TV-Runde in ARD und ZDF

Merz-CDU benennt CO₂-Ziele – Konkurrenz rechnet mit „immensen Kosten für Bürgerinnen und Bürger“

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CDU und CSU bekennen sich zu den Klimazielen. Die SPD greift die Pläne der Union an und sagt hohe Kosten für die Verbraucher voraus.

München – Kurz vor der Bundestagswahl 2025 jagen Politikerinnen und Politiker von TV-Auftritt zu TV-Auftritt. Auch in der „Schlussrunde“ von ARD und ZDF sind Vertreterinnen und Vertreter der Parteien zusammengekommen, um ihre Standpunkte gegeneinander aufzustellen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher wurde es besonders in Sachen Klimafragen spannend. Während die CDU sich zur Treibhausgasneutralität bis 2045 bekennt, erwartet die Konkurrenz aufgrund der geplanten Art und Weise der Christdemokraten eine hohe Kostenbelastung für die Menschen in Deutschland.

CDU bekennt sich zu Treibhausneutralität bis 2045 – „Politik muss Menge an CO₂ vorgeben“

Nachdem sich bereits SPD, Grüne und die Linke zur Treibhausneutralität bekannt haben, zogen die Unionsparteien um CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt in der Sendung in ARD und ZDF am Donnerstag (20. Februar) nach.

Die CDU um Kanzlerkandidat Friedrich Merz und Generalsekretär Carsten Linnemann bekennen sich zur Treibhausgasneutralität bis 2045.

Linnemann erklärte jedoch, dass seine Partei dafür einen anderen Weg einschlagen will als die Ziele des Bundes-Klimaschutzgesetzes bislang vorgeben. Der CDU-Generalsekretär befand: „Die Politik muss die Menge an CO₂ vorgeben, wie dies erreicht wird, müssen die Ingenieure und die Wirtschaft sehen.“

CDU will Klimaneutralität durch Emissionshandel – SPD erwartet „immense Kosten für Bürgerinnen und Bürger“

Für ein Erreichen der Treibhausneutralität betont die CDU auch in ihrem Wahlprogramm, insbesondere auf Emissionshandel zu setzen. Auf der Website der Partei heißt es: „Für das Ziel der Klimaneutralität 2045 ist es wichtig, die Emissionsmenge weitreichend zu begrenzen. Hierfür ist der Emissionshandel mit der CO₂-Bepreisung das richtige Leitinstrument.“ Nach dem Willen der CDU soll der Markt entscheiden, wo und wie Emissionen wirksam vermieden werden. „Uns ist wichtig, dass höhere Belastungen durch steigende CO₂-Abgaben auch zu höheren Entlastungen führen.

Treibhausgasminderungsziele nach dem Bundes-Klimaschutzgesetzes (Stand August 2024)

Bis 2030 sollen die Emissionen laut Bundes-Klimaschutzgesetz um mindestens 65 Prozent sinken. 2040 sollen sie um mindestens 88 Prozent reduziert werden. Als Vergleichswert zählen dabei die Daten aus dem Jahr 1990. Bis 2045 soll Deutschland Netto-Treibhausgasneutralität erreicht haben. Für die Zeit nach 2050 wurde das Ziel gesetzt, negative Treibhausgasemissionen zu erreichen. (Quelle: Umweltbundesamt)

SPD-Generalsekretär Matthias Miersch begrüßte die Festlegung der CDU auf das Ziel der Treibhausneutralität. Miersch erklärte in der „Schlussrunde“ aber auch, dass dies in der Vergangenheit „nicht so klar gewesen“ sei. Ausschließlich auf Emissionshandel zu setzen, hält er jedoch für den falschen Weg: „Dann lassen Sie die Leute in die CO₂-Preis-Falle laufen“, erklärte der Generalsekretär der Sozialdemokraten und warnte vor „immense Kosten für Bürgerinnen und Bürger“. Auch ein Steuerkonzept von Kanzlerkandidat Merz könnte sich auf Verbraucherinnen und Verbraucher auswirken.

Nach Wahlversprechen der Union: CDU und CSU wollen Heizungsgesetz doch nicht abschaffen

Der Staat müsse sich laut Miersch in die Lage der Menschen versetzen und auf klimafreundliche Technologien umsteigen. Die Unionsvertreter entgegneten, dass ein „Klimabonus“ für „diesen sozialen Ausgleich“ greifen soll – wie auch im Wahlprogramm festgelegt.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

Im Wahlprogramm hatte die CDU zudem erklärt, das umstrittene Heizungsgesetz der Ampel abzuschaffen. Stattdessen wollte die Partei technologieoffene und emissionsarme Wärmelösungen fördern. Bei diesem Wahlversprechen ruderten die Vertreter der CDU/CSU in der „Schlussrunde“ nun jedoch zurück. Zwar soll das Gesetz demnach weiterhin bestehen bleiben, aber in abgeänderter Form in Richtung Technologieoffenheit.

„Massive Angriffe auf den Klima- und Naturschutz“: BUND-Umfrage attestiert Merz schlechte Klimakompetenz

Viele Menschen glauben jedoch offenbar nicht an eine klimatische Verbesserung unter Merz. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) traut lediglich ein Drittel der Menschen in Deutschland dem CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz zu, eine erfolgreiche Klima- und Naturschutzpolitik zu führen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des BUND hervor. Zudem glauben 51 Prozent der Befragten nicht, dass Merz Antworten auf die Klima- und Biodiversitätskrise findet.

BUND-Vorsitzender Olaf Brand erklärte in einer Mitteilung: „Die Menschen stellen dem möglichen nächsten Bundeskanzler Merz in Sachen Klimakompetenz ein miserables Zeugnis aus. Merz Strategie geht nicht auf. Statt die Herausforderungen unserer Zeit zu ignorieren und den Menschen eine Rückkehr zur Normalität vorzugaukeln, brauchen wir eine Politik, die es schafft, Antworten in der Klima- und Biodiversitätskrise zu finden.“ Der BUND ist sogar der Auffassung, dass die CDU im Wahlkampf „massive Angriffe auf den Klima- und Naturschutz“ angedroht hat. (bk mit afp)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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