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Was ist in Honig wirklich drin? EU deckt massenhaft Betrug auf 

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Fast die Hälfte des Honigs, den die EU importiert, ist gepanscht. Statt reinen Bienenhonig kaufen Verbraucher ohne ihr Wissen gefälschte Produkte.

Berlin – Honig ist lecker, und – in Maßen – auch noch gesund. Doch nicht überall, wo Honig draufsteht, ist auch welcher drin. „Die Betrüger nutzen die Lücken in der Lebensmittelüberwachung schamlos aus“, erklärte Chris Methmann, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. Denn nur durch modernste Analysemethoden können Behörden mögliche Fälschungen erkennen. Und die stehen nicht ausreichend zur Verfügung.

In der Vergangenheit haben Fälscher Honig bereits mit Zuckersirupen aus Maisstärke oder Zuckerrohr gepanscht, wie die Agence France-Presse (afp) mitteilt. Mittlerweile verwenden sie demnach jedoch Sirupe, die hauptsächlich aus Reis, Weizen oder Zuckerrüben hergestellt werden – ein Betrug, der von den meisten Laboren technisch nicht entdeckt werden könne.

EU deckt Betrug auf: Honig-Importe sind zu 46 Prozent gepanscht

Die Europäische Kommission hat daher das Labor der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) beauftragt, mittels moderner Methodik 320 Honigproben zu untersuchen. Die Ergebnisse der Studie sind bedenklich: In 46 Prozent der Proben konnten billigere Zuckersirupe – unter anderem aus Reis, Weizen oder Zuckerrüben – nachgewiesen werden.

Das ist nach EU-Recht verboten. Die Vorgaben lauten: Honig muss als Naturprodukt rein und frei von anderen Stoffen und sogar von Wasser sein, mit denen das Volumen des Produkts erhöht werden könnte. Nach der Veröffentlichung des EU-Berichts fordert die Nichtregierungsorganisation (NGO) Foodwatch striktere Kontrollen in Deutschland. „Verbraucher und Verbraucherinnen haben jahrelang gefälschten Honig in Supermärkten gekauft, ohne es zu wissen“, so Geschäftsführer Methmann.

Fast die Hälfte des Honigs, den die EU importiert, ist gepanscht. (Symbolbild)

Honig-Betrug: Vereinigtes Königreich kommt auf 100 Prozent Verdachtsfälle

Die Quote der Fälschungen ist laut Informationen der afp mit 46 Prozent etwa dreimal so hoch wie während des letzten EU-Kontrollberichts von 2015 bis 2017. Damals lag der Anteil der beanstandeten Proben bei lediglich 14 Prozent. Von den 21 in Frankreich entnommenen Proben waren demnach sogar nur vier „echter Honig“. In Deutschland war die Hälfte der 32 entnommenen Proben zumindest verdächtig. Im Einzelnen wurden 74 Prozent der 89 Honige aus China beanstandet, ebenso wie fast alle aus der Türkei importierten Honige.

Aus dem Vereinigten Königreich eingeführter Honig wies eine noch höhere Verdachtsrate auf: Für ihn gibt der EU-Bericht einen Wert von 100 Prozent der Proben an. Das sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass der Honig in anderen Ländern erzeugt und im Vereinigten Königreich vor der Wiederausfuhr in die EU weiter verschnitten würde. Die EU importiert jährlich 175.000 Tonnen Honig aus Drittländern, was 40 Prozent ihres Verbrauchs entspricht, und ist damit der weltweit zweitgrößte Honigimporteur hinter den USA.

Methmanns Vorgänger als Geschäftsführung von Foodwatch Deutschland, Thilo Bode, bemängelt in seinem neuen Buch generell, dass Kunden im Supermarkt nicht mehr erkennen können, was für eine Qualität sie kaufen. (na/afp)

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

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