertin kritisiert eine Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf, die bei dem Versicherungspaket eine wichtige Rolle spielt, zur Wirksamkeit des Tests. Laut Hübner erfüllt die Studie grundlegende wissenschaftliche Standards nicht, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) Online berichtet. Zudem soll sie keine Belege dafür liefern, dass Menschen – bei denen der Bluttest ein positives Ergebnis anzeigt – deshalb besser behandelt oder sogar geheilt werden können. In ihren Augen wird von der Versicherung ein Produkt vermarktet, von dem es keinen Nachweis einer Wirksamkeit oder positiven Ergebnissen gibt. „Es ist Scharlatanerie“, sagt die Medizinprofessorin. Neben Hübner gibt es weitere skeptische Stimmen sowie Kritikpunkte aus der Wissenschaft und von Verbraucherzentralen zum Krebs-Scan, wie NDR Online berichtet.
Krebs erkennen: Bluttest soll Tumore bestimmen können
Erstmeldung vom 13. Juni 2023: Innerhalb der Krebsforschung wird auf den Bereich der Früherkennung ein besonderer Fokus gelegt, da diese zum Behandlungserfolg enorm beitragen kann. Um einen Tumor frühzeitig festzustellen, gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, Bluttests durchzuführen. Der sogenannte Galleri-Test soll beispielsweise 50 unterschiedliche Krebsarten bestimmen können und den Ursprung eines Tumors lokalisieren. Ein weiterer Bluttest, der inzwischen von einer großen Versicherung beworben wird, soll ebenfalls zur Früherkennung eingesetzt werden können.
Krebs erkennen: Mithilfe von Bluttest sollen Tumore erkannt werden
Je früher eine Krebsart oder ein Tumor erkannt wird und die Therapie angesetzt werden kann, desto höher ist in den meisten Fällen die Chance auf Heilung. Deshalb wurden in der Vergangenheit nicht nur Behandlungsmethoden verträglicher und deren Wirkung zielgerechter gemacht: Gleichzeitig wurde auch die Früherkennung von Krebs verbessert. So soll der Bluttest „PanTum Detect“ beispielsweise andere Früherkennungsverfahren ergänzen. Sollte dieser ein auffälliges Ergebnis liefern, kann mit bildgebenden Verfahren wie PET/CT und MRT geprüft werden, ob sich der Verdacht tatsächlich bestätigt.
Nach Angaben der Versicherung sollte allerdings „bei akutem Verdacht auf eine vorliegende Tumor- oder Krebserkrankung oder bei Vorliegen einer Symptomatik, die auf Krebs hindeuten kann (z. B. Blut im Stuhl oder Urin, starke Schmerzen, starker Gewichtsverlust, etc.) grundsätzlich ein Facharzt konsultiert werden“. Zudem eigne sich der „PanTum Detect“-Test bei einem akuten Krebsverdacht aufgrund des Vorliegens einer bestehenden Symptomatik nicht zur Diagnose, da diese ausschließlich Fachärzten obliege.
Krebs-Früherkennung: Kritik an Bluttests - Ergebnisse könnten Menschen beunruhigen
Wenn es um Krebserkrankungen geht, hoffen sich sowohl Patienten als auch Ärzte frühe Gewissheit. Allerdings zeigen sich manche Experten gegenüber den Bluttests skeptisch. Laut einem Bericht von Deutschlandfunk online hält Professor Michael Neumaier, Leiter des Instituts für Klinische Chemie der Universitätsmedizin Mannheim, jeden Patienten, der bei einem Krebstest ein falsch positives Ergebnis erhält, für einen Patienten zu viel: „Das bedeutet, dass Sie diese Menschen beunruhigen – im weit überwiegenden Prozentsatz unnötig – diese Menschen in eine Situation bringen, in der sie sich in die Hände von Ärzten begeben, um weitere Diagnostik über sich ergehen zu lassen, die sehr teuer ist, und aufwändig und auch belastend sein kann.“ Er ist daher der Meinung, dass man bei der Krebsfrüherkennung grundsätzlich behutsam vorgehen muss, auch wenn es über die Jahre hinweg immer neue Fortschritte gebe und viele Fachleute große Hoffnungen darauf setzen.
Erhöhtes Krebsrisiko: Elf Lebensmittel begünstigen das Tumor-Wachstum
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.