Internes Papier

Millionen Arbeitsplätze in Gefahr: Europas Autoindustrie zittert vor Klimavorgaben

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Ein internes Dokument schlägt Alarm: Die Autoindustrie in Europa sieht sich mit enormen Schwierigkeiten durch EU-Klimavorgaben konfrontiert. Umweltaktivisten äußern heftige Kritik.

Die Autoindustrie steht vor einer ungewissen Zukunft. Ein internes Papier der europäischen Autobranche, das der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt, warnt vor dem Verlust von Millionen Arbeitsplätzen. Grund sind die verschärften EU-Klimavorgaben, die die Branche vor immense Herausforderungen stellen. Die Flottengrenzwerte, die den CO₂-Ausstoß von Fahrzeugen regulieren, sollen bis 2030 drastisch gesenkt werden. Derzeit liegt der Grenzwert bei 115,1 Gramm CO₂ pro Kilometer, doch bis 2030 soll er auf 49,5 Gramm sinken. Anderenfalls drohen saftige Strafen.

Die Autohersteller stehen unter Druck, diese Vorgaben zu erfüllen, um Strafzahlungen in Milliardenhöhe zu vermeiden. Laut dem Papier drohen der Industrie allein für den Verkauf von Pkw Strafzahlungen in Höhe von 13 Milliarden Euro, sollten die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Hinzu kommen weitere drei Milliarden Euro für leichte Nutzfahrzeuge. Der Renault-Chef Luca de Meo summierte die Strafen jüngst auf bis zu 15 Milliarden Euro. Die einzige Möglichkeit, diesen zu entgehen, sei es, die Produktion erheblich zu drosseln, was Millionen von Arbeitsplätzen in der EU bedroht. Volkswagen hat bereits die Beschäftigungsgarantie gekündigt und überlegt, Werke zu schließen. So ist etwa die Zukunft des Audi-Standorts in Brüssel alles andere als sicher.

Autobranche drohen Milliarden-Strafen: Notfallartikel als Rettungsanker?

Um den drohenden finanziellen Strafen zu entgehen, schlägt das Papier vor, einen Notfallartikel zu nutzen, der eine Verschiebung der strengeren Vorgaben um zwei Jahre ermöglichen könnte. Dieser Artikel wurde bereits während der Corona-Pandemie angewendet. Auch der deutsche Auto-Lobbyverband VDA fordert eine frühere Überprüfung der EU-Vorgaben, um deren Machbarkeit zu gewährleisten.

Bei Europas Autobauern könnten Millionen Jobs wegfallen.

Denn die Autobranche sieht sich laut dem internen Papier nicht in der Lage, einen Verbrennungsmotor zu bauen, der weniger als 95 g CO₂ emittiert. Auch die meisten Hybride scheitern an diesem Grenzwert, wie die AutoBild berichtet. Um so wichtiger sind die Elektroautos, denn beim Flottenverbrauch handelt es sich um einen Durchschnittswert. Doch in vielen europäischen Ländern brechen die Zulassungen stark ein – so auch in Deutschland. In dem Nicht-EU-Land Norwegen wiederum hat inzwischen der Verbrenner das Nachsehen.

Neun Mikro-Elektroautos, die perfekt für die Stadt sind

Opel Rocks-e
Opel Rocks-e: Mancher dürfte sich fragen, ob das überhaupt noch ein vollwertiges Auto ist. Gesetzlich ist er es wie alle Kleinstwagen nicht. Wer ihn fahren will, benötigt lediglich die Führerscheinklasse AM. Somit kann er schon ab 15 Jahren bewegt werden. Der Elektromotor leistet 8 PS und beschleunigt den Mini-Stromer auf 45 km/h. Mehr geht nicht. Die 5,5-kWh-Batterie reicht für eine Reichweite von 75 Kilometern. Danach muss der 2,41 Meter lange Opel Rocks-e für rund vier Stunden an die Steckdose. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro © Opel
Renault Twizzy
Renault Twizy: Der kleine Franzose ist so etwas wie der Opa unter den Mikro-Elektroautos. Schon seit 2012 ist der Twizy in der Modellpalette von Renault zu finden. Mit 2,34 ist er etwas größer als Rocks-e und Ami. Statt nebeneinander nehmen die zwei Insassen hintereinander Platz. Seitenscheiben gibt es nur als Zubehör. Preislich geht es ab 11.450 Euro los. Wie die größere Version fahren will, benötigt jedoch einen richtigen Führerschein. Die Reichweite gibt Renault mit 90-100 Kilometern an. © Renault
City Transformer CT1
City Transformer CT1: Auch in Israel hat man die Mikro-Elektroautos für sich entdeckt. Der CT1 vom Start-up City Transformer macht seinem Namen dabei alle Ehre. Denn die Spurweite des Mini-Stromers lässt sich anpassen. Angetrieben wird er von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Das Start-up verspricht bis zu 180 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Wer den CT1 vorbestellt, zahlt 13.000 Euro, später soll er dann 16.000 Euro kosten. © City Transformer
Das Elektroauto e.GO Life
e.Go Life: Mit seinen 3,3 Metern ist der e.Go Life im Vergleich zu den andren Mini-Stromern fast schon ein Riese. Der 77 PS starke Elektromotor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. In der Stadt soll er bis zu 206 km weit kommen. Kombiniert liegt die Reichweite bei 139 Kilometern. Wegen der Insolvenz von e.Go im Sommer 2020 wurde der Life zeitweise nicht gebaut. Dasd Geschäft wurde aber von der Next.E.Go Mobile SE übernommen. Mit dem e.wave X steht auch schon ein Life-Nachfolger bereit. © Marius Becker/dpa
Microlino 2.0.
Microlino 2.0: Von 1955 bis 1962 baute BMW das Leichtfahrzeug Isetta. Bis heute ist der Kleinstwagen Kult und feiert nun sein Comeback. Zumindest ähnelt der Microlino 2.0 der Isetta sehr. Angeboten wird der Mikro-Stromer in drei Batterieversionen mit 95, 175 und 230 km Reichweite. Der 20 PS starke Elektromotor beschleunigt das nur 450 Kilogramm schwere Mobil auf 90n km/h. Mit 14.990 Euro ist der Microlino jedoch nicht grade billig. © Arnulf Hettrich/Imago
Elaris Pio
Elaris Pio: Mit 2,81 Meter Länge bleibt dieser Elektro-Zwerg noch unter der Drei-Meter-Marke. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Mikro-Auto und Pkw. In Sachen Antrieb befindet sich der Pio jedoch bei den Mikro-Stromern. Grade einmal 49 PS leistet der Elektromotor. Der Akku kommt auf 27 kWh und reicht für 225 Kilometer. Preislich liegt der Pio bei 21.900 Euro. © Elaris
FreZE Nikob EV
FreZE Nikob EV: In China ist der Elektro-Zwerg unter dem Namen Wuling Hongguang Mini EV bereits sehr erfolgreich. Damit das auch in Europa der Fall ist, brauchte es neben einem neuen Namen auch mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Heißt: ESP, Airbags, neue Räder und eine LED-Beleuchtung. Angeboten wird das Nikob EV mit einer 13,8-kWh-LFP-Zelle mit 200 km Reichweite. Kosten soll das kleine Elektroauto 16.000 Euro. © Wulling
Elektrofrosch Bob Four
Elektrofrosch Bob Four: So ganz weiß man ja nicht, was dieses Gefährt sein möchte. Offiziell handelt es sich bei dem Elektrofrosch Bob Four um einen Kabinenroller. Entsprechend ist bei 45 km/h Schluss. Rund 100 Kilometer soll der Elektrofrosch kommen und das für grade einmal 8.990 Euro. Neben dem Bob Four hat Elektrofrosch noch weitere Mikromobile im Angebot.  © Elektrofrosch
Ari 802
ARI 802: Mit 2,22 fällt der Ari 802 sehr klein aus. Mit 643 Kilogram ist er zudem auch noch sehr leicht. Daher reichen 10 PS auch um den Kleinstwagen auf Tempo 80 zu bringen. In den Versionen 252 und 452 sind nur 25 beziehungsweise 45 km/h drin. Die Reichweite gibt Ari mit 120 bis 250 Kilometern an. Preislich schlägt der Ari 802 mit 10.990 Euro zu Buche.  © Ari

Umweltschützer kritisieren Forderungen der Autoindustrie

Der europäische Automobilverband Acea teilte auf Anfrage mit, das Papier sei dem Verband bekannt. Es sei jedoch kein offizielles Papier des Lobbyverbandes. Nach dpa-Informationen ist das Schreiben authentisch und kursiert innerhalb der europäischen Automobilbranche. Zuvor hatte auch der Finanzdienstleister Bloomberg über das interne Papier berichtet.

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Umweltschützer kritisieren die Forderungen der Autoindustrie scharf. Sebastian Bock von Transport & Environment Deutschland findet, dass der Vorstoß „an Dreistigkeit kaum zu überbieten“ ist. Die Autohersteller hätten genügend Zeit gehabt, sich auf die CO₂-Ziele vorzubereiten. Marion Tiemann von Greenpeace sieht in den Forderungen ein „Armutszeugnis“ und betont, dass die Flottengrenzwerte seit mehr als fünf Jahren bekannt seien. „Das Jammern über angeblich zu strenge Grenzwerte kann die fehlende langfristige Strategie nicht verdecken“, macht Tiemann deutlich.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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