- VonDiana Serbeschließen
Ein Hinzuverdienst zur Rente wirkt ansprechend, aber was letztendlich übrig bleibt, ist sehr individuell. Einige Rentner werden außerdem benachteiligt.
Berlin – Die Bundesregierung hat die sogenannte Aktivrente beschlossen, die ab dem 1. Januar 2026 in Kraft treten soll. Diese Neuregelung zur Rente soll das Arbeiten im Ruhestandsalter attraktiver machen, birgt aber auch Herausforderungen. Was bedeutet das für Rentner in Deutschland?
Die Aktivrente führt einen Steuerfreibetrag von 2000 Euro monatlich für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Rentenalter ein. Konkret bedeutet dies, dass Rentner, die weiterhin einer Beschäftigung nachgehen, bis zu 24.000 Euro im Jahr steuerfrei verdienen können. Diese Maßnahme zielt darauf ab, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Wirtschaft anzukurbeln. Die Bundesregierung erhofft sich, dass mehr Menschen über das Rentenalter hinaus beruflich aktiv bleiben.
Aktivrente geht 2026 an den Start: Sozialabgaben schmälern den Vorteil für Rentner
Trotz der Steuerfreiheit müssen Aktivrentner weiterhin Sozialabgaben leisten. Dies betrifft insbesondere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Ein Beispiel verdeutlicht die finanziellen Auswirkungen: Bei einem monatlichen Einkommen von 2000 Euro als Aktivrentner würden etwa 207 Euro an Sozialabgaben anfallen, sodass netto 1793 Euro übrig blieben. Auch der Staat profitiert: Mehr Sozialversicherungsabgaben stabilisieren die Einnahmenseite, so die Erklärung des Bundesfinanzministeriums im Oktober 2025.
Die Einführung der Aktivrente ist nicht unumstritten. Kritiker bemängeln, dass vor allem wohlhabende Rentner aus akademischen Berufen von der Regelung profitieren könnten. Zudem werden Bedenken geäußert, dass die Maßnahme zu Lasten jüngerer Generationen gehen könnte. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Ausschluss von Selbstständigen, freiberuflich Tätigen und Landwirten von der Regelung – Bereiche, in denen der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt ist. Problematisch ist zudem, dass die Aktivrente gegen das Gesetz der Gleichbehandlung verstoßen könnte.
Wie viele Menschen die Aktivrente tatsächlich in Anspruch nehmen werden, ist noch unklar. Das Bundesfinanzministerium rechnet mit etwa 168.000 Nutzern, während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) von rund 230.000 Menschen ausgeht.
Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, ergab eine Sonderbefragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im September 2025, dass nur rund ein Drittel (32,4 Prozent) der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland grundsätzlich eine Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern nach Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters ermöglicht. Der Anteil variiere stark nach Unternehmensgröße und Branche.
In Deutschland arbeiten mehr Rentner als im EU-Schnitt
Die Erwerbstätigkeit älterer Menschen in Deutschland liegt über dem EU-Durchschnitt. Die Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen ist von 14 Prozent im Jahr 2014 auf 21 Prozent im Jahr 2024 gestiegen. Dies ist auch durch die Anhebung des Renteneintrittsalter auf 67 Jahre bedingt. Wer vorm offiziellen Renteneintrittsalter aufhört zu arbeiten, sollte auch für die Aktivrente einige Punkte beachten.
Auch, wenn die Habenseite durch Sozialabgaben einen Zuwachs verzeichnen wird: Die Einführung der Aktivrente wird voraussichtlich zu Steuerausfällen führen. Das Bundesfinanzministerium kalkuliert mit Kosten von etwa 890 Millionen Euro pro Jahr für den Zeitraum von 2026 bis 2030. Entscheidend wird sein, wie viele Menschen tatsächlich länger arbeiten werden und welche langfristigen Auswirkungen dies auf den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme haben wird. Zwar ist die Einführung der Aktivrente schon in gut zwei Monaten ab 2026 geplant, doch einige Fragen bleiben weiterhin offen. (Quellen: bundesfinanzministerium.de, dpa) (diase)
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