VonPatrick Freiwahschließen
Werbung ist mitverantwortlich, dass viele Kinder eine ungesunde Ernährung haben. Das soll künftig eingedämmt werden. Nach Lidl erklärt auch Aldi eine neue Strategie.
München – Auch wenn das Thema Ernährung in Deutschland mittlerweile eine große Rolle spielt: Studien zufolge waren etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen hierzulande von Übergewicht betroffen, sechs Prozent sogar von starkem Übergewicht (Adipositas). Diese Zahlen stammen jedoch aus der Zeit vor der Corona-Pandemie – es ist also wahrscheinlich, dass sich diese Statistik im Jahr 2023 eher noch verschlechtert hat.
Zucker, Fett und Salz sind Komponenten, die etliche Speisen schmackhaft machen, gesundheitlich sind sie jedoch problematisch. Besonders im Kindesalter kann eine ungesunde Ernährung schwere Folgen haben, unter denen Betroffene ein Leben lang leiden.
Gesunde Ernährung für Kinder wird durch Werbung erschwert – Lidl ergreift Maßnahme
Vor geraumer Zeit kam die Verbraucherorganisation Foodwatch zu der Erkenntnis, dass die meisten der gezielt für Kinder beworbenen Produkte im Bereich Nahrungsmittel gemessen an den Standards der Weltgesundhseitsorganisation (WHO) zu ungesund seien (über 85 Prozent!). Zweifellos tragen Industrie, Wirtschaft und Handel eine Mitschuld an der Entwicklung, dazu kommen fehlende Regulierungen seitens Politik. Doch die gegenwärtige Situation soll sich ändern:
Kürzlich erklärte die Handelskette Lidl, man werde „als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler“ die auf Kinder abzielende Bewerbung für ungesunde Lebensmittel einstellen. Ab März 2023 soll die Maßnahme gelten – sie zielt auf überzuckerte Joghurts und Getränke ab, betrifft aber auch Schokolade und andere Süßigkeiten. Eine weitere Strategieänderung besagt, dass Lidl bis Ende 2025 nur noch Lebensmittel in für Kinder attraktiver Verpackung anbietet, welche die WHO-Kriterien für gesunde Nahrung einhalten.
Der Haken: Für Aktionsartikel an umsatzstarken Tagen wie vor Weihnachten, Ostern oder Halloween soll eine Ausnahme gemacht werden – das betrifft also Schokoladen-Weihnachtsmänner, Osterhasen und weitere Süßwaren, die in dieser Zeit mit der typischen Verpackung in den Supermärkten ausliegen.
Aldi will Kinderprodukte anpassen – und gesündere Lebensmittel bewerben
Nach Bekanntwerden der neuen Lidl-Strategie erläutert auch Discounter Aldi Maßnahmen im Hinblick auf Werbung für Kinder. Das resultiert aus einer Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Demnach will Aldi Süd bis Ende 2025 die Rezepturen seiner Kinderprodukte (Joghurts, Getränke, Cerealien) ebenfalls an die Richtlinien der WHO anpassen. Der Discounter wolle sich demzufolge für eine bessere Ernährung für Kinder einsetzen und bewusstes Marketing fördern, statt ungesunde Süßspeisen anzupreisen.
Auch das nördliche Schwesterunternehmen wurde von der Nachrichtenagentur befragt: Eigenen Angaben zufolge arbeite Aldi Nord „kontinuierlich an der Überarbeitung der Rezepturen seines Sortiments“, dabei werde sich ebenfalls an den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation orientiert. Außerdem habe die Discounterkette eine direkte Bewerbung kritischer Lebensmittel für Kinder bereits „deutlich reduziert“. Stattdessen soll der Konsum von gesunder Nahrung – zum Beispiel Obst und Gemüse – eine übergeordnete Rolle einnehmen.
Ungesunde Ernährung im Kindesalter kann schwerwiegende Folgen haben
Freilich sind die gesundheitlichen Folgen von schlechter Ernährung in der Regel erst langfristig sichtbar: Ein Überschuss an Zucker, Fett und Salz kann im späteren Leben zu Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Gelenkproblemen, Bluthochdruck oder auch Herzerkrankungen führen, ganz zu schweigen von Hautproblemen, Depressionen und weiteren Folgeerscheinungen.
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Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, begrüßt das Vorhaben der beiden Handelsketten: „Werbung beeinflusst nachweislich das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen und muss deshalb beschränkt werden.“ Auf die Eigenverantwortlichkeit von Eltern und Kindern könne bei diesem Thema nicht gesetzt werden. Stattdessen bräuchten Menschen im Hinblick auf eine gesunde Ernährung Unterstützung. (PF)
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