Mehr Leistung und leichtere Bedienung

Ladesäule der Zukunft: Praktisch, schnell und bestens vernetzt

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Der Ladesäule kommt eine immer größer werdende Bedeutung zu. Die E-Zapfsäule der Zukunft ist ein Hightech-Computer, der ganz nebenbei noch laden kann.

In einer Stadt wie München sind die Ladesäulen der Zukunft zum Teil bereits zu sehen. Hier braucht man kein Kabel mehr einzustecken; das Kabel selbst lässt sich aus der Säule herausziehen und problemlos mit dem Fahrzeug verbinden. In einigen Städten werden erste Straßenlaternen in Betrieb genommen, die ganz nebenbei auch das unter ihr parkende Elektroauto mit Strom versorgen können.

Trotzdem ist die Zahl der Ladesäulen in einem Land wie Deutschland aktuell unzureichender denn je. Doch noch mehr hapert es an Schnellladesäulen, sogenannten Hyperchargern, die mit mehr als 150 Kilowatt das Akkupaket des Elektroautos erstarken lassen. Was bringen einem die Ladeleistungen der neuen Elektrofahrzeuge von 200, 270 oder 350 Kilowatt, wenn die Ladesäulen den elektrischen Strom nur in die Batterie tröpfeln lassen?

Schnellladesäulen sind in Deutschland noch immer Mangelware.

Ladesäule der Zukunft: Praktisch, schnell und bestens vernetzt

Sind normale Ladesäulen mittlerweile in die Parkplatzlandschaften der Innenstädte integriert, so sieht das bei Schnellladesäulen gerade an den großen Verbindungsstrecken ganz anders aus. Die befinden sich an Tankstellen zumeist in einem unattraktiven Nebenbereich, die großen Ladeparks liegen in Industriegebieten, in die man sich ohne das dringende Ladebedürfnis kaum trauen würde. Gerade abends und nachts ist es dort schlecht ausgeleuchtet und man sucht ein kulinarisches Angebot für Kurzweil und Appetit weitgehend vergeblich. Doch mittlerweile gibt es erste Beispiele, wie man es besser machen kann.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Der niederländische Ladeanbieter Fastned eröffnete jüngst den Ladepark West in Bochum. Im Herzen des Ruhrgebiets und in direkter Umgebung zu Autobahnen wie A40, A43 oder A44/A45 gibt es nicht nur Schnellladesäulen, sondern auch ein ansprechendes Gastronomieangebot. „Mit großzügigen, zuverlässigen und überdachten Schnellladestationen mit einem attraktiven und zeitgemäßen Zusatzangebot schaffen wir es, dass mehr Menschen auf Elektromobilität umsteigen“, sagt Fastned-CEO Michiel Langezaal, „um nachhaltige Mobilität in Deutschland voranzubringen und uns unabhängiger von fossilen Energieträgern werden zu lassen, benötigen wir noch viel mehr solcher Ladestationen, vor allem in den Ballungszentren.“ Zehn Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung von 300 kW lassen die Akkupakete für die Weiterfahrt schnell erstarken. „Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein zum Klimaschutz und für eine nachhaltige Mobilitätswende. E-Autos und E-Bikes boomen; jetzt ist es wichtig, dass auch die Infrastruktur – wie hier vor Ort – mitwächst“, so der nordrhein-westfälische Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer.

Ladesäule der Zukunft: Nachladen besonders einfach, wenn es keine Zeit vergeudet

Leichter tun sich Einkaufszentren, Supermärkte, Kinos oder Imbissketten. Hier gibt es nicht nur den benötigten Starkstrom für die Ladestationen, sondern auch die Unterhaltung für die Zeit des Nachladens. Zudem sind die Park- und Ladebereiche zumeist gut ausgeleuchtet. An belebten Wochenenden kommt es an den ersten Ladestationen an Autobahnen und Einkaufszentren mittlerweile jedoch zu Staus. Gerade an den Hauptverkehrsstrecken wollen viele in kurzer Zeit nachladen und sich die Zeit des Wartens – allein oder mit der Familie – noch etwas vertreiben.

Besonders einfach ist das Nachladen für die Autofahrer eben dann, wenn es keine Zeit vergeudet. Neben dem Einkaufen sind hier Restaurants, Sportstätten, Arbeitsplätze oder der Parkplatz besonders einfach. Vorteil: Parkt das Auto eine längere Zeit an einem Ort, müssen die Ladeleistungen auch nicht so hoch sein.

Ladesäule der Zukunft: Laternen werden zu Strom-Tankstellen

Wie das aussehen könnte, demonstriert die Berliner Firma Ubitricity in England, wo beginnend mit London mehr als 5.500 Straßenlaternen mit Ladefunktion in Betrieb sind. Daniel Kunkel, CEO von Ubitricity, das zum Shell-Konzern gehört: „In vielen europäischen Städten ist der urbane Raum bereits ausgereizt und mit den Laternenladepunkten von Ubitricity lösen wir diese Herausforderung und bieten Fahrern bequeme und kostengünstige Lademöglichkeiten direkt vor ihrer Haustür.“

Laternen können nicht nur die Straßen erleuchten, sondern auch als Ladesäulen für Elektroautos dienen.

In Wohnbereichen wurden die Ladestationen in die vorhandenen Straßenlaternen integriert. Erste Resultate aus der britischen Metropole zeigen, dass überall dort, wo das Laternenparken samt Laden möglich war, die Anzahl der Elektroautos schnell anstieg. In Berlin wurden zum Sommer 200 Laternen mit Ladefunktion in Betrieb genommen. Neu ist die Idee jedoch nicht, schon Peter Lustig lud vor rund 40 Jahren einen eGolf an einer Parkuhr.

Ladesäule der Zukunft: 4G und 5G spielen bei Vernetzung wichtige Rolle

Wichtiger denn je, dass die Ladesäulen auch funktionieren. Defekte treten aktuell jedoch vergleichsweise häufig auf. Das soll sich zukünftig ebenfalls ändern. Der Elektronikhersteller Ericsson hat mit Ladeanbieter Blue Corner sowie dem Mobilfunknetzbetreiber Orange Belgium und den Beratern von Arthur D. Little einen Bericht über das vernetzte Laden von Elektrofahrzeugen veröffentlicht.

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Hiernach spielt das Mobilfunknetz via 4G und 5G eine zentrale Rolle bei der Vernetzung von Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Olivier van Schap, Geschäftsführer von Blue Corner: „Mit einem Netz von über 10.000 Ladepunkten in ganz Europa arbeiten wir an einer nachhaltigeren Gesellschaft, indem wir die Kohlenstoffemissionen durch innovative Ladelösungen reduzieren. Mit unserem Konnektivitätspartner Orange Belgium und seinen IoT-Lösungen, die von Ericsson IoT Accelerator unterstützt werden, können wir sicherstellen, dass unsere Ladestationen immer vernetzt und gut gewartet sind, sodass wir die Bedürfnisse der Fahrer schon heute erfüllen können.“

Ladesäule der Zukunft: Plug and Charge macht Nachladen einfacher

Zumindest das Laden selbst wird einfacher. Zum Teil durch die Ladekabel, die bei Hochgeschwindigkeitsladern obligatorisch an der Säule hängen und nur ins Fahrzeug eingesteckt werden müssen. Zudem wird das Handling an der Ladesäule selbst einfacher. Immer mehr Autohersteller bieten den sogenannten Dienst Plug and Charge an. Heißt, dass man die Ladesäule nicht mehr per Chipkarte oder App freischalten muss, sondern die Säule, das Auto und den Nutzen automatisch erkennt und abrechnet.

Das Vorhalten der Ladekarte könnte bald der Vergangenheit angehören.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Für Diskussionen sorgen die Forderungen nach der Reservierung einer Ladesäule. Dies wäre nach Vorbild eines Shared Mobility Dienstes problemlos möglich. Beim Car-Sharing lassen sich Fahrzeuge 15 bis 20 Minuten im Voraus reservieren. Vielleicht auch ein Modell für die Ladesäulen der Zukunft. (Patrick Solberg/press-inform)

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