Studie liefert neue Ergebnisse

Long Covid: Geringe psychische Belastbarkeit ist Risikofaktor

  • schließen

Wer noch Monate nach einer Corona-Infektion Symptome hat, leidet meist unter Long Covid. Es gibt Faktoren, die das Risiko dafür begünstigen.

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen: Wer nach einer Corona-Infektion unter Langzeitfolgen leidet, hat oftmals mehrere Monate danach noch immer mit Symptomen zu kämpfen. Menschen, die von Long Covid betroffen sind, können deshalb oftmals längere Zeit nicht mehr ihrem Beruf nachgehen und sind in ihrer Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Forscher suchen derweil nach Risikofaktoren, die Long Covid begünstigen. Laut einer neuen Studie kann auch die psychosoziale Belastbarkeit eine Rolle spielen.

Long Covid: Geringe psychische Belastbarkeit ist Risikofaktor

Zehn bis 30 Prozent aller mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten haben mit Langzeitbeschwerden zu kämpfen. (Symbolbild)

Forscher aus den USA fanden in ihrer Studie bereits heraus, dass eine hohe Virenlast, bestimmte Antikörper, reaktivierte Eppstein-Barr-Viren (EBV) und Diabetes-Typ-2 vier potenzielle Risikofaktoren für Long Covid darstellen können. Nun legen die Ergebnisse einer weiteren Studie nahe, dass sowohl eine niedrige Resilienz als auch schwere Erkrankungssymptome in der Akutphase das Risiko für ein Post-COVID-Syn­drom (PCS) erhöhen.

Für die in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Untersuchung setzte das Forscherteam um Prof. Thomas Bahner, Internist und Pneumologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, den sogenannten PCS-Score ein. Mithilfe dieses Tools konnten sie den Schweregrad der Erkrankung bei den Teilnehmern messen.

An der Studie nahmen 1400 Personen aus verschiedenen Regionen Deutschlands teil, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Mithilfe eines Fragebogens, der 12 Fragen beinhaltete, wurden nach der Akutphase einer Infektion verschiedene Symptombereiche abgefragt und daraus der PCR-Score berechnet.

Schwere Symptome in Akutphase können Long Covid begünstigen

Die Ergebnisse einer Kohorte aus Kiel zeigten, dass neurologische Beschwerden (61,5 %), Fatigue bzw. Müdigkeit (57,1 %) und Schlafstörungen (57,0 %) bei den Teilnehmern, von denen 90 Prozent ambulant versorgt wurden, die häufigsten anhaltenden Probleme waren. Die Betroffenen hatten noch sechs bis 12 Monate nach der Infektion damit zu kämpfen. In anderen Kohorten zeigte sich außerdem, dass höhere PCS-Werte in Zusammenhang mit einer geringeren gesundheitsbezogenen Lebensqualität standen.

„Wie erwartet erhöhten schwere Erkrankungssymptome in der Akutphase das Risiko für ein Post-COVID-Syn­drom. Überraschend war jedoch, dass auch eine geringe psychosoziale Belastbarkeit und niedrige Resilienz zu einem PCS führen können“, erklärte Bahmer gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Indessen meldete ein Forschungsteam aus Israel Erfolge bei einer neuen Therapie gegen Long Covid.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Cavan Images/IMAGO

Kommentare