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Die Nase ist das wichtigste Sinnesorgan des Hundes – diese und weitere Annahmen über die Vierbeiner sind weit verbreitet. Manches stimmt, anderes nicht. Wir haben fünf Mythen genauer unter die Lupe genommen.
Hunde sind die besten Freunde des Menschen. Besitzer kennen ihre geliebten Vierbeiner in- und auswendig – denken die meisten zumindest. Welchen Irrtümern viele Hundehalter dabei unterliegen, erklären wir Ihnen hier.
Mythos 1: Eine wedelnde Rute ist immer ein Zeichen von Freude
Zugegeben: Die Kommunikation mit unseren Haustieren ist nicht immer ganz leicht. Oft interpretieren wir ihre Körpersprache falsch, weil wir denken, das meiste über unsere Fellnasen ohnehin schon zu wissen. So kommt es auch, dass der wedelnde Schwanz eines Hundes meistens als ein Zeichen seiner Freude verstanden wird. Doch das stimmt nicht ganz: Nicht immer möchte der Bello mit dem Schwanzwedeln pure Freude ausdrücken.
Es stimmt, dass ein Schwanz in Bewegung ein Anzeichen für die emotionale Erregung des Hundes ist – ob diese jedoch positiver oder negativer Natur ist, kann so leicht nicht gedeutet werden. Dafür müssen weitere Körpersignale hinzugezogen werden. Ausschlaggebend ist die Neigung seines Kopfes und die Höhe der Rute. Auch wie er seine Ohren hält, lässt Rückschlüsse auf den emotionalen Zustand des Hundes zu. Erst wenn Sie das Gesamtbild begutachtet haben, können Sie herauslesen, ob sich Ihr Vierbeiner freut, ob er angespannt oder unsicher ist, oder ob er sogar aggressiv reagiert.
In jedem Fall signalisiert der Hund mit seinem Schwanzwedeln, dass seine Aufmerksamkeit auf etwas gerichtet ist und auch, dass er jederzeit bereit wäre, zu handeln.
Schwanzwedeln – die Richtung ist aussagekräftig
Italienische Forscher haben bereits vor einigen Jahren im Rahmen einer Studie Erstaunliches herausgefunden: Die Richtung, die eine wedelnde Rute einschlägt, beinhaltet wichtige Informationen zur Gemütslage des Hundes. Ein Schwanzwedeln nach links ließe demnach meist auf negative Emotionen schließen und kann zum Beispiel als Warnung an rivalisierende Artgenossen verstanden werden. Wenn der Schwanz, beispielsweise beim Anblick seiner Besitzer, in Richtung rechts wedelt, möchte der Hund damit positive Emotionen ausdrücken.
Mythos 2: Listen- und Kampfhunde sind aggressiv und gefährlich
Was haben der American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull Terrier, der Cane Corso oder der Dogo Argentino gemeinsam? Sie alle stehen in den meisten Bundesländern auf den Rasselisten und gelten damit als sogenannte Listenhunde. Also als Hunderassen, die per Gesetz als gefährlich eingestuft werden oder bei denen Gefährlichkeit vermutet wird. In Deutschland gehen mit dem Status des Listenhundes strenge Regeln für die Haltung einher. Eine Vermittlung solcher Hunderasse aus Tierheimen ist überwiegend schwer bis unmöglich.
Obwohl viele Menschen vor den angeblich kampflustigen Listenhunden Angst haben und bei Begegnungen oftmals die Straßenseite wechseln, können Studien dieses Vorurteil nicht bestätigen. Laut den Ergebnissen reagieren die angeblich gefährlichen oder potenziell gefährlichen Hunderassen nicht aggressiver als andere Hunderassen. Eine Dissertation, veröffentlicht an der Freien Universität Berlin, belegte außerdem, dass es – statistisch gesehen – keine Hunderasse gibt, die häufiger zubeißt als andere Rassen. Ein massiger Bullterrier ist demnach nicht gefährlicher als ein niedlicher Golden Retriever.
Wussten Sie, woher der Begriff „Kampfhund“ stammt?
Der Begriff „Kampfhund“ stammt aus der Zeit der Tier- und Hundekämpfe. Dafür wurden beispielsweise Bulldoggen mit Terriern gekreuzt und die muskelbepackten Abkömmlinge als Statussymbole betrachtet. Ein entsprechendes Training bewirkte zum Beispiel, dass die Hunde ihr Opfer nach dem Zubeißen nicht mehr losließen. Aus Hunden wurden Waffen gemacht – mit der Konsequenz, dass solche Hunderassen auch heute noch als gefährlich angesehen werden.
Im Prinzip kann jedoch jeder Hund darauf trainiert werden, Artgenossen zu verletzen oder sogar zu töten. Meist liegt die Ursache für hohe Aggression in gezieltem Training, mangelnder Erziehung und einer schlechten Sozialisierung oder Haltung. Hier liegt das eigentliche Problem: Wenn ein Hund, der als Listenhund eingestuft wird, falsch gehalten wird, stellt er aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit eine größere Gefahr dar als ein mangelhaft erzogener oder schlecht sozialisierter Dackel oder Chihuahua.
Mythos 3: Unter anderen Hunden genießen Junghunde Welpenschutz
Die meisten Hundehalter sind der Auffassung, dass ausgewachsene Hunde kleine Welpen instinktiv als solche erkennen und die Hundebabys den sogenannten Welpenschutz genießen. Die Vermutung, dass Welpen unter Artgenossen besondere Nachsicht oder gar Schutz genießen, hat sich in der Verhaltensforschung jedoch als falsch herausgestellt.
Woher stammt der Begriff „Welpenschutz“?
Der sogenannte Welpenschutz stammt aus dem Reich der Wölfe und meint die Toleranz, mit der ein Wolfsrudel einen Welpen in seinen ersten sechs bis sieben Lebenswochen behandelt. Unter Wölfen werden Jungtiere in dieser Zeit nicht angegriffen, um die Existenz eines Rudels nicht unnötig aufs Spiel zu setzen. Ein ähnliches Phänomen lässt sich auch unter Hundefamilien beobachten.
Doch außerhalb der eigenen Familie sieht es für die Junghunde nicht ganz so heiter aus. Drängen sie sich fremden Vierbeinern spielerisch auf, können Reaktionen entsprechend deutlich ausfallen: Gerade ältere oder angeschlagene Hunde reagieren dann gerne mal mit dem Ernst eines Erwachsenen und auch aggressives Verhalten ist nicht immer auszuschließen.
Sollten Sie mit Ihrem Hundenachwuchs also draußen unterwegs sein, lassen Sie ihn dabei stets angeleint. Begegnen Sie anderen Hunden, sollten Sie sich vor dem direkten Kontakt außerdem bei den Besitzern vergewissern, dass eine Annäherung ungefährlich für Ihren Kleinen ist.
Mythos 4: Das wichtigste Sinnesorgan des Hundes ist seine Nase
Es stimmt, dass der Geruchssinn von Hunden ihr am besten ausgeprägter Sinn ist: Sie nehmen ihre Umgebung zum größten Teil über ihre Schnüffelnase wahr. Häufig spielt die Nase im Hundealltag jedoch eine untergeordnete Rolle. Sehr viel bedeutsamer sind oftmals die Augen oder viel mehr das aufmerksame Beobachten des Gegenübers. Genau wie beim Menschen bestimmt auch bei Hunden der erste Eindruck über den weiteren Verlauf einer Begegnung. Erst wenn das Beobachten abgeschlossen ist, schalten sich bei den Fellnasen Ohren und Nase dazu, bei Bedarf schließlich auch der Tastsinn.
Beobachtung: Was bedeutet das für die Kommunikation zwischen Mensch und Hund?
Hunde können die menschliche Mimik und Gestik deuten – eine Fähigkeit, mit der sich sogar Menschenaffen oftmals schwertun. Die Forscher finden immer mehr darüber heraus, wie es den Vierbeinern gelingt, Menschen zu analysieren – und noch ist kein Ende der erstaunlichen Erkenntnisse in Sicht. Das Gegenteil ist der Fall: Man geht davon aus, dass Hunde bereits viel mehr über uns Menschen wissen, als wir bisher verstehen können.
Mythos 5: Mischlinge sind gesünder als Rassehunde
Rassehunde sind häufig krank, Mischlingshunde dagegen weniger anfällig für Erkrankungen – so zumindest die weit verbreitete Meinung. Statistiken belegen diese Annahme jedoch nicht. Ein britisch-australisches Forschungsteam resümierte sogar, dass Mischlingshunde genauso viele Besuche in Tierarztpraxen absolvieren müssen wie reinrassige Hunde. Sie wären außerdem gleich anfällig für genetisch bedingte Erkrankungen wie Rassehunde.
Es ist jedoch bekannt, dass einige Zuchtlinien eine erhöhte Neigung zu bestimmten Krankheiten aufweisen, was dazu führt, dass einige Rassehunde häufiger erkranken als andere Rassen oder Mischlingshunde. Seriöse Züchter und Zuchtverbände, bemühen sich daher, erblich bedingte Krankheiten zu vermeiden.
Diese elf Hunderassen sind vielleicht schlauer als Ihr Nachbar – belegt durch wissenschaftliche Tests




Es ist wichtig, zu verstehen, dass Rassehunde nicht zwangsläufig gesünder oder anfälliger für Krankheiten sind als Mischlingshunde. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass durch verantwortungsvolle Zucht das Risiko für bekannte erbliche Krankheiten, die für eine bestimmte Rasse typisch sein können, minimiert werden kann. Im Gegensatz dazu kann bei Mischlingshunden nicht vorhergesagt werden, wie hoch das Risiko für eine spezifische Krankheit ist.
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