Kritik an Merz' Aktivrente: Bereits jetzt arbeitet jeder achte Rentner
Merz will die Aktivrente ab 2026. Neue Zahlen zeigen: Bereits heute arbeiten 13 Prozent der Rentner. Kritiker stellen den Sinn der Aktivrente infrage.
Berlin – Friedrich Merz (CDU) will mit der Aktivrente das Arbeiten im Alter steuerlich attraktiver machen. Aber Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: Schon jetzt arbeitet fast jeder achte Rentner (13 Prozent). Die Daten stellen die Wirkung von Merz’ Aktivrente infrage. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber kritisierte beim BR: „Die Aktivrente wird ziemlich teuer für das, was sie erreichen kann.“
Die Aktivrente wurde von der Bundesregierung beschlossen und soll ab 2026 gelten. Um Gesetz zu werden, muss sie allerdings noch im Bundestag beschlossen werden. Nach dem Vorschlag sollen Rentner monatlich 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen können, also 24.000 Euro im Jahr. Das gilt allerdings nur für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – nicht für Selbstständige, Beamte oder Freiberufler. Arbeiten im Alter hat dabei zwei entscheidende Vorteile: Dem Arbeitsmarkt bleiben Fachkräfte erhalten und die Rentner zahlen länger in die Sozialversicherung ein. Das wiederum entlastet die Sozialversicherungen und der Arbeitnehmer sammelt weiter Rentenpunkte – das erhöht die Rente.
Arbeiten in der Rente: Merz’ Aktivrente der richtige Anreiz?
Kritiker sind sich aber nicht sicher, ob die Aktivrente der richtige Anreiz ist, um die Arbeitsbereitschaft im Alter zu erhöhen. Das Finanzministerium geht in seinem Gesetzentwurf davon aus, dass etwa jeder vierte Arbeitnehmer bei Erreichen des Renteneintrittsalters mit 67 das Angebot der Aktivrente annehmen könnte. Wenn aber schon jetzt fast jeder achte 65- bis 74-Jährige arbeitet, ist fraglich, ob das durch die Steuerbefreiung durch die Aktivrente mehr werden.
Dass Menschen nach dem Renteneintritt nicht weiterarbeiten, liege an ihrer Gesundheit, Arbeitsbedingungen oder daran, dass der Arbeitgeber sie nicht mehr wolle. Das sagte Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) schon im September dem RND. Statt „pauschaler Steuervorteile“ forderte sie bessere Arbeitsbedingungen, altersgerechte Arbeitsplätze und Wege für Frauen aus unfreiwilliger Teilzeit. Auch Enzo Weber sieht das. Dem BR sagte er: „Diese Steuerfreiheit, die werden vor allem die gerne mitnehmen, die ohnehin weitergearbeitet hätten.“
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Auch ohne Aktivrente arbeitet jeder achte Rentner schon jetzt
Die Daten des Statistischen Bundesamts geben eine Übersicht über die demografische Zusammensetzung der erwerbstätigen Rentner. Der Großteil der arbeitenden Rentner ist männlich, Mitte bis Ende 60 und hat einen höheren Bildungsabschluss. Die meisten (50 Prozent) gehen einer geringfügigen Beschäftigung nach, also zum Beispiel einem 556 Euro Job. 39 Prozent leisten weniger als zehn Wochenstunden, nur 14 Prozent gaben an, mehr als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. 71 Prozent der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner sind abhängig beschäftigt, 29 Prozent selbstständig.
Die Angaben des Statistikamtes stammen aus dem Mikrozensus 2024, einer Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird. (Quellen: ZEIT, Bayern 1) (cdz)