Ungesunde Ernährung

Lidl und Aldi: Supermärkte mit neuer Werbestrategie bei Kinderprodukten

  • schließen

Werbung ist mitverantwortlich, dass viele Kinder eine ungesunde Ernährung haben. Das soll künftig eingedämmt werden. Nach Lidl erklärt auch Aldi eine neue Strategie.

München – Auch wenn das Thema Ernährung in Deutschland mittlerweile eine große Rolle spielt: Studien zufolge waren etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen hierzulande von Übergewicht betroffen, sechs Prozent sogar von starkem Übergewicht (Adipositas). Diese Zahlen stammen jedoch aus der Zeit vor der Corona-Pandemie – es ist also wahrscheinlich, dass sich diese Statistik im Jahr 2023 eher noch verschlechtert hat.

Zucker, Fett und Salz sind Komponenten, die etliche Speisen schmackhaft machen, gesundheitlich sind sie jedoch problematisch. Besonders im Kindesalter kann eine ungesunde Ernährung schwere Folgen haben, unter denen Betroffene ein Leben lang leiden.

Gesunde Ernährung für Kinder wird durch Werbung erschwert – Lidl ergreift Maßnahme

Vor geraumer Zeit kam die Verbraucherorganisation Foodwatch zu der Erkenntnis, dass die meisten der gezielt für Kinder beworbenen Produkte im Bereich Nahrungsmittel gemessen an den Standards der Weltgesundhseitsorganisation (WHO) zu ungesund seien (über 85 Prozent!). Zweifellos tragen Industrie, Wirtschaft und Handel eine Mitschuld an der Entwicklung, dazu kommen fehlende Regulierungen seitens Politik. Doch die gegenwärtige Situation soll sich ändern:

Kürzlich erklärte die Handelskette Lidl, man werde „als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler“ die auf Kinder abzielende Bewerbung für ungesunde Lebensmittel einstellen. Ab März 2023 soll die Maßnahme gelten – sie zielt auf überzuckerte Joghurts und Getränke ab, betrifft aber auch Schokolade und andere Süßigkeiten. Eine weitere Strategieänderung besagt, dass Lidl bis Ende 2025 nur noch Lebensmittel in für Kinder attraktiver Verpackung anbietet, welche die WHO-Kriterien für gesunde Nahrung einhalten.

Der Haken: Für Aktionsartikel an umsatzstarken Tagen wie vor Weihnachten, Ostern oder Halloween soll eine Ausnahme gemacht werden – das betrifft also Schokoladen-Weihnachtsmänner, Osterhasen und weitere Süßwaren, die in dieser Zeit mit der typischen Verpackung in den Supermärkten ausliegen.

Kleines Mädchen mit Milchshake und Eiscreme: erfrischend und lecker, jedoch nicht gesund.

Aldi will Kinderprodukte anpassen – und gesündere Lebensmittel bewerben

Nach Bekanntwerden der neuen Lidl-Strategie erläutert auch Discounter Aldi Maßnahmen im Hinblick auf Werbung für Kinder. Das resultiert aus einer Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Demnach will Aldi Süd bis Ende 2025 die Rezepturen seiner Kinderprodukte (Joghurts, Getränke, Cerealien) ebenfalls an die Richtlinien der WHO anpassen. Der Discounter wolle sich demzufolge für eine bessere Ernährung für Kinder einsetzen und bewusstes Marketing fördern, statt ungesunde Süßspeisen anzupreisen.

Auch das nördliche Schwesterunternehmen wurde von der Nachrichtenagentur befragt: Eigenen Angaben zufolge arbeite Aldi Nord „kontinuierlich an der Überarbeitung der Rezepturen seines Sortiments“, dabei werde sich ebenfalls an den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation orientiert. Außerdem habe die Discounterkette eine direkte Bewerbung kritischer Lebensmittel für Kinder bereits „deutlich reduziert“. Stattdessen soll der Konsum von gesunder Nahrung – zum Beispiel Obst und Gemüse – eine übergeordnete Rolle einnehmen.

Ungesunde Ernährung im Kindesalter kann schwerwiegende Folgen haben

Freilich sind die gesundheitlichen Folgen von schlechter Ernährung in der Regel erst langfristig sichtbar: Ein Überschuss an Zucker, Fett und Salz kann im späteren Leben zu Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkproblemen, Bluthochdruck oder auch Herzerkrankungen führen, ganz zu schweigen von Hautproblemen, Depressionen und weiteren Folgeerscheinungen.

Die Ohrfeige war bis in die 80er verbreitet: Wie sich die Erziehung verändert hat

Schulklasse, die gemeinsam etwas erarbeitet.
Stillsitzen – das wurde früher noch regelmäßig in der Schule gefordert. Beim Kirchenbesuch oder den Großeltern lief es ähnlich ab. Hibbeln oder wippeln, immer etwas in den Händen zu haben war selten irgendwo gern gesehen. Heute ist das anders. Studien zeigen, dass Bewegung zwischendurch das Lernen unterstützt und auch insgesamt sind sich Experten einig: Mehr Bewegung, auch über die Schule hinaus, wäre wünschenswert. Das bedeutet aber nicht, dass Kinder in der Kirche oder einem feinen Restaurant umherrennen sollten – das wann und wo ist auch heute noch wichtig. (Symbolbild) © Wavebreak Media Ltd/Imago
Ein Kind balanciert auf einem Stamm am Meer.
Balancieren, auf einem Bein stehen, rückwärts gehen – bei Vorschuluntersuchungen fällt immer wieder auf, dass Fünfjährige immer öfter Probleme bei diesen Aufgaben haben. Besonders in größeren Städten sind bis zu 40 Prozent der Kinder motorisch etwas unterentwickelt. In der Grundschule selbst werden Seil- oder Stangenklettern im Sportunterricht seltener, weil immer weniger Kinder dies können. Aber das ist in der Regel kein Grund zur Besorgnis, denn in dem Alter kann viel aufgeholt werden. (Symbolbild) © Cavan Images/Imago
Ein Kind bindet seinen Schuh mit einer Schleife.
Wissen Sie noch, wie alt Sie waren, als Sie das Schleife binden lernten? Vor gut 20 Jahren wetteiferte man im Kindergarten darum, wer das noch vor der Einschulung fertigbringt. Heute kann sich gerade mal die Hälfte der Vier- bis Fünfjährigen ohne Hilfe anziehen, inklusive Schuhe binden. Einige Grundschulen haben darauf reagiert – und verbieten Schnürsenkel. Die Lehrenden haben einfach Besseres zu tun, als den ganzen Tag Schleifen an Kinderschuhen zu binden. (Symbolbild) © eyevisto/Imago
Ein Junge wäscht ab.
Wussten Sie, dass nur 23,5 Prozent der Haushalte 1983 Spülmaschinen besaßen? Heute sind es knapp 72 Prozent. Es ist daher kaum verwunderlich, dass Kinder heute nicht mehr überall beim Abwasch helfen müssen. Auch beim Staubsaugen wird immer weniger Unterstützung gefordert, schließlich gibt es in immer mehr Familien Saugroboter. Trotzdem: Kinder können – und sollen – durchaus im Haushalt helfen. Das steht sogar im Gesetz (§ 1619 BGB). In welchem Maße bleibt natürlich den Eltern überlassen, aber häufig sind Hilfe beim Tischdecken/-abräumen oder das Einräumen der Spülmaschine üblich, auch für Kinder ab drei Jahren. (Symbolbild) © Valentina Barreto/Imago
Junge versteckt sich ängstlich unter einem Tisch.
Prügel, Schläge, Angst – früher war der Rohstock im Klassenzimmer weit verbreitet. In der DDR wurde er (und damit die Prügelstrafe) 1949 aus der Schule verbannt. Langsam folgte auch der Rest Deutschlands, in Teilen von Bayern wurde aber bis Anfang der 1980er Jahre immer noch auf diese Art durchgegriffen. Und erst seit 2000 gilt, laut Gesetz, endlich auch zu Hause: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ (§ 1631 BGB, Abs. 2) (Symbolbild) © Vasily Pindyurin/Imago
Ein Kind versteckt sich, es sind nur die Augen und die Mütze zu sehen.
„Gib‘ der Tante mal die Hand, Kind“ – der Spruch klingt nicht nur verstaubt, er ist es zum Glück auch. Da heute mehr auf die Kinder und ihre Bedürfnisse eingegangen wird, muss keiner mehr irgendwem die Hand oder ein Küsschen geben, wenn er oder sie das nicht möchte. Eine Wohltat, vor allem für schüchterne Sprösslinge. (Symbolbild) © Pawel Opaska/Imago
Junge allein im winterlichen Wald.
Mittagessen für die Geschwister machen, alleine zu Hause oder draußen sein: Viele Kinder mussten vor einigen Jahrzehnten diese Erfahrungen früh machen. Auch, wenn sie dafür vielleicht noch zu jung und von der Verantwortung überfordert waren. Heute haben Eltern mehr Zeit für ihre Kinder oder sorgen für entsprechende Betreuung und das Alleinsein kommt vergleichsweise spät. Das ist auf der einen Seite sehr löblich und gut, passierten doch früher auch oft Unfälle. Aber ein bisschen traurig ist es auf der anderen Seite auch, denn manchmal birgt ein kleiner Waldabschnitt viel mehr Möglichkeiten für Fantasie und Abenteuer als der moderne Spielplatz um die Ecke. (Symbolbild) © Frank van Delft/Imago

Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, begrüßt das Vorhaben der beiden Handelsketten: „Werbung beeinflusst nachweislich das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen und muss deshalb beschränkt werden.“ Auf die Eigenverantwortlichkeit von Eltern und Kindern könne bei diesem Thema nicht gesetzt werden. Stattdessen bräuchten Menschen im Hinblick auf eine gesunde Ernährung Unterstützung. (PF)

Rubriklistenbild: © ImageBROKER/Andrey Nekrasov/Imago

Kommentare