Betrifft Millionen

Merz-Regierung plant Aktivrente – Experten warnen vor kritischen Nachteilen

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Eine Vielzahl von Rentnern dürfte sich über die Aktivrente erfreuen. Während den Betroffenen diverse Vorteile winken, könnten andere durch ihre Nachteile betroffen sein.

Hamm – Die CDU, CSU und SPD haben sich geeinigt, am 6. Mai soll Friedrich Merz zum Bundeskanzler gewählt werden. Bereits Monate zuvor präsentierte die CDU ihre Pläne zur sogenannten Aktiv-Rente. Darauf haben sich nun auch die Parteien in ihrem gemeinsamen Koalitionsvertrag geeinigt. Experten ordnen die Pläne gegenüber IPPEN.MEDIA ein.

Aktivrente der Merz-Regierung betrifft über 20 Millionen Menschen in Deutschland

Die geplante Aktivrente betrifft über 20 Millionen Menschen in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt waren 2023 rund 13 Prozent aller Rentnerinnen und Rentner im Alter von 65 bis 74 Jahren im Jahr erwerbstätig. Von der neuen Regelung würden diese nun profitieren.

Mit der geplanten Aktivrente von Union und SPD soll Arbeiten im hohen Alter attraktiver gestaltet werden.

Im Koalitionsvertrag heißt es nun: „Zum 1. Januar 2026 wollen wir die Frühstart-Rente einführen.“ Auch wenn ein abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren weiterhin möglich sein soll, planen Union und SPD „zusätzliche finanzielle Anreize“ – „damit sich ein freiwilliges längeres Arbeiten mehr lohnt“. Im Koalitionsvertrag sind folgende Punkte vorgesehen:

  • Mehr Flexibilität beim Übergang von Beruf in die Rente
  • Aktivrente soll ausschließlich freiwillig sein
  • 2000 Euro Gehalt im Monat sind steuerfrei, wenn Angestellte das gesetzliche Rentenalter erreicht haben
  • Aufhebung von Vorbeschäftigungsverbot, um befristetes Weiterarbeiten zu ermöglichen
  • Bessere Verdienstmöglichkeiten bei Hinterbliebenenrente

Sozialverband begrüßt Aktivrente – doch Rentner mit Erkrankungen könnten benachteiligt sein

Viele Experten begrüßen grundsätzlich die Pläne der Koalitionsparteien, doch es gibt auch Bedenken. Ein Sprecher des Sozialverbands VdK Deutschland äußerte gegenüber IPPEN.MEDIA, dass die Einführung der Aktiv-Rente eine positive Nachricht wäre: „Sie würden unmittelbar davon profitieren und hätten mehr Geld in der Tasche.“

Dennoch betont der Experte: „Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir armutsfeste Renten brauchen. Es kann nicht sein, dass sich alte Menschen mit einem Job vor Armut schützen müssen.“ Er fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, dass die Frühstart-Rente nicht die rentenpolitischen Herausforderungen löst, vor denen wir stehen. Sie ist für die rentenpolitische Debatte nur ein kleiner Baustein.“

Auch Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland SoVD, sieht die Erweiterung der Hinzuverdienstmöglichkeiten als potenziell sinnvoll an. Allerdings gibt es Bedenken, da „viele ältere Menschen jedoch gesundheitlich oder körperlich nicht mehr in der Lage, zusätzlich zu arbeiten“ sind. Dies könnte Rentner mit schlechterem Gesundheitszustand benachteiligen. Engelmeier fordert deshalb: „Es muss möglich sein, im Alter von der eigenen Rente leben zu können.“ Sie schlägt einen Freibetrag vor, der nicht an 33 Grundrentenjahre gebunden ist.

Experten halten Aktivrente für teuer – zudem könnte sie leistungsgerechte Besteuerung ins Wanken bringen

Johannes Geyer, stellvertretender Abteilungsleiter beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht in den Plänen ein kostspieliges Vorhaben. Er erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA: „Nach aktuellen Schätzungen – allerdings unter großer Unsicherheit – arbeiten dadurch eine niedrige fünfstellige Zahl zusätzlich.“ Viele, die ohnehin weitergearbeitet hätten, würden von der Regelung profitieren: „Die Reform ist also teuer“, so Geyer. Er kritisiert, dass es inkonsistent sei, Arbeitsanreize zu schaffen und gleichzeitig an der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren festzuhalten.

Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), äußert gegenüber IPPEN.MEDIA, dass es grundsätzlich unproblematisch sei, wenn Beschäftigte über das Rentenalter hinaus arbeiten, „wenn sie das wollen und gesundheitlich können“. Sie warnt jedoch: „Aber eine attraktive Bezahlung ist doch Aufgabe der Arbeitgeber und nicht des Steuerzahlers.“

Piel kritisiert weiter: „Der Plan der Koalition riskiert ein neues Bürokratiemonster und stellt gleichzeitig das Prinzip der leistungsgerechten Besteuerung auf den Kopf.“ Jüngere Erwerbstätige könnten benachteiligt werden, „da bei gleichem Einkommen unterschiedlich hohe Steuern anfallen würden“. Es bleibt abzuwarten, wie die Parteien ihre Pläne in der kommenden Regierungszeit konkret umsetzen. Auch beim Rentenausweis hatte die kommende Regierung eine Änderung angekündigt. (bk/cln)

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