VonPia Seitlerschließen
Durch versteckte Preiserhöhungen, auch „Shrinkflation“ genannt, bekommen Kunden beim Einkaufen weniger für ihr Geld. Wir listen sieben betroffene Produkte auf.
Von außen sieht die Packung Pringels aus wie immer, der Preis ist derselbe. Dennoch bleibt nach dem Einkauf im Supermarkt oft das Gefühl, dass alles teuer wird. Und das Gefühl trügt auch in diesem Fall nicht, denn es hat sich unbemerkt doch etwas verändert: der Inhalt der Chips-Packung.
Bei versteckten Preiserhöhungen, auch „Shrinkflation“ genannt, reduzieren Hersteller den Inhalt ihrer Produkte und der Preis im Supermarkt bleibt gleich. Seit fast 20 Jahren deckt die Verbraucherzentrale Hamburg solche Mogelpackungen auf. Mit ihnen geben Firmen zum Beispiel höhere Kosten für Rohstoffe an ihre Kundinnen und Kunden weiter. „Für Verbraucher ist es eigentlich nicht möglich, das im Supermarkt zu erkennen“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Verbraucherschützer warnt vor „Shrinkflation“ und versteckten Preiserhöhungen im Supermarkt
Im ersten Halbjahr 2023 verzeichnete die Verbraucherzentrale einen neuen Rekord an Beschwerden über Shrinkflation. Der Begriff, eine Mischung aus dem englischen Wort „shrink“ für „schrumpfen“ und „Inflation“, bezeichnet das Phänomen, wenn Produkte aufgrund der Inflation schrumpfen. „Shrinkflation“ finde dabei meist etwas zeitverzögert zur Inflation statt.
2024 sei der Höhepunkt der Shrinkflation überschritten, dennoch rechnet der Verbraucherschützer mit 60 bis 70 Mogelpackungen bis zum Ende des Jahres. Bei den Herstellern gebe es inzwischen etwas mehr Verständnis, dennoch könne Valet nicht erkennen, dass sich wirklich etwas ändere. Ohne Kennzeichnung auf der Packung, dass die Menge sich verringert habe, hätten Verbraucherinnen und Verbraucher „fast keine Chance“.
„Es hilft auch nicht, den Grundpreis auf dem Preisschild im Supermarkt anzuschauen, denn damit kann ich nur Produkt A und Produkt B im Regal vergleichen, aber nicht erkennen, wie hoch der Preis vor der Preiserhöhung war“, sagt Valet BuzzFeed News Deutschland. Viele würden die Shrinkflation zufällig zu Hause entdecken, wenn sie zum Beispiel das Müsli in den gleichen Vorratsbehälter füllen wollen.
Preiserhöhung bei Mirácoli, Pringles und Co.
Damit Sie nach dem nächsten Einkauf im Supermarkt keine böse Überraschung erleben, haben wir einige Mogelpackungen von 2024 gesammelt.
1. Lebensbaum Tomaten-Gewürzsalz
Das Lebensbaum Tomaten-Gewürzsalz der Ulrich Walter GmbH ist die Mogelpackung des Monats November, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg. Der Hersteller führt nach Bitte um Stellungnahme eine neue, nachhaltigere Verpackung, eine bedarfsgerechtere Füllmenge sowie Kostensteigerungen auf allen Ebenen (Rohstoffe, Transport, Energie) als Gründe für den starken Preisanstieg an. Die Verbraucherzentrale überzeugt das nicht, da sie vermutet, dass die Herstellungskosten wohl eher geringer ausfallen und auch die beiden anderen Gründe ihrer Auffassung nach keine solch drastische Preiserhöhung rechtfertigen.
2. Kölln Das Original Schoko Hafer-Müsli
Die Peter Kölln GmbH & Co. KGaA schreibt zur versteckten Preiserhöhung um 20 Prozent, dass der Preis für Rohkakao „explodiert“ sei. „Da es für uns nicht infrage kommt, bei unseren Rezepturen mit billigeren Zutaten zu experimentieren, um Kosten zu sparen, war die einzige vertretbare Lösung eine Reduzierung des Gewichts je Packung“, heißt es vom Unternehmen. Der Hinweis „Neue Grösse“ auf der Vorderseite der Packung weise auf eine neue Füllmenge hin. Dass diese gesunken ist, wird jedoch nicht sofort ersichtlich, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg.
3. Dany Pudding Schoko
Die Füllmenge der Becher hat sich bei Dany nicht geändert, dennoch kostet der Zweierpack jetzt mehr als die Hälfte des alten Viererpacks und die Rezeptur hat sich verändert. Danone verteidigt sich: „Die Entscheidung für das neue Format basiert auf einer repräsentativen Konsumentenstudie“, außerdem würde ein goldener Sticker mit „NEU“ auf eine Veränderung des Produktes hinweisen.
4. Mirácoli Pasta Sauce XXL Basilikum
Die Mars GmbH, die die bekannte Pasta-Sauce Mirácoli herstellt, rechtfertigt die versteckte Preiserhöhung mit „wachsendem Kostendruck“ und Kostensteigerungen bei Rohstoffen. Es sei weiterhin ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
5. Pringles Original
Bei den Pringles sei schon häufig mit Füllmengen getrickst worden, warnt die Verbraucherzentrale. Die Chips seien seit 2006 bis zu 128 Prozent teurer geworden. Kellanove (bis 2023 Kellogg's), der Hersteller der Chips, schreibt, man habe die Packungsgröße angepasst, um sicherzustellen „dass wir die richtige Packungsgröße für verschiedene Geschäfte oder unterschiedliche Essensanlässe haben.“
6. Nestlé Nesquik Original
Nestlé habe sein Angebot überarbeitet, um für „jede Haushaltsgröße und Verzehrgewohnheit eine geeignete Lösung anzubieten“. Jede neue Größe falle durch ein dunkelblaues Banner auf, rechtfertigt sich das Unternehmen.
7. Cremissimo Bourbon Vanille
Der Hersteller des Speiseeis, Unilever, schreibt dazu, man habe die Qualität des Produkts verbessert. Diese Produktverbesserungen würden zu einem Mehrkostenaufwand führen und damit zu einer Reduzierung der Füllmengen. „Zwar soll es nach Angaben von Unilever weiterhin das Eis in der Familienpackung mit 1300 Millilitern geben, aber es bleibt unklar, ob diese Größe auch zukünftig zum Standardsortiment der Supermärkte gehören wird“, schreibt die Verbraucherzentrale.
Rubriklistenbild: © Norbert Schmidt/Margit Wild/Imago







