Neue Betrugsmasche

Um neue Opfer zu finden: Enkeltrick-Betrüger durchforsten Traueranzeigen

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Der Telefonbetrug ist nach wie vor ein lukrativer Trick, um Menschen abzuzocken. Neuerdings benutzen die Täter eine besonders perfide Betrugsmasche.

München – Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) nimmt die telefonische Betrugsmasche stetig zu. Die Kriminellen sind hochprofessionell und gehen häufig raffiniert vor. In Bayern erkannte ein Rentner jedoch einen Telefonbetrug und verhalf der Polizei zu einer Festnahme.

Mit dem Enkeltrick oder Schockanruf werden insbesondere Senioren ins Visier genommen. Dabei setzen Kriminelle auf die emotionale Notlage der Opfer. Für Betrügereien wird vermehrt auch künstliche Intelligenz eingesetzt, was die Telefonanrufe häufig sehr echt klingen lässt. Die Methoden der Telefonbetrüger werden jetzt zunehmend heimtückischer und persönlicher. Eine neue Betrugsmasche, die besonders perfide ist: das Durchforsten von Traueranzeigen.

Beim Enkeltrick erbeuten Betrüger häufig vor allem bei älteren Menschen viel Geld (Symbolbild)

Telefonbetrug: Beim Enkeltrick nutzen Betrüger nun Angaben aus Traueranzeigen

Nach Aussagen des Kriminalamts Berlin suchen die Täter neuerdings ihre Opfer anhand von Sterbefallanzeigen aus der Zeitung heraus und nutzen diese Angaben schamlos für ihren Telefonbetrug. Da die Telefonnummern in der Regel noch nicht aus dem Telefonbuch gelöscht sind, sprechen Kriminelle häufig mit der Witwe des Verstorbenen. „Das ist eine absolut menschenverachtende Kriminalitätsform“, so das Landeskriminalamt gegenüber dem Infotainment-Magazin Brisant.

Laut Bundeskriminalamt geben sich die Täter bei dieser Betrugsform häufig nicht nur als nahe Angehörige aus, die sich in einer Notlage befinden. Sie bedrängen ihre Opfer zudem massiv, indem sie bei weiteren Anrufen vorspielen, staatliche Institutionen wie etwa Polizei oder Staatsanwaltschaften zu vertreten. Die Täter handeln nach Erkenntnis der Polizei vorwiegend aus dem Ausland. Häufig können die Täter bis zu sechsstellige Geldbeträge erbeuten. Nach einem Telefonbetrug musste sich im September ein Mann vor dem Landgericht München verantworten.

Enkeltrick, Schockanruf & Co.: So können Sie sich vor dem Telefonbetrug schützen

Die Maschen von Betrügern sind vielseitig. Dabei scheuen die Täter weder Aufwand noch Mühe. Um sich vor Telefonbetrügern zu schützen, gibt das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) folgende Tipps:

  • Die Polizei ruft Sie niemals unter der Polizei-Notrufnummer 110 an. Das tun nur Betrüger. Nutzen Sie nicht die Rückruftaste, um die Identität des Anrufers zu prüfen. Wählen Sie die 110, wenn Sie unsicher sind.
  • Beharrliches Nachfragen schreckt Betrüger ab. Fragen Sie den betreffenden Polizeibeamten nach seinem Namen, seinem Dienstgrad und seiner Dienststelle und rufen Sie die betreffende Dienststelle an, um sich nach dem betreffenden Polizeibeamten zu erkundigen. 
  • Wenn Sie sich unter Druck gesetzt fühlen oder nicht sicher sind, wer anruft, legen Sie am besten auf.
  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.
  • Rufen Sie den Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer an und fragen nach, ob tatsächlich ein Unglücksfall passierte.
  • Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu oder verständigen Sie über den Notruf 110 die Polizei!
  • Beachten Sie, dass die Behandlung eines Unfallopfers niemals von einer vorherigen Zahlung eines Geldbetrages abhängig ist.
  • Sollten sie in der Vergangenheit bereits Opfer eines solchen Betrugs geworden sein, nehmen sie mit ihrer örtlichen Polizeidienststelle Kontakt auf und bringen den Sachverhalt zur Anzeige.

Kriminelle halten in Telefonverzeichnissen besonders Ausschau nach altmodisch klingenden Namen. Um sich zu schützen, empfiehlt das Online-Portal giga.de entweder den Eintrag aus dem Telefonbuch zu löschen oder den Vornamen abzukürzen oder entfernen zu lassen.

Online-Betrug gerade zur Weihnachtszeit besonders erhöht

Jetzt gingen Ermittler europaweit gegen Enkelbetrüger vor, wie der rbb berichtet. Dabei konnte die Polizei mehrere Taten vereiteln, mutmaßliche Betrüger festnehmen und einen Schaden von etwa fünf Millionen verhindern.

Betroffene von betrügerischen Anrufen können sich bei Bedarf an Opferberatungsstellen wie den „Weissen Ring“ wenden. Gerade zur Weihnachtszeit warnen Verbraucherschützer auch vor online Betrugsmaschen. (vw)

Rubriklistenbild: © Fleig / Eibner-Pressefoto/ Imago

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