VonMaximilian Hertelschließen
In Frankreich hat eine Supermarktkette seit dieser Woche der Preiserhöhung von Lebensmitteln durch sogenannten „Mogelpackungen“ den Kampf angesagt.
Kassel – „Mogelpackungen“ oder „Schrumpfpackungen“ gehören zu den Tricks der Lebensmittelhersteller, um Preissteigerungen durchzuführen, ohne dass der Verbraucher zwangsweise etwas davon mitbekommt. Diesen listigen Tricks der Lebensmittelindustrie hat nun eine Supermarktkette etwas entgegenzusetzen.
Durch Beschriftungen auf den Verpackungen der betroffenen Lebensmittel wird dem Kunden suggeriert, dass sich der Preis durch das Verhältnis zur Menge des Inhalts verändert hat.
Die französiche Supermarktkette Carrefour weist seine Kunden auf gestiegene Preisen hin
Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich stoßen Preiserhöhungen oft auf Unverständnis. Insbesondere dann, wenn die Rohstoffpreise für die Lebensmittelherstellung sinken. Die französische Lebensmittelkette Carrefour will dies seinen Kunden nicht weiter zumuten – berichtet die britische Tageszeitung Guardian.
Carrefour habe seit dieser Woche 26 Produkte mit der Aufschrift „Bei diesem Produkt ist das Volumen oder das Gewicht gesunken und der effektive Preis des Lieferanten gestiegen.“ gebrandmarkt. Für Verbraucher werde somit offensichtlicher, wenn die Packung bei gleichbleibenden Priesen schrumpft. Zuvor war dies nur durch den Kilogramm- oder den Literpreis ersichtlich.
„Mogelpackungen“ unter anderem bei Produkten von Nestlé und PepsiCo
Als Beispiele zählt der Guardian die Hersteller Nestlé und PepsiCo auf. Der Lipton Eistee Pfirsich von PepsiCo habe seinen Inhalt von 1,5 Liter auf 1,25 Liter reduziert. Ähnlich verhalte es sich bei der Säuglingsnahrung Guigoz von Nestlé, die eine Verringerung des Inhalts von 900 Gramm auf 830 Gramm erfahren habe. In beiden Fällen ergebe sich eine effektive Preissteigerung für die Hersteller.
Auch der Geschäftsführer von Carrefour und Leiter der Lebensmittellobby FDC, Alexandre Bompard, äußerte sich dazu. Er prangerte das mangelnde Engagement der Lebensmittelhersteller an, bei gefallenen Kosten die Preise für die Verbraucher zu senken. Rückendeckung sollte er dabei von dem französischen Finanzminister Bruno Le Maire bekommen, der bereits im Juni Einzelhändler und Verbrauchergruppen dazu aufgefordert hatte, die Preise zu senken.
Der Kampf gegen die „Mogelpackungen“ – Verbraucherschutz oder Eigeninteresse?
Laut dem Guardian bestehe der Verdacht, dass es bei der Anprangerung der „Mogelpackungen“ nicht nur um eine noble Geste seitens Carrefour gegenüber den Verbrauchern gehe. Vielmehr handle Alexandre Bompard aus Eigeninteresse.
Durch die öffentliche Zurschaustellung der Tricks der Lebensmittelindustrie solle Druck auf die führenden Hersteller ausgeübt werden. Das würde bei den anstehenden Preisverhandlungen bis zum 15. Oktober die Position der Supermarktkette Carrefour deutlich verbessern.
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