Warum suchen Katzen die Nähe zu Menschen, die eigentlich keine Stubentiger mögen?
VonSophie Kluß
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Sie schnurren ihnen um die Beine und wollen von ihnen gestreichelt werden. Als hätten Katzen Antennen für Menschen, die Katzen gar nicht mögen. Was hinter dem seltsamen Verhalten steckt.
Die Spannung ist groß, wenn Freunde oder Bekannte, die eigentlich keine Katzen mögen oder sogar Angst vor ihnen haben, Katzenhalter besuchen. Meist folgt die große Überraschung wortwörtlich auf dem Fuße: Die Katze marschiert schnurstracks auf die betreffende Person zu, streicht ihr um die Beine und umwirbt sie ausgiebig. Für die Katzenbesitzer stellt sich dann oft die Frage: Wie kann es sein, dass meine Katze ausgerechnet den Kontakt zu einer Person sucht, die nicht gerade für ihre Liebe zu Katzen bekannt ist?
Warum fühlen sich Katzen ausgerechnet zu Menschen hingezogen, die sie nicht mögen?
Um diese Frage zu beantworten, sollte einmal verdeutlicht werden, was genau es eigentlich ist, das Katzen an Menschen mögen. Die Samtpfoten lieben es, ihre Ruhe zu haben und nur dann unterhalten zu werden, wenn sie es ausdrücklich wünschen. Am liebsten entscheiden sie selbst, mit wem sie wann kuscheln oder spielen. Die Samtpfoten schätzen es demnach sehr, wenn Menschen entspannt und ruhig mit ihnen umgehen.
Die Signale von Katzenliebhabern können auf Katzen irritierend wirken und sie in die Flucht schlagen. Wer die Stubentiger meidet, macht schon das meiste richtig. (Symbolbild)
Und genau an diesem Punkt unterscheidet sich das Verhalten von Katzenliebhabern und Menschen, die Katzen nicht mögen. Letztere verhalten sich völlig unbeabsichtigt richtig, während Erstere die Stubentiger unbedingt streicheln oder bespaßen möchten – ein Verhalten, das die Katze eher irritiert. Menschen, die Katzen für gewöhnlich meiden, lassen die Tiere in Ruhe und fixieren sie nicht mit Blicken (Katzen empfinden angestarrt werden als Bedrohung). Dieses Verhalten schätzen die Samtpfoten und suchen den Kontakt zu der Person, die sie ignoriert – und ihr damit ausreichend Freiraum lässt. Ihr Interesse zeigen sie dann beispielsweise durch Schnurren oder Anschmiegen. Für Personen mit einer Katzenallergie wird es dann allerdings problematisch.
Paradox: Signale von Katzenliebhabern irritieren die Tiere meist
Eine weitere Theorie liefert der Biologe Dennis C. Turner, der mitunter die Beziehung des Menschen zur Hauskatze erforscht. Im Gespräch mit dem Sternverrät er, weshalb Katzen solche Menschen, die keine Signale der Zuneigung senden, anziehend finden: „Die Katze muss feststellen – was ist mit dieser Person?“, erklärt Turner. „Deshalb forciert sie den Kontakt.“
Zehn No-Gos von Katzen: auf dem Arm getragen werden, laute Geräusche & Co.
Eine Studie, die in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht wurde, hat laut Deine Tierwelt ergeben, „dass selbsternannte ‚Katzenmenschen‘ eher dazu neigen, die ‚roten Zonen‘ des Tieres zu berühren“. Sogar Menschen, die bereits mehrere Jahre mit den Samtpfoten zusammenleben, würden ihren Haustieren nicht ausreichend Unabhängigkeit gewähren.
Die Studienleiterin Lauren Finka, Expertin für Katzenverhalten an der Nottingham Trent University, habe gegenüber The Telegraph aus diesem Grund an die Tierheime appelliert: Manchmal könnten gerade Interessenten mit keiner oder nur wenig Erfahrung im Umgang mit Katzen „fantastische Katzenbetreuer sein“.