Eine neue Untersuchungsmethode für menschliches Blut wird als Durchbruch in der Krebsforschung beschrieben. Bis zu 50 Tumor-Arten sollen jetzt frühzeitig erkennbar sein.
Krebs ist neben einigen anderen Leiden Volkskrankheit Nummer Eins. Laut dem Statistischen Bundesamt starben im Jahr 2021 über 237.000 Menschen an Krebs, übertroffen nur von 340.000 Toten aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das macht Krebs in fast 25 Prozent der Todesfälle zur Todesursache.
Ein neuer Bluttest soll ein Lichtblick für die Zukunft sein. Mit einer neuen Untersuchungsmethode will man jetzt 50 Krebsarten im Blut erkennen können.
6.000 Personen getestet: Bluttest für Krebserkrankungen mit vielversprechendem Ergebnis
Die gute Nachricht, die die Krebsforschung voranbringen soll, wurde bereits im September 2022 bekannt gegeben. Auf einem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Onkologie (ESMO) stellten Forscher die neue Methode vor, die Krebs nicht nur im Blut erkennen kann, sondern auch noch Aufschluss darüber geben soll, um welche Art von Tumor-DNA es sich handelt und an welcher Stelle im Körper die Zellveränderung aufgetreten ist.
Den Bluttest führte das Forschungsteam der sogenannten Pathfinder-Studie mit 6.621 Probanden im Alter von über 50 Jahren durch. Bei allen Teilnehmenden an dem Test waren zuvor keine Krebserkrankungen bekannt gewesen. Bei 1,4 Prozent der Testpersonen zeigte der Test ein positives Ergebnis an, nachdem das Blut auf Tumor-DNA, genauer auf Krebszellen, die zellfreie DNA ins Blut abgeben, untersucht wurde.
Nach weiteren Tests konnte man feststellen, dass von diesen 1,4 Prozent etwa ein Drittel, nämlich 38 Prozent der Testpersonen mit positiven Testergebnissen, tatsächlich eine Krebserkrankung hatten. Diese erstreckten sich über 15 verschiedene Organe und Gewebestellen. Ein Durchbruch für die Krebsforschung: „Diese Studie deutet darauf hin, dass es Hoffnung gibt, Krebsarten zu erkennen, die derzeit nicht erkannt werden können“, erklärte Studien-Leiterin Dr. Deborah Schrag, eine Magen- und Darm-Onkologin aus New York, laut einer Pressemitteilung von ESMO. In der alltäglichen Medizin sei der Test aktuell noch nicht einsetzbar, aber: „Dies ist ein Hinweis darauf, was die Zukunft mit einem wirklich ganz anderen Ansatz für die Krebsvorsorge bringen könnte.“
Ausblick in die Zukunft: Mehr Tests sollen neuen Bluttest zur Krebserkennung ausbauen
So weit, dass der Bluttest bald in jeder Arztpraxis durchgeführt werden kann, sind die Forscher leider noch nicht. Allerdings wurde in den letzten Jahren ein beachtlicher Fortschritt erzielt. 2018 berichtete die Krebsgesellschaft.de von den Forschungen eines ähnlichen Bluttests, der ebenso Krebsarten erkennen sollte, für die es noch keine Screening-Methoden gab. Dabei wurden allerdings die Hälfte der Tumore im frühen Stadium nicht erkannt, auf die der Test ausgerichtet war. Der Test wurde mit 1.005 Patienten durchgeführt, bei denen Krebs bereits diagnostiziert worden war.
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Auch jetzt ist die Forschung noch nicht am Ziel. Wie ESMO mitteilte, wolle man in Zukunft mehr Tests durchführen, um Vergleiche zu schaffen. Außerdem wolle man laut Schrag den Test weiter sensibilisieren, damit er Tumor-DNA noch gezielter von gesunder DNA unterscheiden könne.
„Der Zweck der Krebserkennung ist es nicht, die Fälle von Krebs zu reduzieren, sondern die Sterberate“, so Schrag. Wie die Methode für frühzeitige Krebserkennung diese Rate beeinflussen kann, werde sich in Zukunft zeigen. Als Nächstes will die Studie mit 140.000 asymptomatischen Personen in England einen weiteren Testdurchlauf starten.
Für welche Krebsarten von Vorteil: Bekämpfung von schwer erkennbaren Tumoren soll einfacher werden
Die Pathfinder-Studie ist insofern bahnbrechend, weil es die erste Studie ist, die mit Patienten ohne Diagnose arbeitet und die im Gegensatz zu vorangegangenen Studien, die bereits bekannte Tumore nicht erkannten, sogar vermehrt falsch-positive Ergebnisse lieferte.
Für die Behandlung schwer feststellbarer Krebsarten ist das ein Vorteil. Michael Hallek von der Uniklinik Köln sagte gegenüber dem MDR Wissen: „Die Krebserkrankungen des oberen Bauchraumes, Gallengangskarzinom, Pankreas oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, sind häufig schon fortgeschritten, wenn man sie feststellt und sehr häufig extrem schlecht zu behandeln.“
Der neue Bluttest soll in solchen Fällen frühzeitig die Tumor-DNA erkennen. Genaue Diagnosen können dann anschließend mit Röntgen-, Ultraschall-, Gewebe- und Zelluntersuchungen aufgestellt werden.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.
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