Start ab 2026

Neuer Schub fürs Robo-Taxi: Elektro-Zweisitzer von Rimac soll die Straßen erobern

Um Robo-Taxis wurde es zuletzt ziemlich ruhig. Nun startet Mate Rimac einen Anlauf: Der rein autonom fahrende Verne soll schon bald die Straßen erobern.

An verrückten Ideen mangelt es Mate Rimac nicht, das hat er mit vielen Menschen gemein. Doch während die allermeisten ihre Spinnereien irgendwann abschreiben, gehört der in Frankfurt aufgewachsene Kroate zu den wenigen, die sie auch umsetzen. So hat er mit dem Nevera einen der schnellsten elektrischen Sportwagen der Welt gebaut, hat sich als europäische Antwort auf Elon Musk zum elektrischen Entwicklungshelfer für Großkonzerne wie VW, Hyundai oder BMW aufgeschwungen und zuletzt die Spitze bei Bugatti übernommen und dort gerade den Chiron-Nachfolger Tourbillon eingeführt.

Doch wer glaubt, damit soll es dann mal genug sein, der kennt ihn nicht so gut wie seine Frau Katarina. Die hat ihm offenbar gleich angesehen, dass ihn und seine zwei Freunde Marko Pejković and Adriano Mudri noch eine weitere Idee umtreibt und es ganz sicher keine Ruhe gibt, bis das Trio nicht zumindest versucht hat, sie auch umzusetzen. Das war 2019 und jetzt wird es tatsächlich ernst.

Das Robo-Taxi Verne soll 2026 zunächst in Zagreb an den Start gehen.

Robo-Taxi von Rimac: Als Namensgeber diente Jules Verne

Fünf Jahre nach unzähligen Brainstormings, Studien und Testfahrten sowie mehrere 100 Investitions-Millionen später hat er jetzt in Zagreb das Tuch von Verne gezogen – einer Vision, die unser aller Mobilität von Grund auf verändern soll. Denn Verne ist nicht nur ein neues Auto, das autonom fährt. Sondern Verne ist eine Service-Plattform und ein Unternehmenskonzept, das die Vision vom Robotaxi – auch Apple stellte ein Projekt in dieser Richtung ein – endlich Wirklichkeit werden lassen soll. Und anders als sein Idol und Namensgeber Jules Verne denkt Rimac dabei nicht in Jahrzehnten oder Jahrhunderten, sondern ausgesprochen kurzfristig: Schon 2026 soll die Robo-Flotte in Zagreb an den Start gehen, und kurz darauf in zehn anderen Städten, darunter vier in Deutschland, stellt Pejković in Aussicht, der die Verne-Geschäfte führt.

Zentrales Element des Projekts ist ein Auto, das gegenwärtiger aussieht als gedacht: Ja, die Frontscheibe ist weit geneigt, es gibt Schiebetüren, die wegen der kurzen Überhänge nach vorne öffnen und im Dach ein kreisrundes Fenster, das an die Bullaugen von Jules Vernes U-Boot Nautilus erinnert. Aber weder ist der Verne eine Raumkapsel auf Rädern noch ein Toaster, wie Designer Mudri die autonomen Kleinbusse abschätzig nennt, die auf kleiner Fläche maximalen Raum für urbane Shuttle bieten wollen.

Konzeptautos der Extreme: Zehn spektakuläre Einzelstücke, die nie in Serie gingen

Das Renault Trezor Renault concept
Platz 10 – Renault Trezor Concept (2016): Auf dem Pariser Autosalon im Jahr 2016 präsentierte Renault einen echten Hingucker: Die futuristische Flunder Trezor Concept gab einen Ausblick, wie ein rein elektrischer Gran Turismo der Franzosen aussehen könnte. Highlight des Konzeptfahrzeugs waren fehlenden Türen – stattdessen öffnete sich zum Einstieg das Dach samt Motorhaube. Schon bei der Vorstellung war allerdings klar: Dieses Gefährt ist einfach zu außergewöhnlich, um jemals in Serie zu gehen. Schön anzuschauen ist es trotzdem. © CTK Photo/Imago
Ein Peugeot e-legend 2019
Platz 9 – Peugeot e-Legend (2018): Es muss nicht immer alles neu sein: Auf dem Pariser Autosalon 2018 zeigte Peugeot die Retro-Studie e-Legend. Beim Design ließen sich die Franzosen dabei vom 504 inspirieren – einem Modell, das Ende der 1960er-Jahre Premiere feierte. Während man bei der Gestaltung in die Vergangenheit schaute, warf man technisch einen Blick in die Zukunft: Das Fahrzeug war mit einem reinen Elektroantrieb ausgestattet und sollte zeigen, wie man sich autonome Fahrmodi vorstellt. So ließ sich beispielsweise das Lenkrad unter der Soundbar versenken. Dennoch: In Serie ging der e-Legend nicht. © Xinhua/Imago
VW Futura
Platz 8 – VW Futura (1989): Wenn es um ein Messe-Showcar geht, dann greifen Autodesigner gerne zu Flügeltüren – so wirkt auch ein verhältnismäßig unspektakuläres Fahrzeug zumindest einigermaßen aufregend. Auch der VW Futura wurde im Jahr 1989 für seinen Auftritt auf der IAA in Frankfurt damit ausstaffiert – wohl wissend, dass es diese aufwendige Technik höchstwahrscheinlich nicht in ein Serienmodell schafft. Sowohl die Flügeltüren als auch die gläserne Heckklappe ließen sich zudem abnehmen, wodurch der Wolfsburger zu einer Art T-Top-Cabrio wurde. Der Futura blieb ein Einzelstück, allerdings gab er schon mal einen kleinen Ausblick auf das Design des späteren VW Sharan. © VW
Der Audi urban concept
Platz 7 – Audi Urban Concept (2011): Bei Showcars hat jeder Hersteller seine eigene Philosophie – im Falle von Audi sind die Fahrzeuge zumeist schon ein relativ konkreter Ausblick auf ein Serienauto. Nicht so beim Audi Urban Concept: Auf der IAA 2011 in Frankfurt zeigten die Ingolstädter das Schmalspurfahrzeug, in dem zwei Personen hintereinander Platz nehmen. Der dynamische Rennwagen-Look täuschte etwas über die bescheidene Motorisierung hinweg: Zwei Elektromotoren sollten 20 PS leisten. Dafür wog das Gefährt nur 480 Kilogramm – die Höchstgeschwindigkeit lag bei 100 km/h, die Reichweite gab Audi mit rund 60 Kilometern an. Später wurde die Studie, die als reines Stadtmobil konzipiert war, auch noch als Spyder-Version gezeigt – in Serie gingen beide nicht. © Audi
Der BMW M1 Hommage
Platz 6 – BMW M1 Hommage (2008): Im Herbst 1978 begann BMW mit der Produktion des legendären Supersportwagens M1 – bis Ende 1981 wurden 460 Exemplare gebaut. Die 277 PS aus einem Reihensechszylinder klingen heute allerdings nicht mehr wirklich gewaltig. Umso mehr erinnert man sich noch immer an des keilförmige Design des Mittelmotorsportlers. BMW ließ die Legende im Jahr 2008 wieder aufleben: Auf dem Concorso d‘Eleganza am Comer See zeigten die Münchner den BMW M1 Hommage. Die extrem designte Studie in oranger Metallic-Lackierung ist ein echter Hingucker. In Serie ging die Retro-Flunder nicht – allerdings nahm das Design schon etwas von einem anderen Fahrzeug voraus: dem BMW i8, der ab dem Jahr 2013 gebaut wurde. © BMW
Das Opel Monza Concept
Platz 5 – Opel Monza Concept (2013): In Serienfahrzeug sind Flügeltüren eine echte Rarität – zumeist sieht man sie nur in Supersportwagen, denn die Technik ist aufwändig und anfällig. Ein Hingucker sind sie aber immer, weshalb sie sich perfekt für Messestudien eignen. Auch Opel entschied sich beim Monza Concept auf der IAA in Frankfurt 2013 dafür. Die Serien-Chancen für ein schickes Luxus-Coupé dieser Art aus dem Hause Opel waren aber von vorneherein gering. Es blieb bei dem einen Showcar. Wer heute einen Monza fahren will, muss sich deshalb auf die Suche nach einem Original machen, das ab Ende der 1970er-Jahre gebaut wurde. © YAY Images/Imago
Das Bugatti 16C Galibier Concept
Platz 4 – Bugatti 16C Galibier Concept (2009): Die Marke Bugatti kennt man heutzutage vor allem durch zwei Modelle: die Supersportwagen Veyron und Chiron – beide mit einem 16-Zylindermotor und einer Leistung von weit mehr als 1.000 PS ausgestattet. 2009 zeigte die Marke mit dem Bugatti 16C Galibier Concept jedoch ausgewählten Gästen, wie man sich eine Luxuslimousine der Franzosen vorstellen könnte. Die Öffentlichkeit bekam das Showcar dann auf dem Genfer Autosalon 2010 zu sehen. Wie der Zusatz „16C“ verrät, wäre auch die sportliche Limousine mit einem gewaltigen 16-Zylindermotor ausgestattet gewesen. Den Weg in die Serienfertigung – wenn man bei den geringen Stückzahlen der Marke überhaupt davon sprechen kann – fand der Galibier nicht. Umso exklusiver bleibt damit die Besonderheit des Konzeptautos: Auf dem Armaturenbrett des Wagens ist eine Tourbillon-Uhr von Parmigiani Fleurier verbaut – diese lässt sich aus der Halterung herausnehmen und als Armbanduhr tragen. © Uli Deck/dpa
Der Citroën Tubik
Platz 3 – Citroën Tubik (2011): Vans sind optisch eher unspannende Fahrzeuge, was mit ihrer naturgemäß meist kastenartigen Form zu tun hat. Dass man ein solches Fahrzeug aber auch durchaus außergewöhnlich gestalten kann, zeigte Citroën im Jahr 2011 auf der IAA in Frankfurt mit dem Tubik. Ob einem das Design – speziell der Front – gefällt, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Eine riesige Flügeltüre öffnet den Zugang zum loungeartigen Innenraum des Turik. Die Sitzgelegenheiten bieten maximale Variabilät – und lassen sich beispielsweise auch zu einem Bett umbauen. Ein Fahrzeug der Extreme, das ebenfalls ein Einzelstück blieb. © Sebastian Geisler/Imago
Ein BMW E1
Platz 2 – BMW E1 (1991): Es gibt immer wieder Konzeptfahrzeuge, die ihrer Zeit einfach zu weit voraus sind. Zu diesen gehört wohl auch der BMW E1, den die Münchner im Jahr 1991 auf der IAA in Frankfurt vorstellten. Ein kompaktes Elektrofahrzeug mit einer Länge von knapp 3,50 Metern, in dem vier Personen Platz finden sollen. Die Natrium-Schwefel-Batterie bot eine Kapazität von 20 kW und hätte unter günstigen Umständen für eine Reichweite von rund 200 Kilometern reichen sollen. Der 32 kW starke Elektromotor trieb BMW-typisch nur die Hinterräder an, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 120 km/h. 1993 stellte BMW eine zweite Version des E1 vor – diesmal mit einem Verbrennungsmotor. Doch weder die eine noch die andere Variante schafften es in die Serie – dennoch gilt der E1 so manchem als früher Vorläufer des i3, der ab 2013 produziert wurde. © BMW
Mercedes NAFA
Platz 1 – Mercedes Nafa (1982): Beim Anblick dieses Gefährts mag man an viele Hersteller denken – aber sicher nicht an Mercedes. Allerdings präsentierten die Schwaben im Jahr 1982 tatsächlich die Studie Nafa – eine Abkürzung für „Nahverkehrsfahrzeug“. Die kantige Kiste war gerade einmal 2,5 Meter lang und 1,5 Meter breit und hoch. Sie bot Platz für zwei Personen und war als minimalistisches Stadt-Mobil konzipiert. Das kuriose Gefährt blieb ein Einzelstück – und gilt dennoch als Ur-Vater von späteren City-Flitzern wie dem Smart oder der A-Klasse.  © Mercedes-Benz

Stilvolles Robo-Taxi bietet zwei Passagieren jede Menge Raum

Vorbilder des visionären Trios waren eher Rolls Royce oder S-Klasse. Erstens, weil Verne-Kunden stilvoll ankommen sollen, selbst wenn sie nicht mehr zahlen müssen als für ein Taxi oder eine Fahrt mit einem Uber. Und zweitens, weil das Auto den gleichen Komfort und auf jeden Fall den gleichen Platz offerieren soll wie eine Luxuslimousine. Die zwei Sitze sind daher breit und bequem und lassen sich über den kleinen Touchscreen im Bedienfeld dazwischen auch in eine Liegeposition bringen.

Dazu gibt es ein paar wenige Ablagen, einen pfiffigen, weil universellen Cupholder, eine Ambientebeleuchtung, Haltegriffe, die ihrem Namen endlich mal alle Ehre machen, und vor allem einen riesigen Bildschirm von 43 Zoll, der quer unter der mächtigen Frontscheibe montiert ist. Dazu noch eine Ablage fürs Gepäck vor der Nase, eine Reling für Taschen, Jacken oder als Beinauflage und hinter den Sitzen ein Separee fürs Gepäck.

Mate Rimac demonstriert, wie es sich im Robo-Taxi Verne so sitzt.

Keine Pedale, kein Lenkrad: Der Rimac Verne fährt ausschließlich autonom

Aber so übrig die Ausstattung ist, fehlt etwas ganz Entscheidendes: Der Verne hat weder Pedale noch ein Lenkrad – und fährt immer und ausschließlich autonom. Dafür schraubt Rimac ein halbes Dutzend Lidar-Sensoren und doppelt so viele Kameras an die Karosse und baut auf die Software von Mobileye, die ihn beim Autopiloten unterstützen. „Damit haben wir schon zigtausend Kilometer durch Zagreb abgespult und müssen immer seltener eingreifen“, freut sich CEO Pejković.

Den wahren Mehrwert schafft er aber mit einer App, die viel mehr macht als nur die Fahrten zu buchen, die Routen zu planen und den Trip abzurechnen. Denn mit voll umfassender Vernetzung macht sie jedes Verne-Vehikel zum ganz persönlichen Auto: „Wenn sich die Schiebetüren öffnen, läuft deine Musik im Auto, es herrscht dein bevorzugtes Klima, es riecht so, wie du es willst, und niemand quatscht dich blöd von der Seite an“, skizziert Pejković die Annehmlichkeiten der Fahrt. Außerdem ist natürlich das Smartphone schon automatisch gekoppelt, die persönlichen Accounts von Netflix, Spotify & Co integriert und wer nicht streamen will, sondern spielen, der kann sogar den Controller seiner Playstation mit ins Auto bringen. Oder man wechselt auf dem Median als Zentralem Bedienelement in der Mittelkonsole – nach dem Anschnallen und dem Start-Kommando natürlich – in den Oasis-Modus, lässt den Sessel in eine Liegeposition surren und döst mit bis zu 130 Sachen seinem Ziel entgegen. Dafür bekommt jedes Auto einen E-Motor mit 155 kW/210 PS und einen kostengünstigen, aber langlebigen Lithium-Eisen-Phosphat-Akku, der mit 60 kWh für rund 240 Kilometer reichen soll.

Keine Pedale, kein Lenkrad: Der Rimac Verne fährt ausschließlich autonom.

Dritter Baustein der Verne Vision ist das „Mothership“, die jeweilige Zentrale des Betriebs: Die kann sich repräsentativ im Stadtzentrum befinden – oder auch funktional in einem Industriegebiet am Stadtrand versteckt sein. Dort werden die Autos geladen und vor allem mindestens ein Mal am Tag gereinigt. Und weil der Innenraum modular aufgebaut ist, können bei jedem Umlauf, wenn nötig, in wenigen Minuten alle Konsolen oder Bezüge ausgetauscht werden, bevor sie abgegriffen sind.

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„Wir wollen den Menschen verlorene Zeit zurückgeben“

Ein persönliches Umfeld in einem fremden Auto, absolute Privatsphäre für ungestörte Entspannung, Geschäfte oder Zweisamkeit und obendrein immer ein pieksauberes Fahrzeug – wer einmal in Zagreb Taxi gefahren ist, der zweifelt nicht mehr an Erfolg von Verne. Und auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, wird es im Rest der Welt kaum anders sein.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Ob Pejković, Mudri und Mastermind Rimac damit Geld verdienen werden, wenn die einzelnen Autos mal 600.000 Kilometer abgespult haben, ob sie bis zum Ende der Dekade tatsächlich schon die ersten 10.000 Verne-Vehikel in der neuen Fabrik bei Zagreb gebaut haben, ob die Städte davon profitieren, weil zumindest ein paar Zweit- oder Drittwagen stehen bleiben oder im besten Fall gar nicht gekauft werden, das alles muss sich erst noch zeigen. Aber für die Kunden ist Verne bei der ersten Fahrt ein Gewinn, verspricht Pejković: „Wir wollen die Menschen nicht nur sicher und komfortabel von A nach B bringen, sondern wir wollen ihnen verlorene Zeit zurückgeben. Was bislang nutzlose Wegezeit war, wird dann wertvolle Zeit zum Ausruhen, Arbeiten oder Entspannen. Und zwar in einer ungestörten Privatsphäre.“ (Benjamin Bessinger/SP-X)

Rubriklistenbild: © HANZA MEDIA/Imago

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